Etsuro Sotoo über seine Bekehrung und Antoni Gaudí

Vortrag des japanischen Bildhauers beim 26. Rimini-Treffen

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RIMINI, 24. August 2005 (ZENIT.org).- Das Werk des spanischen Architekten Antoni Gaudí faszinierte den japanischen Bildhauer Etsuro Sotoo derart, dass es ihn schließlich – während der Arbeiten in der Kirche "Sagrada Familia" ("Heilige Familie") in Barcelona – zum Glauben führte.



Anlässlich des 26. Rimini-Treffens der von Msgr Luigi Giussani gegründeten kirchlichen Bewegung "Gemeinschaft und Befreiung" hielt der wohl angesehenste Bildhauer Japans am Sonntag einen Vortrag zum Thema "Der Mensch als Fenster: Freiheit der Kunst" und legte dabei ein Zeugnis seines Glaubens ab. Zunächst erinnerte er sich an einen Besuch in Barcelona im Jahr 1978. Damals habe ihn die Sühnekirche der Heiligen Familie, das unvollendete Meisterwerk Gaudís (1852-1926), dermaßen überwältig, dass er um die Erlaubnis ansuchte, als Bildhauer in der Provinzhauptstadt Kataloniens bleiben zu dürfen.

"Um Gaudí zu verstehen, war es wichtig, seine tiefsten Absichten hinter all seinen Skulpturen und seinem prachtvollen Bau zu begreifen, der ja nicht nur ein Kunstwerk ist." Sotoo habe deshalb versucht, "sein inneres Wesen zu erforschen und die Steine zu befragen. Ich sann darüber nach, was Gaudí an meiner Stelle getan hätte. Es war wichtig für mich zu entdecken, was sich hinter diesen Steinen verbarg." Anfänglich habe der japanische Bildhauer allerdings keine Antworten auf seine Fragen gefunden. Doch dann sei es auf einmal soweit gewesen – in dem Augenblick, als er begriff, dass er nicht auf den großen Architekten schauen durfte, sondern "in die Richtung, in die Gaudí schaute".

Mit dem eindrucksvollen Charakter der "Sagrada Familia" in Barcelona habe Gaudí nicht beabsichtigt, sich selbst ein Denkmal zu setzen, betonte Sotoo. Vielmehr habe er Gott die Ehre geben wollen, dem er seine Arbeit gewidmet und als dessen Mitarbeiter er sich verstanden habe.

Der 1989 getaufte Bildhauer erklärte, dass sich seine Arbeitsweise nach der Bekehrung nicht geändert habe, dass sie aber wesentlich "leichter und sicherer" geworden sei und sein Leben mit "Freude und Freiheit" erfülle. "Gaudís Architektur verweist auf etwas, zwingt einen aber nicht. Sie ist etwas Menschliches wie es auch der Weg Jesu ist: Er zwingt uns nicht zu irgendetwas, sondern er führt uns. Und auf diesem Weg leben wir viel glücklicher, viel sicherer." Abschließend erwähnte Etsuro Sotoo, dass der Künstler im Sinne von Gaudí durch seine Arbeit mit Gottes Schöpfung zusammenwirke. "Auf diese Weise werden Freiheit und Glück möglich. Das ist der einzige Weg, dem der Mensch folgen muss."