EU: Bischöfe fordern Politiker auf, den Menschen im Auge zu haben

Abgelehnte EU-Verfassung als Chance

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BRÜSSEL, 15. Juni 2005 (ZENIT.org).- Die gegenwärtige Krise innerhalb der Europäischen Union betrachtet die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) als große Chance für das europäische Projekt: Die verantwortlichen Politiker der einzelnen Mitgliedsstaaten seien nun gefordert, Überzeugungsarbeit zu leisten und dabei wieder den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Politik zu rücken.



Die Ablehnung der EU-Verfassung sei "nicht das Ende der Europäischen Einigung", betonen die Mitglieder des Exekutivausschusses der COMECE in einer vor kurzem veröffentlichten Erklärung, die Premierminister Juncker im Vorfeld des Europäischen Rates am 16. und 17. Juni in Brüssel übergeben wird.

Das Dokument ist ein Ergebnis der COMECE-Sitzung vom 9. und 10. Juni in Rom, wo die Bischöfe über die gegenwärtige Situation der Europäischen Union beratschlagt haben, und hebt ihre besondere Bedeutung für Sicherheit, Frieden und Stabilität hervor, die seit über 50 Jahren in Europa herrschen.

Den Europäischen Rat fordert der Exekutivausschuss dazu auf, die Sorgen der Bürger in seine Überlegungen einzubeziehen: "Die Bürger gehören ins Zentrum europäischer Politik. Träger, Ursprung und Ziel aller gesellschaftlichen Einrichtungen ist schließlich der Mensch. Die europäische Politik wird neu lernen müssen, auf ihn hin und von ihm her zu denken", schreiben die Bischöfe.

Als “Mitglieder einer fest verbundenen Gemeinschaft”, die unbedingt notwendig sei, um dem Druck und den Problemen der Globalisierung begegnen zu können, müsse man geeignete Wege finden, um die Funktionstüchtigkeit dieser 25 Staaten umfassenden Gemeinschaft zu verbessern. "Dabei sind demokratischere und transparentere Strukturen unerlässlich. Wir brauchen in Europa eine konsequente Verwirklichung des Subsidiaritätsprinzips. Den vorrangigen Handlungswillen der Menschen anzuerkennen und alles Handeln der Mitgliedsstaaten und der Europäischen Union daran und am Gemeinwohl auszurichten, würde der Europäischen Union die Legitimität verschaffen, die sie braucht, um auch weiterhin eine Union der Solidarität und des Friedens" zu sein.

Alle Europäer werden von den Bischöfen daran erinnert, dass sie am Erfolg des europäischen Integrationsprozesses mitverantwortlich seien. Besonders alle Katholiken werden darum gebeten, sich für das europäische Gemeinwohl einzusetzen.

"Das Wissen um die geschichtliche Identität Europas und das gemeinsame religiöse Erbe muss in Zukunft stärker berücksichtigt werden, um den Bürgern besser zu ermöglichen, sich mit dem europäischen Projekt zu identifizieren und eine authentischere europäische Wertegemeinschaft entstehen zu lassen." In diesem Sinne appellieren die Bischöfe abschließend "an die politisch Verantwortlichen, den Geist der Gründerväter neu lebendig werden zu lassen und ihn beharrlich zu verfolgen".

In Rom besprachen sich die Mitglieder des COMECE-Exekutivausschusses – Bischof Josef Homeyer von Hildesheim (Präsident), Bischof Adrianus van Luyn SDB von Rotterdam (Vizepräsident), Erzbischof Hippolyte Simon von Clermont (Vizepräsident), Msgr Noël Treanor (Generalsekretär), Stefan Lunte (Assistent des Generalsekretärs) sowie Dr. Matthias Meyer (Berater von Bischof Homeyer, Deutsche Bischofskonferenz) – unter anderem auch mit Kardinal Giovanni Lajolo, dem Sekretär für die Beziehungen des Heiligen Stuhls mit den Staaten.