EU: COMECE-Bischöfe für wertebasiertes Europa und konsequente Verfolgung der Millenniums-Entwicklungsziele

Neues Schreiben über die Verantwortung der Katholiken in der EU für 9. Mai angekündigt

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BRÜSSEL, 16. März 2005 (ZENIT.org).- Die Mitglieder der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) sind im Rahmen ihrer Frühjahresvollversammlung vom 9. bis 11. März in Brüssel mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zu einem Gespräch über die Rolle der Kirche bei der Vertiefung der neuen Europäischen Union zusammengetroffen.



Dieses Gespräch bildete gleichsam den Höhepunkt der diesjährigen Vollversammlung der Bischöfe aus 21 nationalen Bischofskonferenzen in Europa. Eine Vielzahl von Themen wurde diskutiert, darunter die Erneuerung der Lissabon-Strategie, der Ratifikationsprozess des EU-Verfassungsvertrages und die Rolle der EU gegenüber ihren Nachbarländern.

Bei ihrer Diskussion über die Lissabon-Strategie, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der kürzlich erschienenen Veröffentlichung der COMECE "Das europäische Sozialmodell stärken – Thesen für eine erneuerte Lissabon-Strategie der Europäischen Union" unterstrichen die Bischöfe die zentrale Bedeutung einer starken Wirtschaft für die Unterstützung und Stabilisierung des europäischen Sozialmodells.

An Präsident Barroso appellierten sie, in diesem Bereich zusammen mit den Kirchen aktiv auf eine Verbesserung der Situation hinzuarbeiten, um in Bereichen wie Arbeitsleben, Familie und Forschung ein wertebasiertes Europa zu schaffen. Barroso wies darauf hin, dass die EU und die Kirche auf sehr ähnliche Werte gegründet seien, da beide zur Verwirklichung des Prinzips "In Vielfalt geeint" verpflichtet seien. Daher war er sich mit den Bischöfen einig, dass ein qualitativer Dialog und Austausch wesentlich dazu beitragen, unsere gemeinsamen Ideale eines in Frieden und Freiheit vereinten Europas weiterzuverfolgen.

Die Bischöfe erklärten, dass "mit dem Verfassungsvertrag die notwendigen Reformen eingeführt werden, um aktuellen Herausforderungen innerhalb und außerhalb der Europäischen Union begegnen zu können". Weiterhin betonten sie, wie wichtig eine informierte und offene Debatte über den Ratifizierungsprozess in den Mitgliedstaaten sei.

Die Bischöfe würdigten das Engagement und die Investitionen der EU in der Balkanregion und betonten zugleich die bleibenden Herausforderungen bei Aussöhnung, Stabilisierung, Regierungsform, Rechtsstaatlichkeit und dem Aufbau einer starken Zivilgesellschaft. Zugleich wiesen sie auf die Notwendigkeit aktiver kirchlicher Beiträge zur Stabilität hin und betonten die Bereitschaft der Kirchen dazu. Außerdem zeigten sie sich überzeugt davon, dass die Beitrittsverhandlungen zwischen Kroatien und der EU in naher Zukunft eröffnet werden. Angesichts der jüngsten Ereignisse in der Ukraine begrüßten sie die Reaktion der EU auf den Regierungswechsel und ihre Schritte hin zu engeren Beziehungen zwischen der Europäischen Union und der Ukraine.

Die Bischöfe begrüßten den Einsatz der EU für die Millennium-Entwicklungsziele. Präsident Barroso riefen sie dazu auf, in diesem Zusammenhang in der internationalen Staatengemeinschaft eine Führungsrolle zu übernehmen, damit Solidarität mit den Armen in der Welt gewährleistet wird, und zwar sowohl innerhalb der EU als auch über ihre Grenzen hinaus, besonders in den Entwicklungsländern. Dabei betonten sie, dass das neue EU-Budget für 2007-2013 auf Solidarität zwischen den reicheren und den ärmeren Mitgliedstaaten beruhen müsse.

Präsident Barroso würdigte die wichtige Rolle, die die Kirche im ganzen Prozess der europäischen Integration gespielt hat, und begrüßte die Veröffentlichung einer theologischen Reflexion über den Entwicklungsprozess der Europäischen Union unter dem Titel "Das Werden der Europäischen Union und die Verantwortung der Katholiken".

Beide Seiten bekundeten ihre Unterstützung für die Neuauflage des Barcelona-Prozesses, vor allem als Mittel zur Schaffung von Frieden im Mittleren Osten. Dabei erklärten sich die Bischöfe zum Engagement im interreligiösen Dialog bereit, um so den Barcelona-Prozess zu ergänzen. Barroso betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen der EU und den USA in diesem Bereich und begrüßte den Vorschlag der COMECE, im September in Brüssel ein Seminar mit Bischöfen aus der EU und aus den USA zu veranstalten.

Auf ihrer Vollversammlung diskutierten die Bischöfe die genannten zentralen Themenfelder mit Vertretern der Europäischen Kommission, darunter Louis Michel, EU-Kommissar für Entwicklung und humanitäre Hilfe, Klaus Regling, Generaldirektor der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen der Europäischen Kommission und Pierre Defraigne, ehemaliger Generaldirektor der Europäischen Kommission.

Die Bischöfe nahmen die Komplexität des Themas Entwicklungshilfe zur Kenntnis und verpflichteten sich und die zuständigen Ausschüsse der nationalen Bischofskonferenzen zur Zusammenarbeit im Hinblick auf die Koordinierung einer Kampagne, durch die das Bewusstsein für die Millennium-Entwicklungsziele in der gesamten EU gestärkt werden soll. Mit Interesse nahmen sie die Ideen der EU zu Kenntnis, eine Entwicklungsstrategie mit konkreten Zielen und einer Zeitschiene für deren Umsetzung aufzustellen. Ebenso begrüßten sie die Vorstöße der EU-Finanzminister, die Einführung einer Kerosinsteuer zu überprüfen. Weiterhin betonten sie die Bedeutung konkreter Solidaritätsbekundungen mit den Menschen in den Entwicklungsländern, besonders mit denen, die in der EU als Flüchtlinge Schutz suchen. Das Sekretariat wurde beauftragt, weiteres Material zu diesem Thema zu beschaffen.

Die Schrift "Das Werden der Europäischen Union und die Verantwortung der Katholiken", eine umfassende theologische Reflexion über den europäischen Integrationsprozess, wurde im Auftrag der COMECE-Bischöfe als Nachfolgewerk der vorläufig mit "Das Herz weit machen" betitelten Veröffentlichung aus dem Jahre 2003 verfasst. Das Schreiben empfehlen die Bischöfe als Ausgangspunkt für die Reflexion und die Debatte über die laufende europäische Integration. Es handelt sich dabei um ein Arbeitspapier, zu dem die Bischöfe Kommentare und Reaktionen erbitten. Das Dokument wird am 9. Mai 2005 veröffentlicht.

In Anbetracht des laufenden Ratifizierungsprozesses der EU-Verfassung nahmen die Bischöfe einen Text zur Kenntnis, der als Schlüssel zur Lektüre und als Verständnishilfe für den Verfassungsvertrag dienen soll. Das Dokument mit dem Titel "Vertrag über eine Verfassung für Europa – Elemente für eine Bewertung" soll den nationalen Bischofskonferenzen als Hilfsmittel dienen, um eine informierte Debatte anzuregen.

Mit Interesse nahmen die Bischöfe die Schritte hin zum Aufbau einer EU-Grundrechteagentur zur Kenntnis, die 2007 gegründet werden soll. Die COMECE wird diese Initiative verfolgen und unterstützen, insbesondere in Bezug auf die Achtung der Menschenwürde sowie Religionsfreiheit und Anti-Diskriminierung.

Am 3. März 2005 jährte sich zum 25. Mal die Gründung der COMECE. Die Bischöfe bekräftigten ihren Willen zum Einsatz für die Arbeit, die die COMECE auf europäischer Ebene leistet. Dialog und Beiträge zur EU-Politik im Namen der Kirche sind den Bischöfen zufolge von zentraler Bedeutung. Im Rahmen der Vollversammlung fand ein Empfang zur Reflexion und zur Debatte unter dem Thema "Du, Kirche in Europa, welche Stellung nimmst du im öffentlichen Leben ein?". Die drei Hauptredner waren Kardinal Peter Erdö, Erzbischof von Esztergom-Budapest, Schwester Gisela Happ, Generalsekretärin der Alliance for International Monasticism (AIM), und Stefan Wilkanowicz, Präsident der Stiftung für Christliche Kultur "ZNAK".

Der derzeitige Generalsekretär der COMECE, Msgr. Noël Treanor, wurde für weitere drei Jahre in seinem Amt bestätigt.

COMECE ist eine Kommission der Katholischen Bischofskonferenzen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Die Bischofskonferenzen von Rumänien, Kroatien, Bulgarien und der Schweiz genießen Beobachterstatus.

Folgende Bischöfe nahmen als Vertreter ihrer Bischofskonferenz an der Vollversammlung teil:
Bischof Josef Homeyer (Deutschland); Bischof Adrianus van Luyn (Niederlande); Erzbischof Hippolyte Simon (Frankreich); Bischof John Crowley (England & Wales); Weihbischof Jozef De Kesel (Belgien); Bischof Teodoro De Faria (Portugal); Erzbischof Fernand Franck (Luxemburg); Weihbischof Piotr Jarecki (Polen); Bischof Anton Justs (Lettland); Weihbischof Vaclav Maly (Tschechische Republik); Erzbischof Diarmuid Martin (Irland); Erzbischof Joseph Mercieca (Malta); Weihbischof Giuseppe Merisi (Italien); Bischof Peter Moran (Schottland); Bischof Rimantas Norvila (Litauen); Bischof Frantisek Rábek (Slowakei); Erzbischof Ioannis Spiteris (Griechenland); Weihbischof Anton Stres (Slowenien); Weihbischof András Veres (Ungarn) und Erzbischof Elias Yanes Alvarez (Spanien); Bischof Virgil Bercea (Rumänien); Kardinal Josip Bozanic (Kroatien) und Bischof Christo Proykov (Bulgarien).