EU: Initiative gegen aktive Sterbehilfe übergibt 50.000 Unterschriften

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BRÜSSEL, 27. April 2005 (ZENIT.org). Am Vormittag übergaben Vertreter der "Initiative Menschenwürde" 50.000 Unterschriften an Marcel Glesener, den Vize-Präsidenten der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, der zugleich Vorsitzender des EU-Ausschusses für Sozialordnung, Gesundheit und Familie ist. Von der Aktion, die sich gegen die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe richtet, soll eine Signalwirkung ausgehen. Zu den prominentesten Unterstützern zählen unter anderem Kardinal Schönborn (Wien) und Bischof Kamphaus (Limburg).



Hinter jeder Unterschrift stehe ein Gespräch, stehe das aktive Bemühen um Meinungsbildung in der Bevölkerung, erklärt Hannelore Spannagel, Pressesprecherin der "Initiative Menschenwürde in allen Phasen des Lebens – Nein zur Legalisierung der aktiven Sterbehilfe", die sich im Januar 2004 in der Schönstatt-Bewegung gebildet und seitdem aktive Unterstützung durch zahlreiche Gruppierungen und Einzelpersonen, darunter zahlreiche Vertreter der Hospizbewegung, gefunden hat.

"Das kann man nicht wegreden", so Spannagel. Hinter der Initiative stünden sehr viele Menschen, "die klar Stellung beziehen gegen aktive Sterbehilfe und für den Ausbau von Palliativmedizin und ganzheitlicher Sterbebegleitung".

Am 27. April 2005 wollte sich der Europarat nach gut einem Jahr erneut mit der Vorlage des Schweizer Abgeordneten Dick Marty zur Legalisierung der aktiven Sterbehilfe befassen, wird in einer Presseerklärung der Schönstattbewegung erklärt. Der Titel dieser Vorlage sei umgeändert worden in "Unterstützung von Patienten am Lebensende". Der Entwurf verzichte im Unterschied zum Entwurf von 2004 auf die ausdrückliche Empfehlung an die Mitgliedsstaaten, die aktive Sterbehilfe zu legalisieren, schließe diese Option aber keineswegs aus.

In der Empfehlung 1418 betonte die Parlamentarische Versammlung des Europarates im Jahr 1999 unter dem Titel "Schutz der Menschenrechte und der Würde der Todkranken und Sterbenden" ihre Ablehnung der Euthanasie und betonte, "dass der Sterbewunsch einer todkranken beziehungsweise sterbenden Person selbst keine gesetzmäßige Rechtfertigung darstellen kann, Handlungen auszuüben, mit denen die Herbeiführung des Todes beabsichtigt ist". Gleichzeitig forderte diese Empfehlung, den Zugang Todkranker und Sterbender zu Einrichtungen der Palliativmedizin zu verbessern.

Diese Empfehlung soll nach dem Willen der deutschen Bischofskonferenz, der Caritas Österreich, der katholischen Familienverbände Europas, der Hospizbewegung sowie der "Initiative Menschenwürde in allen Phasen des Lebens" bestehen bleiben.

"Die direkte Euthanasie besteht darin, dass man aus welchen Gründen und mit welchen Mitteln auch immer dem Leben behinderter, kranker oder sterblicher Menschen ein Ende setzt. Sie ist sittlich unannehmbar", heißt es dazu im "Katechismus der Katholischen Kirche" (2277).

Allerdings verlange die Moral "keine Therapie um jeden Preis. Außerordentliche oder zum erhofften Ergebnis in keinem Verhältnis stehende aufwendige und gefährliche medizinische Verfahren einzustellen, kann berechtigt sein. Man will dadurch den Tod nicht herbeiführen, sondern nimmt nur hin, ihn nicht verhindern zu können. Die Entscheidungen sind vom Patienten selbst zu treffen, falls er dazu fähig und imstande ist, andernfalls von den gesetzlich Bevollmächtigten, wobei stets der vernünftige Wille und die berechtigten Interessen des Patienten zu achten sind" (2278).

Aber "selbst wenn voraussichtlich der Tod unmittelbar bevorsteht, darf die Pflege, die man für gewöhnlich einem kranken Menschen schuldet, nicht abgebrochen werden. Schmerzlindernde Mittel zu verwenden, um die Leiden des Sterbenden zu erleichtern selbst auf die Gefahr hin, sein Leben abzukürzen, kann sittlich der Menschenwürde entsprechen, falls der Tod weder als Ziel noch als Mittel gewollt, sondern bloß als unvermeidbar vorausgesehen und in Kauf genommen wird" (2279).

Prinzipiell sei der Mensch aber "nur Verwalter, nicht Eigentümer des Lebens, das Gott uns anvertraut hat. Wir dürfen nicht darüber verfügen", ergänzt der Katechismus in Abschnitt 2280.