EU und Menschenrechte: Präsidenten der EU-Institutionen treffen hochrangige Kirchen- und Religionsvertreter

Dreistündige Gespräche in Brüssel

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BRÜSSEL, 16. Mai 2007 (ZENIT.org).- Auf Initiative des Präsidenten des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, fand heute, Mittwoch, in Brüssel eine Begegnung von 20 hohen Würdenträgern der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Europa mit EU-Ratspräsidentin Angela Merkel, dem Präsidenten der EU-Kommission, José Manuel Barroso, und dem bereits genannten Präsidenten des EU-Parlaments statt .



Bei dem fast dreistündigen Gespräch ging es um das Thema der Menschenwürde. Wie die Kommission der Bischofskonferenzen des EU-Raums (COMECE) nach dem Treffen berichtete, wurde über Migration, Entwicklungshilfe und bioethische Fragen gesprochen, was die europäischen Institutionen zur Willensbekundung veranlasst habe, konkrete Schritte einzuleiten.

Die Katholiken waren bei der Begegnung durch Kardinal Walter Kasper, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, durch Kardinal Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, und durch Bischof Adrianus Van Luyn, Vorsitzender der COMECE, vertreten.

Letzterer hob in seinem Beitrag hervor: „Die Tatsache, dass die Menschenwürde allen Menschen gilt – unabhängig davon wo sie leben –, hat Konsequenzen für die Europäische Union und die von ihr entwickelten Politiken. Dies impliziert unsere Verantwortung dafür, eine menschenwürdige Behandlung von Migranten sicherzustellen.“

Der Bischof erinnerte daran, dass sich die EU für die Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele einsetze, und bat die Kommission, in diesem Jahr eine Halbzeit-Evaluierung der Fortschritte des EU-Engagements vorzunehmen. Der Vorsitzende der COMECE hat bei der Gelegenheit auch den Respekt der Menschenwürde im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Forschung hervorgehoben, indem er sagte: „Vor allem im Bereich der Lebenswissenschaften und Biotechnologien bedarf das Konzept der Menschenwürde ständiger Verfeinerung und Präzisierung; EU-Maßnahmen müssen am Vorsichtsprinzip ausgerichtet sein.“

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, brachte das Ziel der Begegnung auf den Punkt, indem er feststellte, dass die Herausforderung für die europäischen Entscheidungsträger darin liege, „die Menschenwürde in konkreten Politiken umzusetzen“.

Präsident Barroso griff den Vorschlag Van Luyns auf, die Fortschritte der EU für die Erreichung der Millenniumsziele in einem Halbzeitbericht zu untersuchen; zudem kündigte an, dass die Kommission in Kürze einen Richtlinienvorschlag über die Rechte von Migranten in Europa vorlegen werde.

Die deutsche Bundeskanzlerin und EU-Ratspräsidentin Angela Merkel erläuterte, dass die europäischen Institutionen Herausforderungen gegenüberstünden, die sie alleine nicht lösen könnten, und dass die Werte – insbesondere die Menschenwürde – aus diesem Grund ihren Platz im Herzen unserer Gesellschaft wieder einnehmen müssten. Sie kündigte des Weiteren an, dass die Begegnung zwischen EU-Institutionen und Kirchen- und Religionsvertretern voraussichtlich im nächsten Jahr unter slowenischer Präsidentschaft fortgesetzt werde.