Eucharistischer Weltkongress und Glaubenserneuerung in Kanada (Teil 1)

Die „Companions of the Cross“, eine Vereinigung von Priestern und Seminaristen

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QUEBEC, 18. Juni 2008 (ZENIT.org).- Bei den Feiern zum 400. Jahrestag der Gründung von Quebec-Stadt in diesem Sommer, wenn sich Katholiken aus aller Welt zum 49. internationalen eucharistischen Kongress hier versammeln, spielt der Glaube eine zentrale Rolle.



Isabelle Thiberge, Leiterin der Medienabteilung der Erzdiözese Quebec, erklärte gegenüber ZENIT, dass die Erzdiözese den Kongress auf den 15.bis 22. Juni gelegt habe, damit er mit den Jubiläumsfeiern zusammenfällt. Das Thema des Kongresses lautet: „Die Eucharistie, Geschenk Gottes für das Leben der Welt“.

„Die Fundamente Quebecs waren die französische Sprache und der katholische Glaube“, erläuterte Thiberge. „Wir hätten die 400-Jahr-Feier der Gründung Quebecs nicht so groß herausstellen können, wenn wir nicht vom katholischen Glauben gesprochen hätten, der fast alles in unserer Gesellschaft inspiriert und in Gang gesetzt hat. Unser Gesundheitswesen und unser Bildungssystem, all das haben wir von unseren Glaubensbrüdern- und Schwestern.“

Ein früherer Bürgermeister von Quebec-Stadt, Jean-Paul L'Allier, habe die Erzdiözese dazu eingeladen, aus Anlass des Jubiläums eine besondere Feier zu organisieren. „So kam es, dass der damalige Erzbischof von Quebec [Erzbischof Maurice Couture, Anm. d. Red.] die Idee hatte, Papst Johannes Paul II. darum zu bitten, dass der internationale eucharistische Kongress in Quebec stattfinden möge.“

Grünes Licht im Jahr 2004
Thiberge berichtete, dass viele junge Katholiken bei der Organisation des eucharistischen Kongresses aktiv geworden seien. Das sei „eine angenehme Überraschung“ gewesen. „Unsere Zielvorstellungen hinsichtlich der Zahl der Jugendlichen, die beim Kongress mitmachen, sind übertroffen worden, und darüber freuen wir uns sehr“, fügte sie hinzu.

Die Vorbereitungen waren nicht nur logistischer, sondern auch spiritueller Art. Seit 2005 haben die Organisatoren ein jährliches Jugendtreffen veranstaltet, um den jungen Menschen dabei zu helfen, sich spirituell auf den Kongress vorzubereiten. „Im ersten Jahr kamen 250 Jugendliche“, berichtete Thiberge. „Im zweiten Jahr hatten wir mit 350 gerechnet, aber wir mussten die Anmeldungen bei 600 stoppen, weil wir nicht mehr genug Platz zur Verfügung hatten. Im vergangenen Jahr waren es über 1.200 Jugendliche.“ Dies habe dazu geführt, dass der internationale eucharistische Kongresses einen starken jugendlichen „touch“ bekommen habe.

„Die jungen Menschen sind dabei, ihren Platz zu finden, freiwillig mitzuarbeiten und sich bei der Vorbereitung dieses Kongresses zu engagieren. Wir hoffen, dass das die Menschen dazu veranlassen wird, zur Kirche zurückzukehren und ihren katholischen Glauben wieder neu zu entdecken.“

Erste Anzeichen einer Erneuerung
Viele Katholiken in Kanada begrüßen den eucharistischen Kongress als Teil einer umfassenderen katholischen Erneuerung in einem Land, das in den letzten 40 Jahren überwiegend säkular geworden ist. Eines der ersten Zeichen einer katholischen Erneuerung Kanadas war 1988 die Gründung der Companions of the Cross („Gefährten des Kreuzes“), eine Vereinigung von Priestern und Seminaristen, die auf die Initiative von Pater Bob Bedard zurückgeht. Nachdem ihre Statuten im Jahr 2002 vom Heiligen Stuhl approbiert worden waren, richtete Erzbischof Marcel Gervais von Ottawa am 2. Mai 2003 die „Companions of the Cross“ als Gesellschaft des apostolischen Lebens nach diözesanem Recht ein.

Die Gemeinschaft der „Kameraden des Kreuzes“ nahm ihren Anfang im Jahr 1980, als Pater Bedard eine Gruppe von Seminaristen aus der Umgebung zum Studieren und Beten in seine Pfarrei einlud. So entstand eine zwanglose, inoffizielle Gebets- und Studiengruppe. Als die Gruppe in ihrer Kenntnis der Schrift fortgeschritten war, begannen die Seminaristen, Gottes Ruf zu vernehmen: Sie sollten aus dem Seminar ausziehen und in das Pfarrhaus der Pfarrei St. Mary zu Pater Bedard kommen.

Der Priester schrieb diese Idee zunächst dem Übereifer der Seminaristen zu und schob sie beiseite. Nur mit größtem Widerstreben trat er schließlich an Erzbischof Joseph-Aurèle Plourde, den damaligen Erzbischof von Ottawa, heran, in der Hoffnung, eine negative Antwort von Seiten des Erzbischofs werde die Idee vergessen lassen.

„Es ist nicht Ihre Idee, sondern meine“, antwortete ihm der Erzbischof. Er erklärte ihm, dass auch er den Eindruck gehabt habe, dass die Seminaristen in Pfarreien ausgebildet werden sollten und dass er nur darauf gewartet habe, dass Gott ihm einen Priester schicke, der bereit sei, dieses Konzept, diese Vision der Priesterausbildung in die Tat umzusetzen.

„Unser Apostolat ist die Evangelisation“, erklärte Pater Scott McCaig, der jetzige Leiter der Gemeinschaft. „Was uns vor allem am Herzen liegt, ist die Evangelisation: zu erleben, dass die Katholiken den katholischen Glauben in Fülle leben.“

Die vier Grundpfeiler der Gemeinschaft seien die Treue zum Lehramt der Kirche, die Ganzhingabe an die Jungfrau und Gottesmutter Maria, die Verehrung des Allerheiligsten Altarsakraments und schließlich eine Spiritualität, die in der charismatischen katholischen Erneuerung verwurzelt ist. Die „Companions of the Cross“ bestehen gegenwärtig aus 35 Priestern, zwei Diakonen in Vorbereitung auf das Priestertum und zwölf Seminaristen.

Während die Seminaristen zusammen mit der Gemeinschaft Philosophie- und Theologiekurse besuchen, die vom örtlichen katholischen Seminar angeboten werden, wohnen sie in den Pfarrhäusern unter der Leitung der Gemeindepriester. „Die Seminaristen sollten das Leben der Pfarrei in der Praxis kennenlernen“, so Pater McCaig gegenüber ZENIT. „Sie sollten ein Teil von ihr und gut integriert werden.“

So lernten die Priesteramtskandidaten, welche praktische Bedeutung die Theologie habe, warum es auf die Theologie der Kirche ankomme und wie das, was sie im Unterricht lernten, auf die konkrete pastorale Situation mit den Laien anzuwenden sei. Dieses Schwergewicht auf Gemeinschaft und Pfarrgemeinde bleibe auch nach der Priesterweihe bestehen. Die Priester würden einem der verschiedenen Haushalte der Gemeinde zugeteilt, wo sie mit anderen Priestern und Seminaristen zusammenlebten.

„Gemeinschaft ist eine große Sache“, betonte Pater McCaig. „Pater Bedard hat gesehen, wie junge Männer vor einer Berufung zum Priestertum zurückschreckten, weil ihnen die Berufung Einsamkeit zu versprechen schien. Wir halten es für sehr wichtig, dass die Priester einander gegenseitig helfen.“

Der Eckstein dieser gegenseitigen Hilfe sei das Gebet – das liturgische Gebet innerhalb der Pfarrei, das gemeinschaftliche Gebet in jedem Haushalt der „Companions of the Cross“ und das persönliche Gebet des einzelnen Priesters und Seminaristen.

Von Pete Vere; Teil 2 erscheint am 19. Juni