Eugen Bolz (1881-1945)

Politiker und Opfer des Nationalsozialismus

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 862 klicks

Eugen Bolz wurde am 15. Dezember 1881 in Rottenburg am Neckar (Baden-Württemberg) geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er ab 1900 in Tübingen, Bonn und Berlin Jura. Als Student trat Bolz katholischen Studentenverbindungen bei und wurde Mitglied der Zentrumspartei, für die er von 1912 bis 1918 im Reichstag saß. 1919 hatte Bolz in Württemberg das Amt des Justizministers inne, und 1923 wurde er Innenminister. Von 1928 bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 bekleidet er das Amt des württembergischen Staatspräsidenten.

Eugen Bolz war Befürworter der katholischen Soziallehre und damit Gegner der nationalsozialistischen Politik. Bereits 1933 äußerte sich Bolz kritisch über die Nationalsozialisten und warnte offen vor ihrer Politik. Am 11. März 1933 musste er sein Amt niederlegen. Im Juni desselben Jahres wurde er verhaftet und in das Konzentrationslager Festung Hohenasperg deportiert.

Nach seiner Freilassung lebte Eugen Bolz in Beuron bei Ulm. Seine politischen Kontakte pflegte er weiter, so dass er 1941 Kontakte zu Carl Goerdeler pflegte, der ihn in die Pläne der Widerstandsbewegung einzuweihte. Nach der geglückten Entmachtung der Nationalsozialisten sollte Bolz ein Ministeramt in der neuen Regierung übernehmen.

Das Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 scheiterte jedoch, und Eugen Bolz wurde am 12. August desselben Jahres verhaftet. Er wurde ins Amtsgerichtsgefängnis Stuttgart, anschließend in das Konzentrationslager Ravensbrück und schließlich am 2. November ins Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit verbracht.

Am 17. Dezember 1944 schrieb Eugen Bolz im Brief an seine Tochter Mechthild: „ ... Du durchlebst eine schwere Zeit, vielleicht wird sie noch schwerer. Sie wird Dich ausreifen. Leben und Eigentum gelten nichts mehr. Nur die Seele ist unerreichbar für alle äußeren Mächte. Ihr muß unsere ganze Sorge gelten, damit sie gestärkt und veredelt die ernste Zeit überwindet. Wenn in den kommenden Wochen die Flut der Zerstörung noch ansteigt, so wissen wir doch auch, dass auf Flut Ebbe folgt und auf Zerstörung Aufbau. ...“

21. Dezember 1944 wurde Eugen Bolz vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt. Die Vollstreckung erfolgte am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee.

Im Jahr 2007 wurde die Eugen-Bolz-Stifung gegründet, die aus dem gleichnamigen Verein aus dem Jahr 1949 hervorging. Die Stiftung verleiht alle zwei, drei Jahre einen Preis „an Persönlichkeiten, 'die in besonders hervorragender Weise Leben, Wirken und Denken von Dr. Eugen Bolz sichtbar und erfahrbar machen'. Auf diese Weise soll das Gedächtnis an Dr. Eugen Bolz bewahrt werden und totalitären Tendenzen in der Gesellschaft entgegengearbeitet werden.“