Euro-Pfarrer Christoph Pelczar: „Jedes Spiel hat etwas mit Auferstehung zu tun“

Was Fußball mit dem Glauben zu tun hat und das neue Buch „Steipass zum Menschsein“

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WIEN, 6. Juni 2008 (ZENIT.org).- Der Wiener Fußballpfarrer Mag. Christoph Pelczar macht im vorliegenden ZENIT-Gespräch zur Fußball-EM 2008 auf die Parallelen zwischen Kirche und Fußball aufmerksam. Außerdem geht der Pfarrer von Weikendorf, der zugleich die Spieler eines angesehenen Wiener Fußballclubs spirituell „coacht“ und nun als offizieller „Euro-Pfarrer“ unterwegs ist, auf sein neues Buch ein. Es trägt den Titel „Steilpass zum Menschsein“.



Am kommenden Sonntag wird Pfarrer Pelczar in der heiligen Messe zum Auftakt des drittgrößten Sportereignisses die Predigt halten. Die Eucharistiefeier in der Wiener Pfarrei Cyrill und Method beginnt um 9.30 Uhr, ORF und ZDF übertragen live.

Um Pfarreien anzuregen, EM-Fans mit offenen Armen zu empfangen, hat die Diözese Gurk-Klagenfurt einen kleinen Leitfaden erarbeitet.

ZENIT: „Steilpass zum Menschsein. Dribbel dich frei zur Spiritualität“ heißt Ihr Buch, das jetzt rechtzeitig zur Fußball-EM auf den Markt gekommen ist. Es handelt sich um eine Art „spirituelles Trainingsbuch“, mit dem Sie nicht nur Fußballfans geistlich auf die Fußball-EM einstimmen wollen. Worum geht es Ihnen?

Pfarrer Pelczar: Dieses Buch verstehe ich als „spirituelles Trainingsbuch“, weil es die überlebenswichtige Frage nach der Einheit von Leib, Geist und Seele spielerisch und am Fußballfeld orientiert thematisiert. Für mich selbst ist Sport und Glaube untrennbar miteinander verbunden.

So verweise ich bereits mit dem Vorwort auf mein Lebensmotto, das Wort des heiligen Augustinus: „Siege über dich selbst, und die Welt liegt dir zu Füßen“, auf die tiefe Verbindung von im Sport eingeübter Körper- und Selbstbeherrschung und spiritueller Erfahrung.

ZENIT: In dem Titel Ihres Werkes ist von „Spiritualität“ die Rede, ein Wort, das heute großen Anklang findet. Worin unterscheidet sich christliche Spiritualität von anderen Formen, etwa östlichen Meditationspraktiken oder esoterischen Angeboten? Wo kommt man hin, wenn man sich einmal „freigedribbelt“ hat?

Pfarrer Pelczar: Seit wenigen Monaten bin ich auch geistlicher Begleiter eines großen Wiener Fußballclubs. Im Mittelpunkt steht, das Potential der Spieler zu entdecken, mit Schwächen und Stärken, mit Druck umgehen zu lernen, dabei aber konzentriert zu bleiben. Eines meiner Ziele ist, dass die ganze Mannschaft merkt, dass sie eine Einheit sind.

Dieser Verein ist der erste Klub, der dies in Österreich macht. Vor allem mit den jugendlichen Nachwuchskickern habe ich da zu tun. Dabei spielen auch die unterschiedlichen Konfessionen der Fußballer keine Rolle, denn die katholischen Spieler glauben an Gott, die muslimischen an Allah.

ZENIT: Dem Heiligen Vater in Rom konnten Sie bereits vorab ein Exemplar Ihres Buches überreichen. Was bedeutet ihnen diese Begegnung, und was sagte ihnen Benedikt XVI. zu ihrem Werk und auch darüber hinaus? Hat er bezüglich der Euro konkrete Wünsche oder Erwartungen?

Pfarrer Pelczar: Diese Begegnung war für mich etwas ganz Besonderes. Der Heilige Vater hat sich vom Titel „Steilpass zum Menschsein“ sehr angetan gezeigt. Ich konnte mit ihm kurz über Fußball und Glauben sprechen. Er erwartet sich von der Euro eine faire und Menschen verbindende sportliche Großveranstaltung.

ZENIT: Als offizieller „Euro-Pfarrer“ werden Sie unter anderem den Menschen auf der Wiener Fan-Meile als Seelsorger zur Verfügung stehen. Ist Fußball und Sport im Allgemeinen ein guter Anknüpfungspunkt, um über Gott ins Gespräch zu kommen Haben Sportler einen „guten Draht“ zu Gott?

Pfarrer Pelczar: Die Frage, ob Sportler einen „guten Draht“ zu Gott haben, will ich nicht wirklich beantworten. Jeder, der nur irgendwie will, kann einen „guten Draht“ zu Gott haben. Fußball und Sport ist im Allgemeinen ein guter Anknüpfungspunkt, um über Gott ins Gespräch zu kommen. Denn wo Menschen sind,  da ist auch Kirche. Ich sehe viele Parallelen zwischen Kirche und dem Fußball.

Zu Ostern singen wir in der Kirche „Hosianna“, und dann rufen wir „Kreuzige ihn!“. Auf dem Fußballplatz singen wir zuerst die Hymne, und beim ersten Fehler rufen wir: „Kreuzigt den Stürmer! Kreuzigt den Trainer!“

Auch ähnlich: das Beten und die Fan-Gesänge. Jedes Spiel hat etwas mit Auferstehung zu tun. 90 Minuten lang entdecke ich die Mannschaft und mich selbst, jeder hat seinen Glaubens- und Leidensweg.

ZENIT: Wie kann eine so große Veranstaltung wie die EURO zur Stärkung des Glaubens beitragen?

Pfarrer Pelczar: Fußball hat etwas Besonderes an sich. So ziemlich alle Staaten sind beim Weltfußballverband FIFA dabei, wahrscheinlich mehr als bei jeder anderen internationalen Organisation. Fußball ist völkerverbindend; ebenso verbindet der Glaube Völker und Menschen.

ZENIT: Was erhoffen Sie sich ganz persönlich von der Euro?

Pfarrer Pelczar: Ein friedliches Miteinander, viele neue Kontakte und Freundschaften, aber auch, dass man etwas über eigene Emotionen nachdenkt.

[Das Interview führte Dominik Hartig]