Europa, bewahre deine religiösen Symbole!

Gemeinsamer Appell von Christen und Muslimen

| 1998 klicks

MECHELN, 23. Oktober 2008 (ZENIT.org).- „Als Christen und Muslime bekräftigen wir, dass wir Bürger und Gläubige sind, und nicht Bürger oder Gläubige. Wir sind berufen, Hand in Hand und in angemessener Weise mit den Nationen zusammenzuarbeiten, denen wir angehören, ohne uns ihnen unterzuordnen.“



Dieses Bekenntnis ist dem Schlussdokument entnommen, das Christen und Muslime bei ihrem Treffen in der belgischen Stadt Mecheln unterzeichnet haben. Die Begegnung, die heute zu Ende ging, beleuchtete das Thema: „In Europa Bürger und gläubiger Mensch sein“. Die Initiative zur Zusammenkunft war vom Komitee für die Beziehungen mit den Muslimen in Europa des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) und der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) ausgegangen.

Die Kongressteilnehmer betonen in dem Schreiben, dass Europa einen tiefgreifenden durchmache, in dem sich eine immer stärkere „plurale, interethnische, interkulturelle und interreligiöse Gesellschaft“ ausbilde. In einigen europäischen Nationen finde „eine progressive Verbannung der Religion in die Privatsphäre“ statt, was manchmal soweit gehe, dass jede Form von öffentlicher Glaubensbekundung „ausgerottet“ werde.

Angesichts dieser Entwicklungen wird auf die Bedeutung des „Prinzips der Integration“ hingewiesen und bekräftigt, dass Integration niemals den Verzicht auf die eigene religiöse Identität bedeuten dürfe. Die Tagungsteilnehmen kritisieren in diesem Zusammenhang das Verbot, religiöse Symbole in der Öffentlichkeit zu tragen oder zu zeigen, wie auch die „Neutralisierung“ religiöser Feierlichkeiten mit dem heuchlerischen Hinweis darauf, sie könnten die Gefühle der anderen Gläubigen verletzen.

Außerdem bekräftigen sie, wie wichtig das Recht auf Gewissensfreiheit sei, das Recht, „die eigene Religion zu wechseln oder abzulegen“ beziehungsweise „die eigenen religiösen Überzeugungen in der Öffentlichkeit darzulegen und zu verteidigen, ohne aufgrund von Vorurteilen oder Stereotypen verhöhnt oder eingeschüchtert zu werden“.

Ein großes Anliegen der Kongressteilnehmer ist das gute Klima in den muslimisch-christlichen Beziehungen. In diesem Zusammenhang wird auf den Dialog verwiesen, der eher im Hören bestehe als im Sprechen sowie im „Lernen, die Wunden der Trennungen durch vergangene Konflikte zu heilen“. All jene, die sich um diese Dinge bemühten, seien wahre „Botschafter der Versöhnung“.

Man müsse sich gegenseitig gut kennen, und deshalb sollte es Andersgläubigen gestattet sein, Kirchen und Moscheen zu besuchen. Außerdem sollten Treffen organisiert werden, um die Identität des jeweils anderen zu studieren.

Ein weiterer Vorschlag, der aus dem Treffen in Mecheln hervorgeht, ist die Verurteilung jedes Rückgriffs auf Gewalt im Namen der Religion. Genauso sollten „feindliche und militante Formen des Säkularismus“ verurteilt werden, „die unter den Bürgern Diskriminierung säen und religiösen Überzeugungen und Praktiken keinen Platz lassen“.

Wichtig sei es auch, ein gemeinsames Verständnis für bestimmte Themen zu entwickeln: „die Beziehung des Menschen mit Gott; die Rolle der Familie, die menschliche Würde, die soziale Gerechtigkeit und die Sorge für die Umwelt“.

Der große Wunsch der Kongressteilnehmer für die kommenden Generationen ist, „dass sie miteinander in Harmonie und Frieden leben können, mit ihren verschiedenen Religionen, und dass sie für den gesellschaftlichen Fortschritt arbeiten. Der interreligiöse Dialog muss ein Klima ermöglichen, in dem Kinder und Jugendliche den anderen und die Unterschiede annehmen.“

Von Inma Álvarez; Übersetzung von Dominik Hartig