Europa braucht das gemeinsame Zeugnis aller christlichen Konfessionen

Ökumenische Europäische Konferenz in Wittenberg eröffnet

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WITTENBERG, 16. Februar 2007 (ZENIT.org).- In der Lutherstadt Wittenberg wurde gestern, Donnerstag, die dritte Etappe auf dem Weg zur Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung (EÖV3) mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet. Bis Sonntag beraten 150 Delegierte europäischer Kirchen und ökumenischer Organisationen aus rund 30 Ländern über die Herausforderungen und Zukunftsaufgaben der Christen im zusammenwachsenden Europa.



Der Präsident der Konferenz Europäischer Kirchen, Pfarrer Jean-Arnold de Clermont, dankte nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz den Kirchen in Deutschland für die Einladung nach Wittenberg, in die Stadt Luthers als Symbol für die fortwährende Reformation, die die Kirche brauche, um ihre Mission zu erfüllen: „Zugleich werden wir daran erinnert, dass Luther nie eine Trennung wollte, sondern im Gegenteil, Einheit im Vertrauen auf die Botschaft Christi.“

Der Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), Peter Kardinal Erdö, Erzbischof von Esztergom-Budapest, nannte die geistliche und kulturelle Einheit Europas als eine der großen Herausforderungen für die Christen. Wenn im Herbst rund 2.500 Delegierte aus den europäischen Kirchen zur abschließenden Vollversammlung in Sibiu (Hermannstadt) in Rumänien zusammenkommen, sei dies nicht nur ein Zeichen der Freude über den EU-Beitritt von Rumänien und Bulgarien, sondern verleihe zudem der Hoffnung Ausdruck, „dass der ökumenische Dialog zwischen den drei großen Richtungen des europäischen Christentums, das heißt dem Katholizismus, dem Protestantismus und der Orthodoxie, weiter bestärkt und bereichert“ werde.

In seinem Grußwort zur Eröffnung der Tagung betonte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, dass zu einer ganzen Reihe aktueller Themen das klare Zeugnis der Kirchen erwartet werde. Dazu zählten der Schutz der Menschenwürde, der achtsame Umgang mit der Natur, Armutsbekämpfung sowie „energische Maßnahmen angesichts des Klimawandels“. Aus den unterschiedlichen Traditionen hätten die Kirchen Gemeinsames einzubringen. Die EKD messe der EÖV3 eine hohe Bedeutung bei, sagte der Ratsvorsitzende.

Der Bischof von Magdeburg und Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz bei dem Treffen in Wittenberg, Bischof Gerhard Feige, hob die Bedeutung der Spiritualität und des Gebets auf „dem Pilgerweg der Dritten Europäischen Versammlung“ hervor. Und er fügte hinzu: Wir wissen: In einer Situation, in der christlicher Glaube längst nicht mehr selbstverständlich ist, kommt dem Umgang der Kirchen miteinander sowie ihrem gemeinsamen Auftreten eine besondere Bedeutung für ihre Glaubwürdigkeit zu. Nur in einem lebendigen Miteinander werden die Kirchen in ihrem Tun und in ihren Anliegen von den Menschen verstanden und angenommen.“

Die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung steht unter dem Motto „Das Licht Christi scheint auf uns alle. Hoffnung auf Erneuerung und Einheit in Europa“ und ist als Pilgerweg durch ganz Europa gestaltet. In vier Stationen, von Rom im Januar 2006, den Begegnungen auf nationaler Ebene über Wittenberg im Februar 2007, führt er nach Sibiu/Hermannstadt in Rumänien, wo im September 2007 rund 2.500 Vertreter aus ganz Europa erwartet werden. Die EÖV3 setzt die Tradition der beiden bisherigen Europäischen Ökumenischen Versammlungen fort, zu denen der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) und die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) jeweils gemeinsam einladen. Die erste fand 1989 in Basel, die zweite 1997 in Graz statt.