"Europa läßt uns mit Kürbissen zurück"

Kritik am Kruzifix-Urteil des Eruopäischen Gerichtshofs für Menschenrechte

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ROM, 9. November 2009 (ZENIT.org).- Im Vatikan mehren sich die kritische Stimmen zum Kruzifix-Verbot des Europäischen Menschenrechtsgerichthofs. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone ruft in einem Artikel dazu auf, "mit aller Kraft" zu versuchen die christlichen Glaubenssymbole zu bewahren, "für diejenigen, die glauben und für diejenigen, die nicht glauben". Während in öffentlichen europäischen Schulen Kruzifixe verboten werden, würden dort Halloween-Kürbisse vermarktet.

„Dieses Europa des Dritten Jahrtausends lässt uns mit den Kürbissen der wiederholt gefeierten Feste zurück und nimmt uns unsere meist geschätzten Symbole", schreibt Kardinal Bertone im L'Osservatore Romano. Er bezeichnet dies als einen Verlust und bezweifelt, dass die Gerichtsentscheidung vernünftig ist.

Aldo Giordano, ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls beim Europarat in Straßburg, sieht in dem Urteil „eine bestimmte ideologische Haltung" bestätigt, wie in einem Gespräch mit Radio Vatikan zu hören war. „Im Namen bestimmter Ideen", sagte er, „versucht diese, die Wirklichkeit zu bezwingen" oder zeige den Wunsch „der Wirklichkeit Dinge aufzuzwingen". Er glaube anstatt dessen, dass es in Europa unbedingt nötig sei, die Wirklichkeit der Menschen, der Traditionen, anzunehmen. „Wenn wir unsere Identität weiter untergraben, hören wir auf, eine Vision für die Zukunft zu haben", sagte Giordano.

Die Europäer hätten allem Anschein nach Angst vor ihrer Identität und vor ihren Traditionen. Das Europäische Gericht habe sich eines Laizismus-Konzepts bedient, das ausgrenze und daher ein Vakuum hinterlasse. Anstatt eines solchen Laizismus, der gefährlich und nicht anziehend sei, bedürfe es eines Laizismus, "der für alle positiven Beiträge Raum schaffe, für das Soziale, für den Menschen, um sich den großen Problemen der Menschheit zuzuwenden", sagte er.

In diesem Sinne drücke die Entscheidung nicht aus, was die Menschen in Europa wahrhaft anfangen zu fühlen und leben wollten, und was einige Nationen schon angefangen haben wahrzunehmen. „Ich habe den Eindruck, dass wir ein wenig beim Alten, beim Überkommenen geblieben sind", sagte Giordano abschließend. (mk)