"Europa muss in Syrien auf alle Konfliktparteien Druck ausüben"

Aufruf des melkitischen Erzbischofs von Zahlé (Libanon), Issam John Darwish

Wien, (KIN Ös) | 490 klicks

Einen entschiedeneren Einsatz der internationalen Gemeinschaft für Frieden in Syrien hat der melkitische Erzbischof von Zahlé (Libanon), Issam John Darwish, gefordert. Gegenüber dem weltweit tätigen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ betonte er, viele Libanesen hätten Angst, dass der Krieg auf ihr Land übergreife. „Die Situation in Syrien hat einen direkten Einfluss auf die Stabilität des Libanon“, sagte Darwish. Die libanesische Regierung sei am Konflikt im Nachbarland bereits zerbrochen. Die für Juni geplanten Parlamentswahlen seien verschoben worden. Auch die libanesische Wirtschaft bekomme die Lage in Syrien zu spüren. Viele Touristen hätten Reisen in den Libanon abgesagt. „Außerdem haben wir über eine Million syrische Flüchtlinge im Land“, berichtet der Erzbischof. „Wir helfen ihnen, wo wir können.“ Allein in seiner Erzdiözese seien 700 Familien aufgenommen worden. „Aber diese Massen bringen den Libanon an seine Grenzen, und die Zahl der Flüchtlinge wird anwachsen, falls der Konflikt in Syrien andauert“, schätzt Darwish.

Die für Juni geplante internationale Syrien-Konferenz in Genf sei nach den Worten des Erzbischofs eine gute Gelegenheit, eine neue „Roadmap“ für den Frieden vorzulegen. „Ich appelliere deshalb an die internationale Gemeinschaft, sich für den Frieden in Syrien einzusetzen“, sagte er. „Besonders die europäischen Länder rufe ich auf, auf alle Konfliktparteien Druck auszuüben, damit sie sich an den Verhandlungstisch setzen.“ Ein friedlicher Dialog zwischen den Syrern sei der einzige Weg zu Frieden und Stabilität. „Demokratische Fortschritte können nur durch Verhandlungen und Gespräche, nicht aber durch Krieg erreicht werden“, betonte Darwish. „Zuerst müssen die Kämpfe und das Blutvergießen beendet werden.“

Angesichts von etwa 80 000 Kriegstoten sei eine innersyrische Versöhnung seiner Ansicht nach zwar schwierig; dennoch gebe es Ansätze dafür. „Kürzlich nahm ich an einer internationalen Delegationsreise teil“, berichtet Darwish. „Wir sind nach Damaskus gefahren und haben uns mit beiden Seiten getroffen. Sowohl die Regierungsvertreter als auch die Rebellen haben uns versichert, dass sie grundsätzlich zu Verhandlungen bereit wären. Das kann aber nur mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft erreicht werden“, betonte er.

Kirche in Not“ bittet um Spenden für die syrischen Flüchtlinge. Online unter: 
http://www.kircheinnot.at/fen/spendenform.php