Europa ohne Naturrecht undenkbar

Experten-Kongress zum Thema „Zukunft der Menschenrechte und Europa“ in Mailand

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MAILAND, 25. September 2007 (ZENIT.org).- Ohne das Konzept eines allgemein gültigen Wesens des Gerechten und des Ungerechten, das heißt ohne das „Jus naturale“, das Naturrecht, sei Europa undenkbar. Europa und sein Recht seien Früchte des natürlichen Rechts, erklärte Professor Vittorio Possenti, Dozent für politische Philosophie an der Universität Venedig, bei der Eröffnung des Kongresses zum Thema „Zukunft der Menschenrechte und Europa“, der am 20. September vom Katholischen Kulturzentrum des heiligen Benedikt (Centro Culturale Cattolico San Benedetto in Mailand veranstaltet wurde.



Der Professor, der auch Mitglied der italienischen Bioethikkommission und der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften ist, wertete die zukünftige Verfassung der Europäischen Union als „den entscheidenden Akt der Union, der die beiden Europas miteinander verschweißen soll: jenes der gemeinsamen Marktwirtschaft und jenes der Menschenrechte“. Das Recht diene dabei als „Stützpfeiler der Einheit“.

„Die europäische Konstitution wird nur auf dem universalen Gesetz der Menschenrechte gegründet sein können, dem Jus gentium (Völkerrecht), das heißt auf dem natürlichen Recht, das ein rationales ungeschriebenes Gesetz ist, das über jeglichem positivem Recht steht.“ Daher sollte es dem Rechtssystem als Inspirationsquelle dienen, als „konkrete Struktur der Lebensordnung“.

Als Leiter des Interdisziplinären Zentrums für die Erforschung der Menschenrechte (Centro Interdipartimentale di Ricerca sui Diritti Umani, CIRDU) unterstrich Professor Possenti, dass „eine der dauerhaftesten intellektuellen Stätten der Tradition des Naturrechts die Soziallehre der katholischen Kirche ist“.

Europa sei „der Nährboden des Humanismus, dessen Quellen vor allem im Menschen selbst und im Christentum zu finden sind. Das Gleiche muss auch über den Begriff der Person mit all ihren Rechten und Pflichten gesagt werden, der die aus der Offenbarung erfahrene Botschaft darstellt, die Europa lebt und in die Weltzivilisation hinausträgt.“

Tatsächlich ist in den Augen von Professor Possenti gerade das Christentum jener „Zement, der den Kontinent zusammenhält, dessen Geschichte – ohne das Christentum – anders verlaufen wäre“, während gleichzeitig die Religion eine „grundlegende Komponente der Moral des Einzelnen und der Gesellschaft ist, deren Ausschluss aus der Öffentlichkeit nur zu ernsthaften Verlusten führen kann“.