Europa soll korrupten Politikern in Afrika jegliche Unterstützung entziehen

Nigerianischer Priester appelliert an westliche Regierungen

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ENUGU/MÜNCHEN, 21. September 2007 (ZENIT.org).- Der Rektor des Priesterseminars von Enugu in Süd-Nigeria, Ukoro Theophilus Igwe, hat Europa aufgefordert, korrupte afrikanische Politiker nicht mehr zu unterstützen.



Der Priester brachte gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ die Enttäuschung vieler Afrikaner darüber zum Ausdruck, dass Diktatoren, die ihrem Volk „viel Geld gestohlen und ihre Länder ausgeplündert haben“, durch europäische Länder Hilfe erfahren. Er appellierte deshalb an die Regierungen des Alten Kontinents, Afrika zu helfen, indem sie solchen Politikern den Zugang zu Bankkonten, Asyl sowie jegliche sonstige Unterstützung verweigern.

P. Igwe schilderte auch die Herausforderungen, denen die Priester in seinem Land begegnen. In dem nationalen Priesterseminar von Enugu bereiten sich gegenwärtig 673 junge Männer auf die Priesterweihe vor. Bei ihrer Ausbildung wird nach Angaben des Priesters besonderer Wert darauf gelegt, dass die theoretischen Kenntnisse in das Leben der Gesellschaft übersetzt werden können. Die Botschaft des Evangeliums sei „keine bloße Theorie“. In diesem Sinn müssten die Seminaristen Praktika in Dörfern absolvieren und lernen, den Menschen das Evangelium so zu verkünden, dass sie es verstehen. Man müsse auf die vielen Analphabeten Rücksicht nehmen und Wege der Verkündigung zu finden, die die Menschen erreichten.

Ein ganz praktisches Problem, das der Rektor ansprach, ist die Tatsache, dass die meisten Gläubigen keine Uhren haben: Man könne also „nicht einfach sagen, ein Gottesdienst finde beispielsweise um 6.00 Uhr statt“. Ein Priester müsse geduldig sein und lernen, wie er mit den Menschen kommunizieren könne. Bisweilen komme es zu Missverständnissen, und auf so etwas müssten die angehenden Priester vorbereitet werden.

Im Lehrplan der angehenden Priester ist nach Angaben des Priesters auch vergleichende Religionswissenschaft vorgesehen. Es sei notwendig, dass die Priester mehr über den Islam und die traditionellen afrikanischen Religionen wissen, da sie in Nigeria mit Moslems und mit den Angehörigen afrikanischer Stammesreligionen zusammenlebten und „ein tieferes Verständnis für sie entwickeln müssen“. Igwes Einschätzung zufolge seien die meisten religiösen Konflikte im Land „von der Politik manipuliert“. Man müsse das gegenseitige Verständnis fördern, und in der Regel gelinge es gut.

Afrikaner, die traditionellen afrikanischen Religionen anhängen, hätten ein besonders tiefes Verständnis für das Christentum, insbesondere für die Bedeutung der Eucharistie. Unter ihnen gebe es zahlreiche Bekehrungen.

„Meine eigenen Großeltern haben noch einer Stammesreligion angehört. Für uns Afrikaner ist es nicht schwer, das Opfer Jesu zu verstehen. Wir haben einen tiefen Sinn für das Opfer.“

Er frage sich bisweilen, ob die Kirche im Westen „überhaupt noch religiös“ sei, da seiner Meinung nach dieses Verständnis für das Heilige und für die Bedeutung der Eucharistie oft fehle.

Rund 50 Prozent der 140 Millionen Nigerianer sind Muslime, 40 Prozent sind Christen und 10 Prozent bekennen sich zu einer Naturreligion.