Europarat lehnt Änderungsanträge zur Euthanasie ab

Erfolg für die Initiative "Menschenwürde in allen Phasen des Lebens"

| 655 klicks

STRASSBURG, 28. April 2005 (ZENIT.org).- Mit großer Mehrheit hat der Europarat am Mittwoch die vom Abgeordneten Dick Marty eingebrachten Änderungsanträge zur Euthanasie und aktiven Sterbehilfe abgelehnt. Mit ein Grund für die Beibehaltung der Empfehlung 1418 von 1999, in der Euthanasie ausdrücklich verurteilt wird, war die Unterschriftenkampagne der Initiative "Menschenwürde in allen Phasen des Lebens - Nein zur Legalisierung der aktiven Sterbehilfe": 50.000 Unterschriften hatte man eine Stunde vor der Abstimmung an Marcel Glesener, dem Vizepräsidenten der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, übergeben. Glesener ist zugleich Vorsitzender des EU-Ausschusses für Sozialordnung, Gesundheit und Familie.



Mit großer Freude nahm die aus der Schönstattbewegung hervorgegangene Initiative "Menschenwürde in allen Phasen des Lebens - Nein zur Legalisierung der aktiven Sterbehilfe", die nach der Überreichung der Unterschriften die lange Debatte von der Zuschauertribüne aus mitverfolgte, die Annahme zahlreicher Änderungsanträge am Bericht des Schweizer Abgeordneten Dick Marty zur Euthanasie/aktive Sterbehilfe und schließlich die Ablehnung des stark veränderten Entwurfes auf.

Im Zuge einer langen Debatte hatten die Parlamentarier über insgesamt 71 Änderungsanträge abgestimmt. 138 Mitglieder stimmten gegen den Entwurf, 26 dafür, es gab 5 Enthaltungen. Der Verfasser des Berichts, Dick Marty, stimmte gemäß einer Pressemitteilung der Schönstattbewegung schließlich selbst gegen die stark veränderte Vorlage.

Damit bleibt es bei der Beschlusslage der Empfehlung 1418 von 1999, in der die Parlamentarische Versammlung des Europarats Euthanasie ausdrücklich verurteilt hat. Gleichzeitig forderte diese Empfehlung, den Zugang Todkranker und Sterbender zu Einrichtungen der Palliativmedizin zu verbessern.

"Seit Januar 2004 haben wir uns dafür eingesetzt, dass es bei der Empfehlung von 1999 bleibt", sagte Hannelore Spannagel, Pressesprecherin der Initiative "Menschenwürde", nach der Abstimmung. "Ich bin sehr glücklich über die heutige Entscheidung, die den Blick auf die eigentlich Herausforderung lenkt: die Situation schwerstkranker Menschen und ihrer Angehörigen zu verbessern, Palliativmedizin zu fördern, Raum für Zuwendung und menschenwürdige Pflege zu schaffen und festzuhalten, dass Menschenwürde nicht abhängig ist von einer irgendwie definierten Lebensqualität oder dem Grad des Bewusstseins."

Marcel Glesener hatte in seinem Plädoyer die 50.000 Unterschriften erwähnt und auf die "heute eigens nach Straßburg gereiste Delegation auf der Tribüne" verwiesen, die "ein Zeichen setzen" wolle für menschenwürdige Begleitung im Sterben statt Euthanasie. Bei der Überreichung der Unterschriften dankte der Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarats allen für ihren Einsatz.

"Uns wird es auch weiter darum gehen, Meinungsbildung zu betreiben und ein Klima zu schaffen für die Würde des Menschen in allen Lebensphasen, auch in der letzten", so Hannelore Spannagel. "Ich möchte allen danken, die sich eingesetzt haben: den Politikern hier und denen, die Unterschriften gesammelt und Unterschriften gegeben haben. Das Erlebnis heute macht Mut und verpflichtet, weiter zu machen."