Europas Bischöfe fordern aktiveres politisches Engagement

Ergebnisse der Herbstvollversammlung der COMECE

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BRÜSSEL, 22. November 2005 (ZENIT.org).- Die großen Herausforderungen für die Christen in Europa sind die politische Mitgestaltung, die Stärkung von Ehe und Familie sowie die Sorge um eine ethisch vertretbare EU-Forschungspolitik, insbesondere im Bereich der Bioethik.



Diese Themen standen im Mittelpunkt der Herbstvollversammlung der europäischen Bischöfe, die vom 16. bis zum 18. November in der belgischen Hauptstadt Brüssel tagten. Wenn die Europäische Union ernsthaft mit den europäischen Bürgern kommunizieren will, sollten ihre Institutionen die Kapazitäten der katholischen Kirche nicht übersehen und mit ihr einen Dialog eingehen, betonten die Mitglieder der COMECE nach ihrem Treffen.

Angesichts der Krise innerhalb der EU (Unterbrechung des Ratifizierungsprozesses des Verfassungsvertrags, Uneinigkeit über das Budget für 2007-2013 usw.) müssten sich die Gläubigen aktiv am politischen Geschehen beteiligen, \"um ein tieferes Verständnis und eine bessere Würdigung des europäischen Projekts zu fördern\".

Während der Vollversammlung verabschiedeten die Bischöfe zwei Erklärungen. Die erste Erklärung mit dem Titel \"Plädoyer für eine europäische Familienstrategie\" wurde im Hinblick auf die jüngste Konsultation der europäischen Kommission zum demographischen Wandel erarbeitet. Um die demographischen Probleme der Union an ihrer Wurzel anzugehen, sprachen sich die Bischöfe dafür aus, dass man sich auf allen politischen Ebenen – unter Wahrung des Subsidiaritätsprinzips – dafür einsetzen sollte, die strukturelle Marginalisierung der Familie zurückzudrängen. Außerdem seien Maßnahmen hinsichtlich einer besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Familie erforderlich.

Gemäß der Überzeugung der Glaubenden sei das Sakrament der Ehe \"eine einzigartige, unauflösbare und für das Geschenk neuen Lebens offene Verbindung und so eine Vergegenwärtigung der Liebe Gottes. Die Ehe wird so zum Fundament der Familie, jener Liebes- und Lebensgemeinschaft, auf die sich jede Gesellschaft aufbaut. Geleitet von dieser Konzeption werden wir, die Bischöfe der COMECE, an der zukünftigen europäischen Debatte über den demographischen Wandel teilnehmen\", heißt es in der erwähnten Erklärung.

In ihrer zweiten Erklärung mit dem Titel \"EU-Forschungsförderung und Ethik\" begrüßten die Bischöfe die Anstrengungen der Europäischen Union zur Förderung eines effizienten und wettbewerbsfähigen Rahmens für die Forschung und erkannten die existentielle Bedeutung der Forschung für die Gesellschaft an. Zugleich unterstrichen sie die ethischen Implikationen der EU-Forschungsförderung und äußerten ihre Besorgnis insbesondere hinsichtlich der Förderung von jenen Untersuchungen, bei denen menschliche Embryos und menschliche embryonale Stammzellen zerstört werden. Die Bischöfe der COMECE bestehen darauf, \"dass Forschung immer menschliches Leben und menschliche Würde schützen soll\". Deshalb fordern sie, dass auf die Förderung von Projekten mit menschlichen Embryos und embryonalen Stammzellen verzichtet wird.

Die COMECE ist die Kommission der Katholischen Bischofskonferenzen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Die Bischofskonferenzen von Rumänien, Kroatien und Bulgarien genießen Beobachterstatus.