Europatag 2006: Bischöfe appellieren an die Politiker, auf den Menschen und die christlichen Werte einzugehen

Erklärung des Exekutivausschusses der COMECE

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BRÜSSEL, 8. Mai 2006 (ZENIT.org).- Morgen, Dienstag, wird im gesamten EU-Raum der diesjährige "Europatag" begangen. Aus diesem Anlass fordern die europäischen Bischöfe Politiker und Bürger gleichermaßen dazu auf, jene Rahmenbedingungen zu schaffen, die für eine gerechtere europäische Gesellschaft notwendig sind.



In ihrer öffentlichen Erklärung (pdf-Format) begrüßen der Präsident der Kommission der Katholischen Bischofskonferenzen in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (COMECE), Bischof Adrianus van Luyn SDB von Rotterdam (Niederlande), sowie die beiden COMECE-Vizepräsidenten, Erzbischof Diarmuid Martin von Dublin (Irland) und Weihbischof Piotr Jarecki von Warschau (Polen) die "Zeit der Reflexion" über die Zukunft Europas und die positiven Elemente des diesbezüglichen "Plans D für Demokratie, Dialog und Diskussion" der Europäischen Kommission vom Oktober 2005, rufen aber zugleich zu neuen Anstrengungen auf, um die Debatte über die Zukunft Europas zu beleben.

"Angesichts der bei vielen Bürgern und Politikern spürbaren Gleichgültigkeit an der Europäischen Union reichen die Vorschläge der Kommission allerdings nicht aus, um die Debatte über die Zukunft Europas tatsächlich zu beleben. Wir rufen die Verantwortlichen in den Mitgliedstaaten und in den EU-Institutionen dazu auf, sich mit neuer Energie den Problemen Europas zuzuwenden und einen tragfähigen Rahmen für die Europäische Union zu schaffen, um den Aufbau einer immer gerechteren Gesellschaft in Europa zu ermöglichen", heißt es in dem Dokument, das am 5. Mai veröffentlicht wurde.

Schwerpunktmäßig verweisen die europäischen Bischöfe auf den Vorrang der Würde des Menschen, auf die Rücksicht vor den christlichen Werten, auf die Stärkung des Subsidiaritätsprinzips und der Familien, auf die Solidarität mit den Armen und Schwachen sowie auf die Verantwortung Europas für den weltweiten Frieden.

"Der Mensch in seiner unveräußerlichen Würde muss im Mittelpunkt der Debatte über die Zukunft Europas stehen. Die europäische Integration darf niemals Selbstzweck sein, sondern muss sich an den Hoffnungen und Sorgen der Menschen orientieren, dem europäischen Gemeinwohl dienen und der Verantwortung Europas für die Welt gerecht werden", betonen die Bischöfe.

"Die Debatte über die Zukunft Europas muss sich mit dem Erbe, den Werten und den Zielen der Europäischen Union befassen, um das Zugehörigkeitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger zu stärken. Unter entsprechender Berücksichtigung anderer Überzeugungen muss dem christlichen Glauben und den ethischen Überzeugungen vieler Menschen in Europa stärker Rechnung getragen werden."

Um das Vertrauen der EU-Bürger zu gewinnen, sei es "unerlässlich, sich auf den Aufbau besserer, demokratischer Strukturen zu konzentrieren, die den Respekt des Subsidiaritätsprinzips stärken und eine bessere Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger, aber auch der Kirche und aller Akteure in der Zivilgesellschaft am politischen Prozess der europäischen Integration ermöglichen."

Neben den nötigen Reformen nach den Vorgaben der "Lissabon-Strategie" für Beschäftigung und Wachstum, müsse die Wirtschaftpolitik der EU-Institutionen und der Mitgliedstaaten "aber auch eine familienfreundliche Politik stärken und die Solidarität mit den Armen fördern – in Europa und in der Welt". Anstelle nationaler Lösungen fordern die Bischöfe die Schaffung eines europäischen "Ordnungsrahmens, der die Risiken der Globalisierung eindämmen und die neuen Chancen für alle Menschen weltweit nutzbar machen kann".

Abschließend wird darauf hingewiesen, dass Europa eine "große Verantwortung für Frieden und Entwicklung in der Welt" trage. Um dieser Verantwortung in der Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik gerecht zu werden, "muss die Europäische Union lernen, mehr und mehr mit einer Stimme zu sprechen und mit vereinter Kraft zu handeln. Der bisherige politische und rechtliche Rahmen der Europäischen Union muss entsprechend weiterentwickelt werden."