Eustachius Kugler, ein „Gigant der Hospitalität“

Bayrischer Zeuge der barmherzigen Liebe Jesu Christi vor der Seligsprechung

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ROM/REGENSBURG, 6. Februar 2009 (ZENIT.org).- Der Diener Gottes Eustachius Kugler OH (1867–1946) habe keine großartigen Studien abgeschlossen, erklärt Pater Félix Lizaso, Generalpostulator der Barmherzigen Brüder, im ZENIT-Gespräch. „Sein bescheidendes Auftreten und seine Natürlichkeit im Umgang mit anderen bildeten einen gewissen Gegensatz zu seinem klaren Denken und seinem ausgeprägten Urteilsvermögen.“ Bei all seinen Entscheidungen habe er stets die Förderung der persönlich gelebten „Hospitalität“ (Gastfreundschaft) im Blick gehabt sowie die persönliche Entfaltung und Vervollkommnung, sprich das „Besserwerden“.



Kugler wirkte 20 Jahre lang im Sinn seines großen Vorbilds, des heiligen Johannes von Gott, als Prior in verschiedenen Einrichtungen der Barmherzigen Brüder in Bayern. Zum Höhepunkt seines Schaffens zählt der Bau des Regensburger Krankenhauses. Wenige Jahre vor der Feier seines 50-jährigen Professjubiläums hatte er sich 1937 nicht weniger als 50 Mal dem Verhör der Gestapo unterziehen müssen. Während der gesamten Kriegszeit blieb das Regensburger Krankenhaus trotz eines schweren Bombenangriffs unbeschädigt.Seit kurzem informiert die Webseite www.eustachius-kugler.de über Gestalt und Leben dieses Dieners Gottes.

Beim Wunder, das neben der Feststellung des heroischen Tugendgrads für eine Seligsprechung Voraussetzung ist, handelt es sich im Fall des Ordensmanns aus Neuhaus/Nittenau um einen schweren Verkehrsunfall mit Totalschaden des Kraftfahrzeugs, den der Betroffene „ohne nennenswerte subjektive und objektive medizinische Konsequenzen erlitten hat“, wie es eine Expertenkommission im Juni 2007 ausgedrückt hatte. Der glimpfliche Ausgang des Unglücks sei als ein außergewöhnlicher Vorfall anzusehen, „der mit natürlichen Kriterien nicht erklärt werden kann“, hieß es damals.

Kugler „war ein Mann von ausgeprägter evangeliumsgemäßer Einfachheit und ein Ordensmann mit einer tiefen asketischen Spiritualität, die sein Denken beseelte und in seinem Tun sichtbar wurde“, so P. Lizaso. „Zugleich hatte er einen unleugbaren mystischen Zug an sich, die Frucht seines tiefen inneren Lebens und seiner Glaubensstärke. Dieser Zug begleitete seine Taten, die eine aufrichtige Antwort waren auf die Liebe, die er erfahren hatte; Antwort vor allem auf die Liebe Gottes, der sein Schöpfer und sein Daseinsgrund war, und – in Gott – Antwort auf seine Berufung, den Ruf, dem barmherzigen und gastfreundlichen Jesus zu folgen und ihn nachzuahmen.“

Schon in jungen Jahren habe der zukünftige Selige gelernt, Opfer zu ertragen. „Das Opfer begleitete ihn dann auch sein ganzes Leben lang und war ihm ein ständiger Ansporn, insofern er im Lauf der 53 Jahre als Ordensbruder ein besonnener und tapferer Gesprächspartner seiner Zeit war“.

In mehreren Biographien wird Kugler als „Gigant der Hospitalität“ beschrieben – weil er nie müde wurde, den kranken Menschen zu dienen.

„Zusammenfassend kann man sagen, dass er ein Mann war, der sich in allen Dimensionen seines Seins und Habens vollständig hingegeben hat – im Menschlichen und Asketischen genauso wie im Moralischen und Theologischen oder im Religiösen und Geistlichen –, und dass er seinen Dienst zur höchsten Erfüllung und Wirksamkeit führen konnte, wobei er sehr demütig blieb, und das auf ganz natürliche Weise.“

Ein authentischer Zeuge Jesu Christi sei Eustachius Kugler vor allem „aufgrund seiner ausgeprägten religiösen Gesinnung und seines tiefen Gebetslebens“, aber auch „aufgrund seiner klaren Ideen und seiner überzeugenden Kriterien in Bezug auf das, was er im Herrn für angemessen erachtete.“

Von Dominik Hartig