Evangelium und dessen Weitergabe im Vordergrund

Briefung zur Synode vom 23. Oktober 2012

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ROM, 24. Oktober 2012 (ZENIT.org). - In dem gestern zum letzten Mal im Rahmen der Synode stattfindenden Briefing erläuterte P. Markus Graulich SDB den bisherigen und weiteren Ablauf der Synode: den Synodenteilnehmern wurden die insgesamt 327 Positionen verlesen, die teilweise thematisch naheliegen oder übereinstimmen. In der Endredaktion konnte deren Zahl deshalb auf 57 Positionen reduziert werden, die in einer gut zweistündigen Verlesung in lateinischer Sprache den Teilnehmern zur Kenntnis gebracht wurden. Die Positionen werden nun hinsichtlich eventueller Anmerkungen und Änderungen durchgesehen.

P. Markus Graulich gab anschließend das Wort an Prof. Dr. Thomas Söding ab, der als Experte den Assistenten der deutschen Sprachgruppe begleitete. Prof. Dr. Thomas Söding lehrt an der Ruhr-Universität Bochum „Neues Testament“. Er nimmt zum dritten Mal als Experte an einer Synode teil und ist Konsultor der Neuevangelisierung.

Insgesamt begleiten circa 40 international anerkannte Theologen aus aller Welt die Synode. Zu den Aufgaben der Experten zählen die Auseinandersetzung mit den möglichen Themenstellungen, die Tätigkeit als Schriftführer und Hilfestellungen bei der Ausformulierung der Vorschläge und die Verknüpfung der Einzelvorschläge zu einem Text. Wie Prof. Dr. Söding mitteilte, treffen sich die Theologen nicht zu einem Sondergespräch, sondern nehmen nur als Experten an der Synode teil.

Als besonders bemerkenswert stellte er die Konzentration in der Synode auf das Evangelium heraus. Nur das Christentum sei von Beginn an missionarisch tätig gewesen. In gewisser Hinsicht seien die neutestamentarische Anfangszeit und unsere heutige Zeit vergleichbar, denn damals sei die Zukunft der Religion ungewiss gewesen. Prof. Dr. Söding beurteilte unsere heutige Zeit als durchaus religionsfreudig.

Gerade weil die Stimme des Christentums manchmal nur schwach zu hören sei, müsse man sich auf die Stärken des Christentums konzentrieren, die schon zu seiner Anfangszeit Erfolg brachten. Dazu trugen erheblich die niedrige Eingangsschwelle bei und die Gleichberechtigung von Mann und Frau. In der Gestalt Jesu habe das Christentum zudem eine Figur, die den Menschen nah sei und ihre Hoffnungen widerspiegle. Deshalb konnte sich in voller Kraft die missionarische Dynamik entfalten, die schließlich zum Erfolg und zur Verbreitung des Christentums führten. Auch in unserer heutigen Zeit zähle der Glaube, und man dürfe optimistisch sein, wie Prof. Dr. Söding bekräftigte.

Zum Prozess der Synode berichtete er, dass das Erfahrungsspektrum äußerst breit sei und diverse Berichte von Initiativen und Erfolgen vorlägen. Als Ergebnis könne man festhalten, dass die katholische Kirche über eine große Vielzahl an Möglichkeiten verfüge. Weshalb teilweise dennoch rückläufige Zahlen feststellbar seien, sei noch zu klären.

Großer Wert werde auf die Religionsfreiheit gelegt, die nicht nur im Außen-, sondern auch im Innenverhältnis gelten müsse. Prof. Dr. Söding bezeichnete den Punkt als ein Diskussionsergebnis der Synode.

Die Weitergabe des Glaubens bedeute gleichzeitig seine Erneuerung. Es bestehe keine starre Tradition, sondern das Neuheitsmoment müsse stets eingeschlossen werden. Prof. Dr. Söding warf in dem Zusammenhang die Frage der Weitergabe des Glaubens als Quelle seiner Erneuerung und der immerwährenden Suche nach neuen Formen auf.

Eine weiterer Punkt ist die Rolle der Bibel in der Neuevangelisierung. Prof. Dr. Söding führte aus, dass der Katechismus wichtig sei, die Bibel aber die Grunderzählung darstelle. Die katholische Erziehung ruhe deshalb auf beiden Elementen. Das Lesen der Bibel und das Wissen um sie, ebenso die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihrem Inhalt seien in die Evangelisierungsarbeit einzubringen.

Prof. Dr. Söding bekräftigte, dass die Neuevangelisierung immer „von unten“ erfolge und dass die Synode eine Bestandsaufnahme vorgenommen habe. Teilweise bestehe großes Interesse an der pastoralen Arbeit in den Gemeinden, wie an den Beiträgen zur Betreuung Kranker oder auch zur Katechese abzulesen sei.

Eine Herausforderung ist und wird die Kinder- und Jugendarbeit sein. Gegenüber ZENIT äußerte Prof. Dr. Söding auf die Frage nach der Bedeutung des Religionsunterrichts in den Schulen, dass in Deutschland die konfessionelle Ausgangssituation besonders sei. Bei der Abmeldung vom Religionsunterricht durch den Schüler müsse die Teilnahme am Ethikunterricht verbindlich sein. Es sei keinesfalls ausreichend, die Schüler über die Religionen zu informieren. Das Christentum müsse von innen in der Schule erschlossen werden. Hier stelle sich die Frage, wie dialogfähig der katholische Glaube und wie sein Verhältnis zur Welt sei. Betrachte man Jesus, stelle man fest, dass er stets alle Menschen gesucht habe. Prof. Dr. Söding merkte abschließend an, dass der konfessionelle Religionsunterricht keine Trennung darstelle, sondern vielmehr Brücken baue. [bd]