Exodus nach der Kommunion

Weswegen man bis zum Ende der Messfeier bleiben sollte

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 497 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen.

Frage: Leider haben einige Gläubige in unserer Pfarrei die traurige Angewohnheit entwickelt, nach der Kommunion sofort die Messfeier zu verlassen. Ich schätze, 30 Prozent (etwa 225 Menschen) tun dies. Unsere Kirche fasst 750 Gläubige, sodass der Exodus sich auf alle Fälle bemerkbar macht. Könnten Sie eine theologische Begründung vorlegen, warum dies kein angemessenes Verhalten ist? -- D.S., Port Charlotte, Florida

P. Edward McNamara: Hier haben wir es mit einem dauernden Problem zu tun, das man mit Geduld angehen muss, indem man, wie der hl. Paulus sagt, die Botschaft „opportune et importune“ (gelegen und ungelegen) durchgibt, bis sie ankommt.

Diese Frage erinnerte mich an folgende Anekdote: Man erzählt davon, dass ein heiligmäßiger Priester das gleiche Problem mit einem seiner Pfarrkinder hatte, einem Mann, der täglich zur Messe ging, der aber sofort nach der Kommunion die Kirche zu verlassen pflegte. Der Priester löste das Problem, indem er zwei Ministranten anwies, den Mann – sobald er sich aufmachen würde, um die Kirche zu verlassen – in die Mitte zu nehmen und ihn auf beiden Seiten mit brennenden Kerzen den ganzen Weg bis zum Wagen hin zu begleiten.

Als der Mann nach drei Tagen, in denen diese Prozedur wiederholt wurde, etwas nervös und beschämt den Priester um eine Erklärung bat, bekam er zur Antwort, dass Christus, wenn er die Kirche verlässt, in ihm noch gegenwärtig sei und dass diese Gegenwart mit brennenden Kerzen geehrt werden müsse. Es erübrigt sich zu sagen, dass der Mann von da an nie wieder vorzeitig die Messfeier verließ.

Diese Anekdote könnte einem Priester als Ausgangspunkt dienen, um gemeinsam mit der Gemeinde darüber nachzudenken, wie wichtig es ist, für das Geschenk der Messe Dank zu sagen – dafür dass man die geistige Speise des Wortes Gottes aufgenommen, an Christi einzigartigem Opfer teilgenommen und ihn in der Kommunion empfangen hat.

Dies setzt auch voraus, dass es tatsächlich nach dem Kommunionslied einen Moment der Stille gibt, und dass der Priester, Diakon und andere Dienste mit gutem Beispiel vorangehen und am Sitzplatz zwei oder drei Minuten im Schweigen Andacht halten.

Von Zeit zu Zeit kann der Priester dem Volk auch helfen und ein kurzes, meditatives Dankgebet vortragen. Dies passt und wirkt besonders gut bei sogenannten Kindermessen, denn, obwohl das Gebet sich klar an die Kinder richtet, ist dieses letztlich oft für die Eltern genauso nützlich.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der zu betonen ist, besteht darin, dass man an der ganzen Messe teilnehmen sollte. Man könnte dies auf viele Weisen verdeutlichen, aber meistens wird es schon verstanden, wenn man z. B. annimmt, man würde vom eigenen Chef oder vom Bürgermeister zu einem Treffen einbestellt. In dem Fall würden man es sicher nicht wagen, wegzugehen, ehe der Gastgeber das Treffen offiziell beendet hat. Das träfe noch mehr zu, wenn es die Eltern, die Geschwister oder ein lebenslanger Freund wäre, der uns eingeladen hat, mit ihm etwas Zeit zu verbringen.

Wenn wir uns schon in Fällen rein menschlicher Autorität und Beziehungen so verhalten, um wie viel mehr sollte dies dann der Fall sein, wenn unser Gastgeber der Vater ist, der uns geschaffen, der Sohn, der für uns gestorben und auferstanden ist und der Geist, der uns das Leben verleiht!

Lassen wir die Höflichkeit beiseite und kommen wir noch einmal zurück zur Danksagung. Die Messfeier begehen wir gemeinsam als Kirche und als eine Versammlung, die dank dem Priester mit Christus vereint ist. Sie ist nicht einfach das Werk eines einzelnen Christen.

Daher kann auch unsere Danksagung für die Messe nicht allein auf die individuelle Sphäre reduziert, sondern muss als Kirche ausgeführt werden. Diese kollektive Danksagung führt der Priester aus, wenn er das Schlussgebet spricht, auf das alle mit „Amen“ antworten.

Schließlich ist die Messe aufs Innigste mit dem christlichen Leben und dessen Missionsauftrag verbunden: Im Schlusssegen und in der Entlassung wird uns aufgetragen, das, was wir empfangen haben, an unsere Schwestern und Brüder weiterzugeben. Wenn wir sofort nach der Kommunion weggehen, geht uns dieser wichtige Bestandteil unseres geistlichen Lebens verloren.

Man sollte aber auch ganz konkret fragen, ob es handfeste Motive gibt, die so viele Gläubige dazu bringen, frühzeitig die Messe zu verlassen. Gibt es vielleicht auf dem Parkplatz einen Engpass? Sind die vorgesehenen Zeiten für die Messfeiern zu nahe beieinander? Sollte es nämlich echte, praktische Probleme geben, dann werden, solange diese nicht behoben sind, theologische Argumente allein wohl kaum die Angewohnheiten der Menschen ändern.

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Originalartikel Leaving Right After Communion