Experten aus aller Welt erörtern die von Papst Pius X. durchgeführten Reformen

Das Päpstliche Komitee für Geschichtswissenschaften organisierte einen dem Pontifikat Giovanni Sartoris gewidmeten Studientag im Vatikan

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Deborah Castellano Lubov | 741 klicks

Für eine Analyse zum Erbe und Leben von Papst Pius X. (1835-1914), dessen Pontifikat elf Jahre währte und mit seinem Tod wenige Wochen nach dem Ausbruch des ersten Weltkrieges endete, versammelten sich Experten aus aller Welt am vergangenen Donnerstag im Vatikan.

Veranstalter der Konferenz unter dem Motto: „Der hl. Pius X. – Ein Reformpapst vor den Herausforderungen des neuen Jahrhunderts“ war das Päpstliche Komitee für Geschichtswissenschaften. Die in zwei Sitzungen gegliederte Tagung begann am Vormittag mit einer Reflexion über die Persönlichkeit von Papst Pius X. Gianpaolo Romanato, Professor an der Universität Padua, sprach über die „Komplexität der Gestalt von Pius X.“ und betonte die Bedeutung dieses Papstes mit dem Verweis darauf, dass die späteren Anstrengungen seiner Nachfolger ohne sein Pontifikat niemals möglich gewesen seien.     

Prof. Romanato zufolge sei die hohe Zahl der Bekehrungen kein  Zufall und die Reformen von Papst Pius X. hätten einen ausschlaggebenden Einfluss auf den Anstieg der Gläubigen gespielt.

In Zusammenhang mit den pastoralen Elementen des Pontifikats von Pius X. bezeichnete Pater Carlo Pioppi, Professor an der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz, die Einsicht in seine Haltung, seine Verwaltungstätigkeit und seine Entscheidungen  als Schlüssel zum Verständnis des „guten Hirten“, der den Versuchungen der Epoche nicht erlag, sondern die Christen in Richtung eines liturgischen und sakramentalen Lebens führte. Im Gespräch mit ZENIT erklärte Pater Pioppi, dass die Aktivitäten von Papst Pius X. das Wissen der Katholiken um die Lehre und die Kirche erhöht hätten. Pater Pioppi ergänzte, dass zahlreiche Gläubige von den geistlichen Übungen und Meditationen zur Heiligen Schrift von Pius X. inspiriert worden seien und sich für dessen Nachahmung entschieden hätten.

Roberto Regoli, Professor an der Päpstlichen Universität Gregoriana, behandelte den historischen Kontext des Wirkens Pius X. Der Vergangenheit des Papstes als Patriarch von Venedig widmete sich Miroslaw Lenard von der Universität Opole in Polen.

Im Mittelpunkt der am Nachmittag abgehaltenen Sitzung standen die verschiedenen von Pius X. durchgeführten Reformen. Patrick Valdini, Professor an der Päpstlichen Lateranuniversität, sprach über den Beitrag Pius‘ X. bei der Verbreitung eines einheitlichen Kodex des Kanonischen Rechtes.

Im Gespräch mit ZENIT betonte der Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften Pater Bernard Ardura, dass die Lehren der Kirche vor dem Amtsantritt Pius‘ X. auf verschiedene Dokumente verstreut gewesen seien. Daher bestehe das Verdienst Pius X. darin, die Vereinigung der kirchlichen Regelungen in einen einheitlichen und verständlichen Kodex über das Kirchenrecht initiiert zu haben.

In Bezug auf die Priesterausbildung hob Luigi Michele De Palma hervor, dass Pius X. vor allem in Italien die Entwicklung von Diözesanseminaren unterstützt habe.

Jean Miguel Ferrer Grenesche, Sekretär des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften, führte eine Auseinandersetzung der Liturgiereformen Pius‘ X. durch. Mario Sensi, Professor an der Lateranuniversität, führt den häufigeren Empfang der Sakramente und insbesondere der Kommunion durch Erwachsene und Kinder in entscheidendem Maße auf Pius X. zurück.

Die Veranstaltung endete mit der Präsentation des von Gianpaolo Romanato verfassten und von Lindau herausgegebenen Buches „Pio X: alle origini del cattolicesimo contemporaneo“ (Pius X.: Die Anfänge des zeitgenössischen Katholizismus). Im Rahmen der Präsentation hoben Carlo Fantappie, Professor an der Universität Urbino und Alejandro Dieguez vom Vatikanischen Geheimarchiv, hervor, dass Pius X. zwar als ‚unverstandener Papst‘ gelte, jedoch durch wichtige Reformen zweifellos ein Vorankommen der Kirche bewirkt hätte. Beide Redner ergänzten, dass der Papst über ein „hohes Bewusstsein seiner Rolle“ verfügte und eine komplexe und faszinierende Persönlichkeit in den Vatikan gebracht und dadurch ein dauerhaftes Erbe hinterlassen hätte.