„Fairness, Solidarität und Unterbrechung des Alltags"

Begegnung der Kirchen mit dem Sport in Frankfurt

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FRANKFURT, 24. August 2009 (Zenit.org).- Kirchen und Sport verbinden zahlreiche gemeinsame Werte wie Toleranz, Rücksichtnahme, Solidarität oder Fairness. Grundlage ihrer Partnerschaft ist für Kirchen und Sport aber auch die Anerkennung ihrer Verschiedenheit: Der Sport ist keine Religion und will auch keine Ersatzreligion sein. Das geht aus einer Presseerklärung hervor, die am 21. August nach der Begegnung von Vertretern der beiden großen Kirchen in Deutschland und des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Frankfurt/Main veröffentlicht wurde. Bei dem Treffen wurde ein gemeinsames Grundsatzpapier mit dem Titel „Zum Wohl der Menschen und der Gesellschaft - Perspektiven der Zusammenarbeit von Kirche und Sport in Deutschland" verabschiedet.

In dem Dokument betonen Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Wolfgang Huber, Vorsitzender des Rates der EKD, und Dr. Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, die gemeinsame Basis für das gesellschaftliche Engagement von Kirche und Sport. Diese Basis bestehe in der „Verantwortung, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten und den Menschen, gerade in Zeiten der Unsicherheit, Räume für eigenverantwortliches Handeln, Verlässlichkeit und Geborgenheit zu bieten". Sport und Kirchen wirkten durch „Vermittlung von Toleranz, Rücksichtnahme, Solidarität oder Fairness" an der Gestaltung der Gesellschaft mit.

Einig zeigen sich Kirchen- und Sportvertreter in der gesellschaftlichen Bedeutung des Sonntags „als Tag der Arbeitsruhe und damit als Unterbrechung des Alltags, als Tag des Gottesdienstes wie als Tag zur Pflege von Spiel und Sport". Seitens des DOSB wurde betont, dass das Präsidium des DOSB die Verfassungsbeschwerde der beiden großen Kirchen gegen das Berliner Ladenschlussgesetz, die zurzeit vor dem Bundesverfassungsgericht anhängig ist, unterstütze.

Darüber hinaus wenden sich die Kirchen- und Sportvertreter gegen Ausgrenzung und Diskriminierung. In den „Perspektiven" heißt es dazu: „Jeder Mensch verdient eine gerechte Chance auf eine selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben - unabhängig von seiner sozialen Herkunft, Weltanschauung und Religion."

Sport und Kirchen betonen außerdem die Bedeutung einer umfassenden Bildung für die Entwicklung des Einzelnen wie für die Teilhabe an der Gesellschaft. Vor dem Hintergrund ihres ganzheitlichen Menschenbilds heben Kirchen und Sport die Bedeutung des Religionsunterrichts und des Sportunterrichts als ordentliche Lehrfächer in der Schule hervor. Weder Religion noch Sport dürften innerhalb der Schule an den Rand gedrängt werden.

Auch die Möglichkeiten, im Sport Leistungen zu erbringen, wurde von den Teilnehmern des Spitzengesprächs und im verabschiedeten Grundsatzpapier begrüßt. Dabei betonen Kirchen und Sport, dass sie alle Versuche der Leistungsmanipulation im Sport, etwa durch die Einnahme verbotener Substanzen oder die Anwendung entsprechender Techniken, strikt ablehnen.

Zur ganzheitlichen Entfaltung des Menschen wird im neuen Dokument Folgendes festgehalten: „Der Körper ist die primäre Grundlage des Sports. Durch das Erleben der Leiblichkeit leistet der Sport einen wichtigen Beitrag zur ganzheitlichen Entfaltung des Menschen und damit zu seiner physischen wie psychischen Gesundheit. Wo dagegen der Mensch auf seine Körperlichkeit reduziert wird und der Sport allein zur Verherrlichung des Körpers dient (Körperkult), verstößt dies gegen die Geist und Leib umfassende Einheit des Menschen.“