Fall Ashley: Bioethiker kritsieriert medizinische Behinderung der körperlichen Reifung eines behinderten Mädchens in den USA

Absolute Achtung des menschlichen Leibes und körperliche Unversehrtheit

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ROM, 12. Januar 2007 (ZENIT.org).- Ein medizinischer Eingriff, der das Wachstum und die Reifung der Geschlechtsorgane eines behinderten Mädchens unterdrücke, widerspräche der Ethik der Medizin, betonte Francesco D’Agostino, Präsident des Verbands katholischer Juristen in Italien sowie Ehrenvorsitzender und ehemaliger Präsident des italienischen Nationalen Bioethikrates, vor kurzem gegenüber „Radio Vatikan“ im Hinblick auf ben Fall von Ashley, einem 9-jährigen Mädchen aus den USA, das an statischer Enzephalopathie, einem irreparablem Hirnschaden, leidet.



Ashley kann weder gehen noch sprechen und befindet sich auf dem geistigen Niveau eines drei Monate alten Kindes.

Unter Zustimmung des Ethikausschusses des Seattle-Krankenhauses, wo Ashley behandelt wurde, entschieden sich ihre Eltern vor zwei Jahren, Ashleys körperliche Entwicklung zu stoppen: Das Mädchen wurde einer hoch dosierten Hormontherapie unterzogen, die Gebärmutter und die Brustknospen wurden ihr entfernt.

D’Agostino bezeichnete die Lage Ashleys und ihrer Eltern als „extrem tragisch“; ethisch gesehen erwecke sie jedoch ein „Gefühl der Ehre“.

Ziel von Operation und Therapie war es, die sexuelle Reifung des Mädchens zu unterdrücken, mögliche spätere Komplikationen aus dem Weg zu räumen und Ashleys Pflege zu vereinfachen, weil sie auf diese Weise kleiner und leichter bleiben würde.

Selbst wenn die Absichten von Ashleys Eltern wahrhaft gut gewesen seien, führte D'Agostino aus, bleibe die Tatsache, dass diese guten Absichten in „außerordentlich invasiven Verstümmelungspraktiken“ Ausdruck gefunden hatten und dies zum Schaden von Ashleys Leib. Weiterhin seien mit dem Eingriff medizinisch-biologische Risiken verbunden, die mit jenen vergleichbar seien, die es zu vermeiden gegolten habe, unterstrich D’Agostino.

Die Illusion, dass die Medizin „frei“ – ohne irgendwelche Einschränkungen – „in manipulativer Weise“ mit dem menschlichen Körper verfahren könne, komme in diesem Fall zum Vorschein, kritisierte er.

Würde diese Ideologie der freien medizinischen Verfügung über den menschlichen Körper an Boden gewinnen, stünden wir bald vor der Gefahr, dass alle geistig behinderten Menschen als Kinder sterilisiert würden, um mögliche, häufig jedoch nicht wahrscheinliche beziehungsweise tatsächlich auftretende „Komplikationen“ zu vermeiden.

D'Agostino verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass aufgrund des öffentlichen Interesses, das diesem Fall geschenkt werde, ein Behandlungsprogramm für Kinder erstellt werde, „die sich in ähnlichen Situationen befinden“.

Wie die therapeutischen Möglichkeiten für die kleine Ashley auch immer aussehen mögen: Das grundlegende ethische Prinzip der „absoluten Achtung des menschlichen Leibes“ bleibe stets gültig.