Fall Galileo Galilei: Neuausgabe der Prozessakten vorgestellt

Pressekonferenz im Vatikan

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ROM, 2. Juli 2009 (ZENIT.org).- In diesem Jahr 2009 gedenkt die Welt der Wissenschaft und Kultur in besonderer Weise der großen Revolutionen in der menschlichen Erkenntnisfähigkeit und Wissensmöglichkeit. So wird im „Jahr der Astronomie“ eben auch des 400. Jahrestages der ersten Beobachtungen am Teleskop durch Galileo Galilei (1564-1642) gedacht.



Der „Fall“ des Pisaner Gelehrten und Begründers der modernen Wissenschaft rückt damit erneut in den Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit und lässt die Diskussion um das Verhältnis von Naturwissenschaft und Theologie in den Mittelpunkt des spekulativen Interesses treten. Dass es hierbei an polemisch geführten Auseinandersetzungen nicht mangelt, ist offensichtlich.

Um es den Diskutanten die Möglichkeit zu geben, auf einem gesicherten und zugänglichen historischen Boden zu stehen, ließ der Präfekt des Vatikanischen Geheimarchivs, Bischof Sergio Pagano, eine Neuausgabe der Prozessakten des so genannten Falles Galilei erarbeiten. Die Akten beziehen sich auf den Zeitraum von 1611 bis 1741. Der Band der Neuausgabe wurde heute im Rahmen einer Pressekonferenz im Vatikan vorgestellt (Sergio Pagano (Hg.), I documenti vaticani del processo di Galileo Galilei (1611-1741). Neue ergänzte und durchgesehene Ausgabe mit Anmerkungen, Vatikanstadt – Geheimarchiv 2009, Ss. CCLVIII + 332, 28 Tafeln in Farbe [Reihe: Collectanea Archivi Vaticani, 69], 60,00 EUR).

Im Unterschied zur  ersten Ausgabe der Prozessakten aus dem Jahr 1984 wurden nach Worten Pagano alle edierten Dokumente neu nach den Originalen gesichtet, die sich in den Vatikanischen Archiven (Geheimarchiv, Archiv der Glaubenskongregation, Apostolische Bibliothek) befinden. Dazu komme eine vollständige Edierung jener rund 20 Akten, die nach dem Jahr 1984 gefunden worden seien.

Der Herausgeber versah die Akten mit kritischen und historischen oder auch biographischen Anmerkungen. Dies stelle eine absolute Neuheit gegenüber allen anderen Ausgaben der Akten seit 1877 dar, hob Bischof Pagano hervor. Sie geben über Typologie und Überlieferung Auskunft (Original, Kopie, Zusammenfassung, amtliche Anmerkung, verschiedene Verfasser usw.).

Dem Dokumentationsteil ist eine 208seitige Einleitung vorangestellt, in der die jüngste Literatur zu Galilei verarbeitet worden ist. In der Einleitung werden die Etappen des Falls von 1611 bis 1633 beleuchtet, die schließlich in den Prozess mündeten.

Der Band zeichnet sich durch einen ausführlichen Namen- und Themenregister aus, was das Auffinden von bestimmten Personen oder Fragestellungen wesentlich erleichtert.

Bischof Pagano merkte an, dass der „Fall Galilei“ die Kirche eine Haltung lehren müsse, die auch heute gelte. Es bedürfe vor allem einer gewissen Vorsicht und Demut, wenn es um die Bewertung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Forschungsergebnissen gehe. Auch heute bestehe die Gefahr, vorschnelle Schlüsse zu ziehen und Vorurteile zu haben, wie sie sich zur Zeit Galileis gegen das kopernikanische System richteten. Gegenseitige Unkenntnis führe leicht zu Missverständnissen, so Bischof Pagano. Im Vordergrund müsse stets das Bemühen stehen, die Fragestellungen der jeweiligen Forschungsbereiche besser zu verstehen.