Fall Terri Schiavo: Bischof Sgreccia warnt vor "ernsthaften Konsequenzen"

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ROM, 14. März 2005 (ZENIT.org).- Die Päpstliche Akademie für das Leben, die sich in konkreten Fällen normalerweise nicht zu Wort meldet, hat im Fall der 41-jährigen US-Amerikanerin Terri Schiavo eine Ausnahme gemacht. Sie tritt dafür ein, dass die Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr für die Wachkoma-Patientin aufrecht erhalten bleibt.



Die hirngeschädigte Frau aus Florida Terri Schiavo, die seit 1990 im Wachkoma liegt, ist der Anlass für den jahrelang andauernden Gerichtskampf zwischen ihren Eltern, die sie am Leben erhalten wollen, und ihrem Mann Michael, der sich für das Abstellen der künstlichen Ernährung einsetzt, damit Terri sterben kann. Ein kürzlich gefällter Gerichtsbeschluss verlangt nun tatsächlich die Absetzung der künstlichen Ernährung. Ab kommenden Freitag soll die 41-jährige Amerikanerin nicht mehr die Nahrung bekommen, die sie zum Leben braucht. Höchstwahrscheinlich wird sie also an den Folgen des Verhungerns und der Austrocknung sterben müssen.

Bischof Elio Sgreccia, Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, erklärte am Samstag in "Radio Vatikan", warum der Heilige Stuhl sich für das Leben der Wachkoma-Patientin einsetzt. "Schweigen könnte in diesem Fall als folgenschwere Billigung des Urteils interpretiert werden", sagte er – mit unabsehbaren, weit reichenden Folgen.

Terri Schiavo befinde sich, so der Bischof, nicht in einem echten Wachkoma-Zustand, sondern vielmehr in einem "vegetativen Stadium an der Bewusstseinsschwelle". Diesen Zustand könne man als "minimales Bewusstseins-Stadium", sagte Msgr. Sgreccia. "Leider sind an der Patientin keine offiziellen Kontrolluntersuchungen von Fachleuten durchgeführt worden, die Aufschluss über ihren genauen neurologischen Zustand geben könnten", bedauerte er. Ohne solche Auswertungen dürfe man gesetzlich "keine Entscheidung über das Leben einer Person" treffen, betonte er. Er plädierte außerdem dafür, dass solche Auswertungen von mehreren von einander unabhängigen Experten durchgeführt werden sollten.

"Geht man von allen vorliegenden vertrauenswürdigen Erklärungen aus, dann kann Schiavo als eine lebendige menschliche Person betrachtet werden, die nicht bei vollen Bewusstsein ist, aber deren Rechte gesetzlich anerkannt, respektiert und verteidigt werden müssen. Bei dieser Person und unter diesen Umständen kann das Einstellen der künstlichen Ernährung als direkte Euthanasie betrachtet werden", so Msgr. Sgreccia. Die künstliche Ernährung könne nicht "als 'außergewöhnliches' oder als therapeutisches Mittel betrachtet werden", sie sei vielmehr ein "integraler Bestandteil der Modalität, durch die Terri Schiavo ernährt und mit Flüssigkeit versorgt werden kann". Aus diesem Grund gibt es für Bischof Sgreccia keinen Zweifel: "Jemanden den Zugang zu Nahrung und Flüssigkeit zu verwehren, ist eine Art, diese Person zu töten."

Bischof Sgreccia ist überzeugt, dass seine Akademie dazu verpflichtet ist, "klarzustellen, dass eine derartige Entscheidung gegen die Rechte der Person Terri Schiavo verstößt und dass sie deshalb ein Missbrauch der juristischen Amtsgewalt ist".

Abschließend warnte der Bischof: "Sollte diese Entscheidung bestätigt werden und zum Tod von Terri Schiavo führen, dann gebe es einen juristischen Präzedenzfall, dank dem die Euthanasie vor den US-Gerichtshöfen in Wirklichkeit als Recht hingestellt würde – mit schwerwiegenden Folgen für das Leben zahlreicher anderer mehr oder weniger autonomen Personen in diesem Land und anderswo, wie man sich leicht ausmalen kann. Aus diesen Gründen halten wir es für rechtswidrig, die Ernährungszufuhr für Terri Schiavo abzustellen."

Von einer "direkten Euthanasie" wird dann gesprochen, wenn man "aus welchen Gründen und mit welchen Mitteln auch immer dem Leben behinderter, kranker oder sterbender Menschen ein Ende setzt. Sie ist sittlich unannehmbar. Eine Handlung oder eine Unterlassung, die von sich aus oder der Absicht nach den Tod herbeiführt, um dem Schmerz ein Ende zu machen, ist ein Mord, ein schweres Verbrechen gegen die Menschenwürde und gegen die Achtung, die man dem lebendigen Gott, dem Schöpfer, schuldet. Das Fehlurteil, dem man gutgläubig zum Opfer fallen kann, ändert die Natur dieser mörderischen Tat nicht, die stets zu verbieten und auszuschließen ist" (KKK 2277).