Familie schaffen wir nur gemeinsam

Erzbischof Zollitsch spricht auf dem 3. Caritaskongress in Berlin

Bonn, (ZENIT.orgDBK PM) | 558 klicks

„Deutschland braucht eine familienfreundliche und Familien fördernde Gesellschaft, die Rahmenbedingungen schafft, in denen die Familien ihre Aufgaben wahrnehmen können.“ Diese Auffassung hat heute der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, beim Jahresempfang des Deutschen Caritasverbandes im Rahmen des 3. Caritaskongresses in Berlin vertreten, der unter dem Leitwort „Familie schaffen wir nur gemeinsam“ steht. Bisher sei eine Trendwende hin zu einer familienfreundlicheren Gesellschaft nur ansatzweise gelungen, so Erzbischof Zollitsch, der gleichzeitig zu mehr Solidarität in der Gesellschaft aufrief: „Vielleicht bräuchte es in unseren Nachrichtensendungen auch so etwas wie einen DAX der zwischenmenschlichen Werte, der uns über aktuelle Kursentwicklungen der Nächstenliebe und Solidarität in unserem Land und in Europa informiert; der deutlich macht, dass es sich lohnt, in Menschlichkeit und Barmherzigkeit zu investieren.“

Erzbischof Zollitsch wandte sich gegen eine Familienpolitik, die der Gefahr der Verzweckung und Funktionalisierung erliege. „Eine Politik, die primär an der ‚Marktfähigkeit’ des Menschen und am ‚Humankapital’ der Familien interessiert ist, wird den eigentlichen familiären Belangen nicht gerecht. Nur allzu leicht geraten so die Handlungsfreiheit der Familien und das Kindeswohl aus dem Blick.“ Zollitsch betonte, dass die Familien durch ihre Sorge für die nachwachsende Generation den entscheidenden Beitrag zum Generationenvertrag erbringen, der Rentenleistungen in Zukunft erst möglich mache: „Es gilt, die Teilhabechancen aller Familienmitglieder am gesellschaftlichen Leben zu optimieren.“ Die Freiheit der Eltern, das Erwerbs- und Familienleben je nach eigenen Prioritäten zu gestalten, werde unter anderem durch das Ehegattensplittung unterstützt. „Die immer wieder neu auflebende Diskussion über die Ausweitung der gegenwärtigen Form des Ehegattensplittings auf ein Familiensplitting sollte durchaus geprüft werden. Jedoch darf dies das Ehegattensplitting in seinem Bestand nicht gefährden“, so Erzbischof Zollitsch.

Mit Blick auf die Debatte um die beitragsfreie Mitversicherung in der Sozialversicherung verstärke sich der Eindruck, „dass die öffentliche Debatte viel zu einseitig nur die Finanz- und Leistungsströme hin zu den Familien betrachtet, während die Leistungen der Familien für die Gesellschaft oft zu kurz kommen. Wiederholt haben wir Bischöfe eine familiengerechte Reform der Gesetzlichen Rentenversicherung und eine bessere Anerkennung von Erziehungsleistungen gefordert“, so Erzbischof Zollitsch. Die deutschen Bischöfe begrüßten daher die angekündigte Erhöhung der Renten von Müttern mit Kindern, die vor 1992 geboren worden seien.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz betonte auch die Herausforderung für den vereinbarten Krippenausbau insbesondere mit Blick auf die hohen Qualitätsanforderungen der Krippenplätze hinsichtlich Ausstattung und Personalschlüssel. „Um der Kinder willen dürfen wir an dieser Stelle keine Abstriche machen. Betreuung allein ist zu wenig. Kinder wollen angenommen, geliebt, wertgeschätzt und auch altersgemäß gefördert und gefordert werden.“ Die Eltern seien als Experten der Erziehung ihrer Kinder ernst zu nehmen und in die Arbeit der Kindertagesbetreuungsstätten einzubeziehen, sagte Zollitsch. „Dahinter steht der wichtige Gedanke, dass Kindergärten die Erziehungsleistung der Eltern nicht ersetzen können. Sie können sie nur ergänzen und wollen sie unterstützen.“ Erzbischof Zollitsch: „Über die Solidarität in der Familie hinaus bedarf es der Solidarität mit der Familie und der solidarischen Verantwortung von Staat und Gesellschaft für die Familie, damit die Familien auch in Zukunft den Anforderungen gewachsen sind und Familienleben in seinen vielfältigen Ausprägungen gelingen kann“.