Familie und traditionelle Werte gegen die Legalisierung von Rauschgiften

Uruguayischer Bischof kommentiert die Legalisierung von Marihuana in seinem Land

Rom, (ZENIT.org) H. Sergio Mora | 337 klicks

Am 10. Dezember letzten Jahres stimmte das uruguayische Parlament, mit den Stimmen der Regierungskoalition des „Frente Amplio“, für ein Gesetz, das den Handel von Marihuana legalisiert.

Dieses neue Gesetz erlaubt jedem erwachsenen Bürger den Kauf von monatlich bis zu vierzig Gramm dieser Droge in lizenzierten Verkaufsstellen.

Um mehr darüber zu erfahren, interviewte ZENIT den Bischof von Mina (Uruguay), Msgr. Jaime Fuentes, der an der Universität in Navarra Journalismus studierte und viele Jahre lang diesen Beruf ausübte. Wegen seiner zahlreichen Beiträge im Internet erhielt er den Spitznamen „Blogger Gottes“.

„Bischof Jaime“, wie die Gläubigen seiner Diözese ihn liebevoll nennen, ist auch der Verantwortliche für Familienpastoral und Lebensrecht in Uruguay. Für unsere Leser erklärte er, welche Herausforderungen dieses neue Gesetz mit sich bringt.

***

Exzellenz, was ist Ihre Meinung über das Gesetz, das kürzlich zur Legalisierung des Handels mit Marihuana in Ihrem Land führte?

Bischof Fuentes: Ich glaube, dass die Legalisierung von Marihuana den jüngsten Schritt einer Entwicklung darstellt, mit der unsere Regierung eine Gesellschaft aufbauen will, die auf einer individualistischen Idee von Freiheit beruht. Es ist ein Torpedo, der Ehe und Familie versenken möchte.

Marihuana ist also nur ein Teil des Problems?

Bischof Fuentes: Wenn wir vor zwei Jahren bereits vor dem gesellschaftlichen Abgrund standen (wir dürfen nicht vergessen, dass Uruguay als erstes Land der Welt bereits 1907 die Ehescheidung einführte und die Familie heute an allen Ecken und Enden bröckelt), dann sind wir heute vier entschiedene Schritte weiter gegangen… In diesem Zeitraum nämlich wurden der Schwangerschaftsabbruch legalisiert, homosexuelle Beziehungen vor dem Gesetz der Ehe gleichgestellt, künstliche Befruchtung erlaubt und jetzt auch noch der Verkauf von Marihuana legalisiert…

Gibt es einen gemeinsamen Nenner zwischen Schwangerschaftsabbruch, homosexuelle „Ehe“, künstliche Befruchtung und Marihuana?

Bischof Fuentes: Natürlich. Sie alle gehören ins Reich des „Nur-für-mich“; das heißt, all diesen Dingen fehlt ein Bezug zu transzendenten Werten. Diese individualistische Ideologie, die der Nährboden all der genannten Gesetze ist, hat einen nachhaltigen Einfluss auf die Erziehung unserer Kinder und Jugendlichen. Man lehrt sie, das Wichtigste im Leben sei, dass jeder auf seine Art glücklich werde. Man sagt ihnen, die Wahrheit des Menschen liege in seinen Entscheidungen. 80 Prozent der Bevölkerung Uruguays besucht staatliche Schulen, an denen nicht nur keine Religion gelehrt wird, sondern es sogar verboten ist, über Gott zu sprechen – so unglaublich das auch klingt. Das alles lässt nur einen Schluss zu: Es wird uns viel Mühe und Arbeit kosten, diese Zustände zu beenden.

Zurück zur Marihuana: Ist die Bevölkerung einverstanden mit der Legalisierung? Welche Folgen wird dieses Gesetz haben?

Bischof Fuentes: Wenige Monate bevor das Gesetz in Kraft trat, waren Umfragen zufolge etwa 62 Prozent der Bevölkerung dagegen. Ich bin sicher, dass dieser Anteil eher gestiegen ist; abgenommen hat er bestimmt nicht. Das von unserem Präsidenten Mujica befürwortete Gesetz wurde zwar mit den Stimmen der Regierungskoalition approbiert, aber die ganze Opposition stimmte dagegen. Zahlreiche uruguayische und auch ausländische Ärzte haben deutlich erklärt, dass Marihuana nicht nur gesundheitsschädlich ist, sondern auch die Gehirnfunktionen hemmt und deshalb die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit vermindert und letztlich zum Wunsch führt, schwerere Drogen zu konsumieren. Ich glaube, es ist nicht schwer, sich die Folgen auszumalen, die das alles auf die Jugend haben wird.

Was hat die Regierung dazu bewogen, für dieses Gesetz zu stimmen?

Bischof Fuentes: Der Präsident erklärte, alle Versuche, den Drogenhandel durch Ermittlungen gegen die Dealer zu unterbinden, seien gescheitert. Wenn hingegen der Staat selbst Marihuana produziere und verkaufe, werde dies die Käufer dazu bringen, die Droge nicht mehr auf dem illegalen Markt zu suchen, wodurch der organisierten Kriminalität eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen entzogen werde. Ich denke, dass diese Art, die Dinge zu betrachten, etwas von der alten Häresie des Pelagius in sich trägt, nämlich die Vorstellung, der Mensch sei ohne Erbsünde geboren; als ob die Welt und die Menschheitsgeschichte uns nicht zur Genüge bewiesen hätten, dass der Staat aus Menschen besteht und dass alle Menschen Sünder sind. Für manche könnte es ein gutes Geschäft werden, Cannabis im eigenen Haus anzupflanzen. Der Staat erlaubt ja eine gewisse Anzahl Pflanzen für den Eigenbedarf, und wer soll schon kontrollieren, ob ich vier oder zehn Pflanzen im Haus habe, oder ob ich alles selber konsumiere oder einen Teil an Touristen verkaufe? Und schließlich gibt es auch andere Argumente, die klar und deutlich sagen, dass dieses Gesetz schwere Folgen haben wird.

Gibt es die Möglichkeit, das Gesetz wieder abzuschaffen, wenn man feststellen sollte, dass die Auswirkungen gar zu schädlich sind?

Bischof Fuentes: Ich denke, dass man das Übel an der Wurzel packen muss. Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft, doch unsere Verfassung sagt deutlich: „Die Familie ist das Fundament unserer Gesellschaft. Der Staat wird über ihre moralische und materielle Stabilität wachen, um die bestmögliche Erziehung der Jugend zu ermöglichen“ (Art. 40). Ich glaube, dass wir weit davon entfernt sind, diese feierliche Erklärung in Tat umzusetzen. Die Arbeit der Politiker ist unzureichend, um sie zu verwirklichen; und doch sind sie nicht die einzig Schuldigen. Als Papst Johannes Paul II. Uruguay besuchte, sagte er etwas, das sehr wahr ist: „Die christlichen Familien sind es, die es der Welt erlauben werden, wieder zu lachen.“ Die Lage, in der wir uns befinden, ist nicht viel anders, als die, in der die ersten Christen lebten. Sie siegten, dank ihrer konsequenten Lebensführung, ihrem Beispiel und ihrer Prediger. „Dies ist die Kraft, die die Welt besiegt: unser Glaube!“, sagte der heilige Johannes. Vor uns liegt ein wunderbares Stück Arbeit; wir müssen den Menschen zeigen, wie schön die Institutionen der Ehe und der Familie sind, die Gott für die Männer und Frauen aller Zeiten geschaffen hat. Wir befinden uns inmitten eines ideologischen Sturms, der genauso vorübergehen wird, wie alle anderen auch. Trotzdem muss man viel dafür arbeiten und beten.