"Familie, werde, was du bist": Benedikt XVI. über die Bedeutung des V. Weltfamilientreffens in Valencia (Spanien)

Angelus-Gebet auf dem Petersplatz in Rom

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ROM, 3. Juli 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die der Heilige Vater am Sonntag zum traditionellen Angelus-Gebet gehalten hat.



Vor Zehntausenden Pilgern aus aller Welt sprach Benedikt XVI. über das Weltfamilientreffen in der spanischen Hafenstadt Valencia, an dessen Abschlussveranstaltung er am kommenden Wochenende teilnehmen wird. Der Papst verlieh unter anderem seiner Hoffnung Ausdruck, dass diese Begegnung dazu dienen möge, die Familie als "Gemeinschaft des Lebens und der Liebe" zu stärken und in ihr den "Geist der Frömmigkeit" zu erneuern.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Nächsten Samstag und Sonntag findet in der spanischen Stadt Valencia das fünfte Weltfamilientreffen statt. Das erste Treffen wurde anlässlich des von den Vereinten Nationen ausgerufenen Internationalen Jahres der Familie im Jahr 1994 in Rom abgehalten. Zu dieser Gelegenheit verfasste der geliebte Johannes Paul II. eine lange, leidenschaftliche Betrachtung zur Familie, die er in Form eines Briefes an die Familien der ganzen Welt richtete. Auf dieses große Familientreffen folgten weitere: in Rio de Janeiro im Jahr 1997; in Rom im Jahr 2000, zum Jubiläum der Familien; in Manila im Jahr 2004, wo er sich jedoch nicht persönlich hinbegeben konnte, sondern eine Fernsehbotschaft übersandte. Es ist wichtig, dass auch die Familien von heute jener denkwürdige Appell erreicht, den Johannes Paul II. vor 25 Jahren im Apostolischen Schreiben Familiaris Consortio machte: "Familie, werde, was du bist!" (vgl. 17).

Thema des Treffens in Valencia ist die Weitergabe des Glaubens in der Familie. An dieser Aufgabe ist das Motto meines Apostolischen Besuchs in jener Stadt inspiriert: "Familie, lebe aus dem Glauben und gib ihn weiter!" In vielen der verweltlichten Gemeinden von heute besteht die erste Dringlichkeit für die Christgläubigen gerade in der Erneuerung des Glaubens der Erwachsenen: damit diese imstande sind, diesen Glauben den neuen Generationen mitzuteilen. Andererseits kann der Weg der christlichen Initiation der Kinder zu einer nützlichen Gelegenheit für die Eltern werden, um sich der Kirche wieder anzunähern und die Schönheit und die Wahrheit des Evangeliums immer tiefer wahrzunehmen. Kurz: Die Familie ist ein lebendiger Organismus, in dem sich ein gegenseitiger Austausch von Gaben verwirklicht. Das Wichtige ist, dass dabei nie das Wort Gottes fehlt, das die Flamme des Glaubens am Leben erhält. Während des Taufritus entzündet der Vater oder der Pate mit einer äußerst bedeutsamen Geste eine Kerze an der großen Osterkerze, dem Symbol des auferstandenen Christus. Danach wendet sich der Zelebrant an die Angehörigen und sagt: "Ihnen wird dieses Licht anvertraut. Christus, das Licht der Welt, hat Ihr Kind erleuchtet. Es soll als Kind des Lichts leben." Die Bereitschaft der Eltern, das eigene Glaubenswissen zu vertiefen, muss dieser Geste, in dem der volle Sinn der Weitergabe des Glaubens in der Familie enthalten ist, vorangehen und sie begleiten, damit sie authentisch ist: Die Flamme muss mit dem Gebet sowie mit dem eifrigen Empfang des Bußsakraments und der Eucharistie belebt werden.

Bitten wir die Jungfrau Maria um ein gutes Gelingen des bevorstehenden Treffens in Valencia und für alle Familien der Welt, auf dass sie authentische Gemeinschaften der Liebe und des Lebens seien, in denen die Flamme des Glaubens von Generation zu Generation weitergegeben wird.

[Nach dem Angelus-Gebet ging der Heilige Vater auf die Situation in Israel/Palästina ein:]

Mit wachsender Sorge verfolge ich die Ereignisse im Irak und im Heiligen Land. Angesichts der blinden Gewalt einerseits, die Blutbäder anrichtet, sowie angesichts der drohenden Verschlimmerung der Krise andererseits, die seit einigen Tagen noch dramatischer geworden ist, braucht es jetzt Gerechtigkeit und einen ernsthaften, glaubwürdigen Einsatz für den Frieden, wovon leider nichts zu bemerken ist. Darum rufe ich alle dazu auf, sich im vertrauensvollen, beharrlichen Gebet zu vereinen: Der Herr möge die Herzen erleuchten, und keiner möge sich von der Verpflichtung drücken, ein friedliches Miteinander zu schaffen und anzuerkennen, dass jeder Mensch – ganz gleich, zu welchem Volk er gehört – ein Bruder ist.

[Anschließend kam er auf eine Begegnung von ranghohen Vertretern der Religionen in Moskau zu sprechen:]

Vom 3. bis zum 5. Juli wird in Moskau ein wichtiges Gipfeltreffen von Religionsführern stattfinden, das der Interreligiöse Rat Russlands organisiert. Auf Einladung des Patriarchen von Moskau wird die Katholische Kirche mit einer eigenen Delegation daran teilnehmen. Ich möchte Seiner Heiligkeit Alexej II. sowie allen Teilnehmern einen ganz herzlichen Gruß zukommen lassen. Die bedeutsame Versammlung so vieler Vertreter der Weltreligionen weist auf den gemeinsamen Wunsch hin, den Dialog zwischen den Zivilisationen zu fördern und die Suche nach einer gerechteren und friedlicheren Weltordnung zu intensivieren. Ich wünsche mir, dass man in einem Geist des gegenseitigen Respekts und des gegenseitigen Verständnisses dank der aufrichtigen Bemühung aller Bereiche wirksamer Zusammenarbeit finden kann, um auf die aktuellen Herausforderungen zu antworten. Für die Christen geht es darum, einander im Licht der Würde des Menschen und seiner ewigen Bestimmung immer besser kennen und schätzen zu lernen. Ich versichere, dass ich für die reichen Früchte der Arbeiten dieses Gipfels beten werde, und rufe auf alle den überreichen Segen des Himmels herab.

[Auf Deutsch sagte Benedikt XVI.]

Einen frohen Gruß richte ich an alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. Die Schriftlesungen des heutigen Sonntags handeln davon, daß Gott den Menschen zur Unsterblichkeit geschaffen hat. Leid und Tod haben nicht das letzte Wort über die Schöpfung. Dies wird deutlich am Wirken Jesu Christi. Er heilt Kranke und weckt Tote auf. Christus, der durch sein Leiden und Sterben den Tod überwunden hat, schenkt auch uns das neue Leben. Bleibt in Gemeinschaft mit dem Herrn; bei ihm haben wir das Leben in Fülle. Euch allen wünsche ich einen gesegneten Sonntag und eine gute Sommer und Ferienzeit!

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2006 – Libreria Editrice Vaticana]