Familien: Protagonisten der Neuevangelisierung Lateinamerikas

Monsignore Jean Laffitte stellt Richtlinien der Familienpastoral auf dem Subkontinent vor

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BOGOTA, 6. April 2011 (ZENIT.org).- „Mehr denn je muss die Familienpastoral in Lateinamerika auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene Strategien entwickeln, um mit Hilfe der Familien als Hauptakteure die kulturellen, politischen und sozialen Herausforderungen zu bewältigen", sagte der Vertreter des Heiligen Stuhls.

In seiner Rede legte auf einer Tagung der verantwortlichen Bischöfe der bischöflichen Kommission für Familie und Leben Lateinamerikas und der Karibik Monsignore Jean Laffitte, Sekretär des Päpstlichen Rates für die Familie, die Herausforderungen dar, denen diese grundlegende Institution der Gesellschaft in dieser Region entgegentreten müsse.

Protagonisten der Neuevangelisierung

Anknüpfend an das Thema der 5. Generalversammlung der Bischofskonferenz von Lateinamerika und der Karibik in Aparecida (Brasilien) im Mai 2007 und an das Apostolische Schreiben von Papst Benedikt XVI. zur Einrichtung des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung, bekräftigte der französische Bischof in seiner Rede am vergangenen Dienstag in Bogota (Kolumbien), dass die Kirche den Familien helfen müsse, Protagonisten der Neuevangelisierung zu werden.

Der Bischof verwies dabei auf die Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte, aus denen klar hervorgehe, dass die Familie „nicht nur als Objekt, sondern auch als Subjekt der Evangelisierung" betrachtet werden und die „Sorge um die Familie die Haupthandlungslinie der kirchlichen Evangelisierungsarbeit" darstellen müsse.

„Die Familie kann in ihrem eigenen Zuhause durch gegenseitige Gesten der Liebe, durch das Hören des Wortes Gottes und das Gebet, durch die Katechese und die gegenseitige Erbauung in der Familie evangelisieren", sagte Bischof Laffitte.

„Die Evangelisierung kann auch in ihrem eigenen Umfeld durch die Beziehung zu den Nachbarn, Verwandten, Freunden, Arbeitskollegen, Sport-, Freizeit- und Schulkameraden etc. stattfinden. Auch die regelmäßige Teilnahme an der Sonntagsmesse und die Mitarbeit in der Kinderkatechese, die Teilnahme an Familienfeiern, Bewegungen und Vereinigungen, der Kontakt zu Familien, die sich in Schwierigkeiten befinden, und die aktive Teilnahme an der Ehe- und Taufvorbereitung sind gute Gelegenheiten zur Evangelisierung."

Als weitere Bereiche der Evangelisierung nannte der Bischof die Zivilgesellschaft, die Erziehung neuer Mitbürger, sozialer Tugenden, die Unterstützung der Bedürftigen, das Engagement in christlich inspirierten bürgerlichen Vereinigungen für die Förderung der Rechte und eine familienfreundliche Kultur und Politik.

Gerechtigkeit und Nächstenliebe

Ebenso müssten Familien Vorreiter der Gerechtigkeit und Nächstenliebe in Lateinamerika sein. „Die ernste Lage des wirtschaftlichen Ungleichgewichts und der Armut in den meisten Teilen des amerikanischen Kontinents stellen einen Bereich dar, in dem die christlichen Familien einen klaren Beitrag zur Entwicklung eines Netzwerks des Volontariats und der Solidarität leisten können, um gemeinsam den verschiedenen Bedürfnissen entgegenzutreten, zum Beispiel der christlichen Erziehung der Kinder, dem solidarischen Konsum, der Unterbringung von Kindern aus schwierigen Familien, der Umwelterziehung, etc.", so Bischof Laffitte.

Der Sekretär des Päpstlichen Rates für die Familie betonte, dass die Förderung der Frauen in den Ländern Lateinamerikas und in der Karibik besonders dringlich sei. „Diese Arbeit muss sich sowohl den Herausforderungen der Unterbewertung, Ausgrenzung und Misshandlungen als auch dem Einfluss der Ideologie, vor allem dem radikalen Feminismus, stellen."

Gleichzeitig sei es heute notwendig, darzulegen, dass die Familien dank des Schutzes, der Förderung, Aufnahme, Integration und Antwort auf die Bedürfnisse ihrer Mitglieder die Entwicklung und den Frieden in der Gesellschaft begünstigten.

Aus diesen Gründen forderte der Bischof, daran zu arbeiten, dass die Identität der Familie von der politischen Gesetzgebung und den Gesetzen mit hohen ethischen Auswirkungen respektiert werden solle, da sonst schwere Ungerechtigkeiten gegen das Wohlergehen und den Auftrag der Familie entstehen könnten. Er bezog sich besonders auf „die rechtliche, wirtschaftliche und soziale Gleichstellung der Ehe mit privaten Formen des Zusammenlebens und der Vereinigungen von Personen des gleichen Geschlechts."


[Übersetzung des spanischen Originals von Susanne Czupy]