Familienbischof: Kirchliches Bild von Ehe und Familie ist up to date

In Kindern nimmt die Liebe der Eheleute neue Gestalt an

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LIMBURG, 7. Dezember 2011 (ZENIT.org). – In einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“ hat der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, deutscher Familienbischof, seine Bedenken gegenüber künstlicher Befruchtung und sogenannter Homo-Ehen geäußert und eine bessere Förderung von Familien gefordert, wobei er als Definition von Familie die Verbindung von Mann und Frau in einer Ehe, die offen ist für Nachkommenschaft, als Keimzelle der Gesellschaft betont. Kinderkrippen blieben immer zweite Wahl. Der Erziehungsauftrag der Eltern habe auch vor dem Grundgesetz unbedingte Priorität. Er betonte, es müsse, auch durch finanzielle Unterstützung, alles getan werden, die Eltern bei dieser Aufgabe zu unterstützen.

Dass die Kirche mit ihrem Familienbild absolut "up to date" sei, zeige sich darin, dass junge Menschen allen Umfragen zufolge eine intakte Familie nach wie vor in ihrer Lebensplanung als erstrebenswert erachteten und sie an die erste Stelle setzten. Viele Menschen verzichteten nur deshalb auf Nachkommenschaft, weil sie keine verlässlichen Partner gefunden hätten.

Der Bischof widersprach dem Familienbild als einem „Ort, wo Kinder sind“. Mit Ehe und Familie sei wesenhaft die Bereitschaft verbunden, Nachkommen das Leben zu schenken und sie auf dem Fundament lebenslanger Treue ins Leben zu begleiten. Zu dem unverwechselbaren katholischen Lebensentwurf von Ehe und Familie als „Kirche im Kleinen“ könne es keine Alternative geben, hob der Bischof hervor.

Für bedenklich hielt der Familienbischof die von der deutschen Familienministerin angestrebte weitere Förderung von künstlicher Befruchtung. Sie rücke die „Ökologie des Menschen“, wie Papst Benedikt XVI. es nenne, aus dem Blick. Spektakuläre Einzelfälle, die überdies mit erheblichen (bisher bagatellisierten) gesundheitlichen und psychischen Belastungen einhergingen, würden als Familienförderung angepriesen, anstatt den vielen Familien zu helfen, im Alltag Familie zu leben und ihre Kinder zu verantwortlichen und selbstständigen Menschen zu erziehen.

Der Bischof äußerte auch seine Sorge darüber, dass sich das Rechtsbewusstsein in der Gesellschaft offensichtlich gewandelt habe, wie die Diskussion um die Präimplantationsdiagnostik (PID) und die fehlende Nachbesserung des Abtreibungsparagraphen zeige. Es gebe keinen gesellschaftlichen Konsens mehr über den absoluten Wert des Lebens, sondern im Vordergrund stünden Einzelinteressen und Präferenzen.

Bezüglich der „Homo-Ehe“ betonte der Bischof, dass man nicht an der Schöpfungswirklichkeit vorbeigehen könne. Alle Menschen verdienten unseren Respekt, aber das Bild der Ehe dürfe nicht relativiert und verdunkelt werden. Die Kirche habe die Aufgabe, ihr „Alleinstellungsmerkmal“ zu stärken und in der Gesellschaft immer wieder in Erinnerung zu rufen, dass der Ehe von Mann und Frau eine unverwechselbare Priorität zukomme.

Tebartz-van Elst wies auch auf die Gemeinsamkeiten mit dem Islam in Fragen von Familie, Bewahrung der Schöpfung und dem Schutz des Lebens hin. Differenzen gebe es vor allem in Glaubensfragen. Werte und Haltungen aus dem Gottes- und Menschenbild des Evangeliums seien durch die christliche Prägung des europäischen Kontinents so sehr zum Allgemeingut des Denkens geworden, dass sie nicht mehr ausdrücklich als christlich identifiziert würden.

Rechtsprechung, Rechtsstaatlichkeit und Rechtsauffassung verdankten sich dem christlichen Menschenbild. Das deutsche Grundgesetz berufe sich ausdrücklich auf dieses Fundament und lasse sich nicht anders verstehen. [jb]