Familienbischof Tebartz-van Elst in Rom: Glaubensweitergabe fängt in der Familie an

Mann und Frau verkörpern als Eheleute den Bund Gottes mit dem Menschen in ihrer Beziehung zueinander

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Von Jan Bentz

VATIKANSTADT, 8.Oktober 2012 (ZENIT.org). – Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, Vorsitzender der Kommission Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz, hält sich anlässlich Bischofssynode für die Neuevangelisierung und die Weitergabe des Glaubens in Rom auf. Am Eröffnungstag der Synode wurde die hl. Hildegard von Bingen zur Kirchenlehrerin erhoben. ZENIT sprach mit ihm im Campo Santo Teutonico nach der Proklamation und der Eucharistiefeier mit Papst Benedikt XVI. auf dem Petersplatz über die hl. Hildegard, seine Erwartungen für die kommenden drei Synodenwochen und Aspekte der Neuevangelisierung in Deutschland.

ZENIT: Was bedeuten der heutige Tag und die Erhebung der hl. Hildegard zur Kirchenlehrerin für Sie persönlich und für die Kirche in Deutschland?

Tebartz-van Elst: Der heutige Tag ist außerordentlich bewegend. Die Worte des Heiligen Vaters haben auch noch einmal auf wunderbare Weise vermittelt, was die Bedeutung der hl. Hildegard ausmacht. Ich habe einmal ein Wort von ihr gelesen: „Gott wurde Mensch, damit der Mensch Heimat in Gott finde." Das bringt eigentlich zum Ausdruck, was auch der Papst in seiner Ansprache entfaltet hat, nämlich, dass der Mensch, der tief mit Gott verbunden lebt, auch einen Blick für seinen Nächsten bekommt, für die Nöte des anderen und einen Blick, der den anderen versteht. Auf dieser Grundlage lassen sich auch die Sakramentalität der Kirche und die Sakramentalität der Ehe verstehen und hier wird ebenfalls deutlich, worauf sich die Wachsamkeit für die Not des Nächsten gründet. Hildegard, eine Person, die andere geheilt hat, konnte das nur, weil sie auf Gott geschaut hat. Dadurch wurde ihr der Blick für die anderen geschenkt. Das ist auch gerade durch die hl. Messe heute deutlich geworden: Da, wo wir Eucharistie feiern, da schauen wir Gott und er öffnet uns die Augen für den Nächsten.

ZENIT: Sie nehmen an der Synode für die Neuevangelisierung und die Weitergabe des Glaubens teil. Welche Rolle spielt die Familie bei der Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation? 

Tebartz-van Elst: Ehe und Familie sind der Lebensentwurf, wie uns schon die Heilige Schrift vermittelt, der den Bund zwischen Mensch und Gott symbolisiert. Dies hat Papst Benedikt in seiner heutigen Predigt nochmals ausdrücklich hervorgehoben. Mann und Frau verkörpern diesen Bund Gottes mit dem Menschen in ihrer Beziehung zueinander. Daher entspringt auch die unbedingte Treue der Eheleute aus diesem Lebensentwurf. Diese Botschaft haben wir Christen in eine Gesellschaft zu tragen, die sicherlich bereits so pluriform ist, dass ein solcher Lebensentwurf kontrastierend ist. Aber wenn ich auf den Anfang der Kirche schaue, dann war damals ebenfalls die christlich gelebte Ehe, die Treue von Mann und Frau, die den Kindern das Leben schenken, ein großes Zeichen in die Gesellschaft hinein. Und so sehe ich auch einen kontrastierenden Lebensentwurf, in dem sich die Eheleute als Abbilder des Bundes Gottes zu den Menschen verstehen.

ZENIT: Was erwarten Sie von der Synode?

Tebartz-van Elst: Ich bin sehr froh darüber, dass es diesen Austausch geben wird. Es ist schön zu sehen, dass es missionarische Aufbrüche in der Kirche gibt. Ich glaube auch, dass aus diesem Aufbruch heraus, 50 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils, der Geist Gottes in seiner Kirche wirken wird. Hoffentlich wird uns eine Sensibilität dafür geschenkt, zu verstehen, wo der Geist Gottes wirklich am Werk ist. Dort muss dann das Wachstum nachhaltiger und wirksamer gefördert werden. Ich habe da die ganz konkrete Hoffnung, dass auch die Familie erneut als Ort der Evangelisierung in den Blickmittelpunkt rückt. Wir haben in Deutschland Aufbrüche im katechetisch-missionarischen Bereich, wenn es beispielsweise um die Begleitung erwachsener Taufbewerber geht; ich habe selbst vor Jahren daran mitgearbeitet, als ich noch in der Pastoraltheologie tätig war. Auch in diesem Feld sollte aus der Synode heraus noch einmal einen Anstoß erwachsen.