Familienfreundliches Medien-Management: Damit Fernseher und Co. den Platz bekommen, der ihnen gebührt

Interview mit Teresa Tomeo, Talkshow-Moderatorin in den USA

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DETROIT, 3. Juni 2008 (ZENIT.org).- Eine katholische Talkshow-Moderatorin ist der Ansicht, dass katholische Familien in den USA gerade erst zu verstehen beginnen, dass im Leben mehr steckt als das, was säkular geprägte Medien verheißen.



Teresa Tomeo ist Autorin des Buches „Noise: How Our Media-saturated Culture Dominates Lives and Dismantles Families“ („Lärm: Wie unsere von Medien übersättigte Kultur das Leben bestimmt und Familien auflöst“). Im vorliegenden ZENIT-Interview geht Tomeo auf die Inhalte ihres Werks ein und zeigt auf, wie Familien sich vor den Auswirkungen der immer mächtigeren Medienwelt schützen können.

ZENIT: In Ihrem Buch sprechen Sie davon, dass die Medien jene Kraft sind, die die amerikanische Kultur am stärksten beeinflusst. Was sind Ihrer Meinung nach die schädlichsten Auswirkungen der Medien auf den Menschen – moralisch und spirituell?

Tomeo: Ich denke, das große Thema ist die Desensibilisierung für die katholische Kultur und das „System des Glaubens“. Wie ein katholischer Autor kürzlich in meiner Show sagte, ist es heute so, dass die Kultur den Glauben formt und nicht umgekehrt. Geburtenkontrolle, Abtreibung, das Zusammenwohnen vor der Ehe, vorehelicher Sex – all das ist in unserer Gesellschaft zur „Norm“ geworden. Der Großteil der Botschaften kommt aus den Unterhaltungsmedien und den Nachrichtenmedien – mit der Begrüßung und der Anpreisung der oben genannten Dinge.

Mit der mangelhaften Katechese während der letzten 40 bis 50 Jahre und der sexuellen Revolution musste es zu einer Katastrophe kommen. Die gute Nachricht ist, dass die Kirche die richtigen Antworten hat und schon immer gehabt hat – in ihrer Lehre. Es gibt wirklich gute Bemühungen, unter anderem eine „Explosion“ an katholischen Medien, die einen großen Unterschied bewirken.

Viele Katholiken kommen jetzt wieder nach Hause und merken, dass ihnen die Kultur eine Auswahl an bestimmten Güter gezeigt hat, dass es im Leben aber viel mehr gibt.

ZENIT: Was würden Sie jemandem antworten, der Ihnen vorwerfen würde, dass sie maßlos übertreiben und dass die Medien, einschließlich des Internets und der Videospiele, eine ganz harmlose Form von Unterhaltung darstellen?

Tomeo: Ich würde sagen, dass sie sich etwas vormachen. Viele Menschen, die solche Aussagen machen, möchten keinen genaueren Blick auf ihren schlechten Medienkonsum werfen. Sie wollen nicht einsehen, dass sie zum Beispiel zu viel Zeit mit dem Internet verbringen, am Mobiltelefon oder vor dem Fernseher. Ich höre das auch sehr oft von Familien, weil ich durch die Staaten fahre und immer wieder über dieses Thema spreche. Häufig sind es die Eltern, die sich nicht die Zeit nehmen, um einmal das Verhalten ihrer Kinder zu beobachten.

Es erfordert viel Zeit und Anstrengung, um in der Familie ein kluges Medienverhalten zu entwickeln. Aber wir müssen alle unseren Beitrag leisten.

Um Ihnen ein Beispiel zu nennen und zu zeigen, was für eine medienbesessene Gesellschaft wir sind: Neun Tage nachdem der Heilige Vater die USA verlassen hat, ging das extrem brutale Videospiel „Grand Theft Auto Four; Liberty City“ zum Verkauf um die Welt. Die Menschen standen stundenlang in der Schlange, um ein Exemplar zu ergattern. Jetzt haben wir erfahren, dass dieses Videospiel Verkaufsrekorde gebrochen hat. Sechs Millionen Menschen haben dieses Spiel in der ersten Woche, in der es am Markt war, gekauft!

Papst Benedikt XVI. kam während seiner Reise in den USA und in seiner Ansprache an die Bischöfe mehrmals auf die Kultur zu sprechen. Er ging sogar soweit zu sagen, dass wir unsere Kinder nicht schützen können, wenn wir nicht gewillt sind, einen genauen Blick auf das große Bild zu werfen. Das betrifft den leichten Zugang zur Pornographie genauso wie zu Medienprodukten, die Gewalt verherrlichen.

Des Weiteren würde ich die zahlreichen Untersuchungen ansprechen, die von verschiedenen, nicht religiös geprägten Universitäten durchgeführt wurden und den Medieneinfluss über die Jahre hinweg untersucht haben.

ZENIT: Wie wirkt sich der starke Medienkonsum bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen aus?

Tomeo: Die amerikanische Akademie für Kinderheilkunde brachte vor neun Jahren Richtlinien heraus, in denen der TV-Konsum für Kinder unter zwei Jahren strengstens verboten wird. Die Wissenschaftler empfahlen für kleine Kinder einen Höchstkonsum von zwei Stunden täglich.

Medienexperten sagen, dass kleine Kinder sehr lange brauchen, um das zu verarbeiten, was sie im Fernsehen sehen, und auch, um es von der Wirklichkeit zu trennen. Es ist wichtig, dass sie nicht viel von den schnell überladenen Bildern sehen, von denen die Massenmedien voll sind.

ZENIT: In Ihrem Buch machen Sie einige Vorschläge, wie Eltern ihre Kinder und auch sich selbst vor den negativen Einflüssen der Medien schützen können. Könnten Sie uns manche davon sagen?

Tomeo: Regel Nummer 1 ist, den Fernseher und den Computer an eine zentrale Stelle in der Wohnung zu stellen, an dem das Konsumverhalten leicht kontrolliert werden kann. Kinder mit Internetzugang und Fernseher alleine in ihren Zimmern zu lassen, ist eine vorprogrammierte Katastrophe.

Eltern sollten ihren Kindern Richtlinien setzen und diesen auch selbst folgen. Außerdem sollten sie sicher gehen, dass zu den Mahlzeiten kein Medium konsumiert wird – kein TV, kein iPod und auch kein Mobiltelefon.

Eltern sollten zudem von den vielen Möglichkeiten Gebrauch machen, die es gibt. Sie könnten beispielsweise Internetfilter benutzen und auf Beurteilungen von Fernsehsendungen oder hilfreiche Medienaktivistengruppen zurückgreifen, etwa die (in den USA) bekannte Gruppe „Parents TV Council“. Auf ihrer Homepage finden sich zahlreiche Informationen für engagierte Eltern und jeden Bürger, der in seinem Wohnort und in seiner Kultur einen Unterschied machen möchte.

Ich würde auch die Botschaft von Papst Benedikt XVI. zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel empfehlen, wie auch die Botschaft von Papst Johannes Paul II. zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel des Jahres 2004. Es gibt eine ganze Fülle von Informationen und Leitlinien, die man in diesen Dokumenten finden kann, wie übrigens auch in den anderen Lehrschreiben der katholischen Kirche über Kommunikationsmittel.

ZENIT: Als ehemalige Fernsehmoderatorin sprechen Sie über Tendenzen, die in den etablierten Medien vorherrschen. Wie können wir uns als Leser, Hörer oder Zuschauer vor diesen Tendenzen schützen?

Tomeo: Wir müssen die Quelle beachten. Untersuchungen zeigen, dass mindestens 50 Prozent der Berufstätigen in der Medienbranche Atheisten oder Agnostiker sind und weniger als 12 Prozent ein kirchliches Angebot in Anspruch nehmen. Der Großteil gibt auch zu, dass sie die Legalisierung von Abtreibung befürworten und auch für andere Dinge eintreten, die sich direkt gegen die Lehre der Kirche richten.

Während die Medien objektiv und ausgewogen sein sollen, ist das oftmals nicht der Fall. Die Medien tendieren dazu zu predigen anstatt zu berichten, und wir werden gewissermaßen gezwungen, es zu glauben. Das ist nicht die Art der Kirche. Deswegen sage ich es noch einmal: Sehen Sie sich die Quelle an, und vergleichen Sie alles mit der Lehre der Kirche und ihren Schriften. Seien Sie sich bewusst, was die Kirche verkündet, anstatt nur bei dem stehen zu bleiben, was die Medien sagen, dass sie verkündet.

ZENIT: Viele Menschen fühlen sich kraftlos, wenn es darum geht, Änderungen im Fernsehprogramm zu erwirken. Gibt es Möglichkeiten, in denen auch jemand ganz alleine einen wirklichen Unterschied machen kann?

Tomeo: Auf jeden Fall! Medienschutz-Gruppen beizutreten, ist eine hervorragende Möglichkeit, um einen Unterschied zu bewirken. Die Organisation „Parents TV Council“ hat mittlerweile mehr als eine Million Mitglieder. Die Gruppe informiert nicht nur ihre Mitglieder über die aktuellen Themen, die die Medien betreffen, sondern sie ist auch mit Petitionen aktiv, gestaltet Aufklärungskampagnen und Kongresse, um das Medienbewusstsein zu stärken und Kinder und Familien zu schützen.

Briefe schreiben und E-Mails an die Sender zu schicken sowie Briefe an die verantwortlichen Redakteure zu schreiben ist auch eine sehr wirkungsvolle Methode. Der Wettbewerb der Medien um das Publikum wird immer stärker. Sie brauchen jeden Zuschauer, jeden Hörer und Leser. Deswegen zählt jede Stimme. Und genauso wie beim Abstimmen kann tatsächlich eine einzige Person einen Unterschied bewirken.

[Das Interview führte Carrie Gress; Übersetzung des englischen Originals durch Juliana Abado]