Familientreffen auf dem Petersplatz

Papst Franziskus empfängt Familien in Audienz

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 319 klicks

Am Samstagnachmittag trafen auf Initiative des Päpstlichen Rats für die Familie tausende Familien aus mehr als 70 Ländern auf dem Petersplatz zusammen, um im „Jahr des Glaubens“ zur Grabstätte des heiligen Petrus zu pilgern und um von Papst Franziskus in einer Audienz empfangen zu werden. Insgesamt waren es um die 100.000 Eltern, Kinder, Großeltern und andere Familienmitglieder, die zusammengekommen waren. Papst sagte in seinen Begrüßungsworten: „Dieser Platz umarmt euch: Wir sind ein einziges Volk mit einer einzigen Seele, vom Herrn, der uns liebt und unterstützt, zusammengerufen.“

Papst Franziskus, der Hand in Hand mit etwa zehn Kindern auf den Platz gekommen war, bezog sich in seinen Worten auf das Thema der Pilgerreise „Familie, lebe die Freude des Glaubens“. Der Pontifex zeigte, dass er die Schwierigkeiten der Familien von heute kennt. Das Leben sei häufig schwer und ermüdend; das schlimmste im Leben sei jedoch, wenn die Liebe fehle. Die Momente des Schweigens zwischen Ehemann und Ehefrau, zwischen Eltern und Kindern seien oft schwer zu ertragen. Papst Franziskus gedachte auch der älteren Menschen, die alleine sind und der Familien, die keine Hilfe bekommen, wenn sie besondere Zuwendungen brauchen. Er sagte, der Herr kenne die Anstrengungen aller, aber er wisse auch von unserem tiefen Wunsch, Freude in der Ruhe zu finden.

„Jesus hat gesagt: Eure Freude sei groß. Jesus möchte, dass unsere Freude groß ist! Er hat dies zu den Aposteln gesagt, und er wiederholt es für uns heute. Das ist die erste Sache, die ich heute mit euch teilen möchte, und es ist ein Wort Jesu: Kommt zu mir, Familien aus allen Teilen der Erde – sagt Jesus –, und ich gebe euch Ruhe, bis eure Freude groß sein wird. Nehmt diese Worte Jesu mit nach Hause, tragt sie im Herzen, teilt sie in der Familie. Er lädt uns ein, zu ihm zu gehen, um uns, um euch, die Freude zu geben.“

In diesem Zusammenhang sprach der Papst das Ehegelübde an, in dem man sich verspreche, immer treu zu sein, „in der Freude und im Schmerz“. Die Ehe sei ein gemeinsames Nebeneinander-Hergehen, Hand in Hand, im Vertrauen an der großen Hand des Herrn.

„Hand in Hand, immer und für das ganze Leben! Und nicht auf diese provisorische Kultur achten, die das Leben zerstört! Mit diesem Vertrauen in die Treue Gottes kann man alles schaffen, ohne Angst, mit Verantwortung.“

Papst Franziskus erklärte, die christlichen Hochzeitspaare seien nicht naiv, sie würden die Probleme und Gefahren des Lebens kennen, aber sie hätten keine Angst, Verantwortung zu übernehmen, vor Gott und der Gesellschaft. Ohne wegzulaufen, ohne sich zu isolieren, ohne auf die Mission zu verzichten, eine Familie zu gründen. Sie würden im Sakrament heiraten, weil sie wüssten, dass sie es bräuchten. Aus diesem Grund sei es wichtig, gemeinsam zu beten.

„Und während der Eheschließung beten sie gemeinsam mit der Gemeinde. Warum? Warum macht man das? Nein! Sie machen es, weil sie es brauchen, für die lange Reise, die sie gemeinsam unternehmen müssen, die das ganze Leben andauert! Und sie brauchen die Hilfe Jesu, um gemeinsam vertrauensvoll den Weg zu gehen, um sich jeden Tag gegenseitig zu empfangen und sich jeden Tag zu verzeihen! Und das ist wichtig! Sich in der Familie verzeihen zu können.“

Im Anschluss fasste er in drei Worten zusammen, was eine Familie weiterbringe: Erlaubnis, Dank und Entschuldigung.

„Hört auf meinen Rat: Beendet niemals einen Tag, ohne Frieden geschlossen zu haben. Den Frieden schließt man jeden Tag von neuem in einer Familie! Sich um Entschuldigung bitten: entschuldige, und man fängt wieder von vorne an. Erlaubnis, Dank, Entschuldigung! Sagen wir es gemeinsam? Erlaubnis, Danke, Entschuldigung! Erfüllen wir diese Worte in der Familie! Sich jeden Tag vergeben!“

Es gebe viele schöne Momente in einer Familie, angefangen bei einem gemeinsamen Mittagessen, der Ausflug in den Park oder aufs Land, der Besuch bei den Großeltern. Wenn jedoch die Liebe fehle, fehle das Fest. Die Liebe gebe immer Jesus, eine unerschöpfliche Quelle. In der Eucharistie gebe er sein Wort und das Brot des Lebens, damit die Freude groß sei.

Abschließend verweilte Papst Franziskus vor der Ikone, die Jesus im Tempel zeigt und wo sich die drei Generationen treffen: Simon und Anna symbolisierten den „Glauben als Erinnerung“. Der Pontifex lud dazu ein, auf die Großeltern zu hören, die die Weisheit des Volkes repräsentierten. Maria und Joseph bildeten durch die Anwesenheit Jesu die heilige Familie.

Anschließend sagte Papst Franziskus: „Die ‚gute Nachricht‘, die von der Familie ausgeht, ist ein wichtiger Teil der Evangelisierung, die die Christen allen mitteilen können, mit dem Zeugnis des Lebens; und das machen sie bereits, das wird in der säkularisierten Gesellschaft bereits deutlich: Die wirklich christlichen Familien erkennt man am Glauben, an der Geduld, der Öffnung zum Leben, am Respekt für die Älteren… Das Geheimnis von all dem ist die Anwesenheit Jesu in der Familie. Wir schlagen deshalb mit Respekt und Mut die Schönheit der vom Evangelium erleuchteten Ehe und der Familie vor! Aus diesem Grund wenden wir uns mit Aufmerksamkeit und Zuneigung den Familien in Schwierigkeiten zu, denen, die gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen, die getrennt sind, die kein Haus und keine Arbeit haben oder aus vielen anderen Gründen leiden; den Eheleuten in der Krise und den bereits getrennten. Allen wollen wir mit der Verkündung des Evangeliums der Familie zur Seite stehen, der Schönheit der Familie.“

Während der Begegnung konnte den Familien in Syrien über eine SMS geholfen werden, eine Aktion der Caritas in Zusammenarbeit mit dem Päpstlichen Rat für die Familie. Das Treffen wurde von vielen Musikbeiträgen begleitet.