Fast eine Milliarde Hungernde sind eine Schande für die Menschheit

Welthunger-Index 2008 vorgestellt

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BERLIN, 15. Oktober 2008 (ZENIT.org).- „Die Welt braucht ein Rettungspaket gegen den Welthunger“, mit dieser Forderung richtete sich die deutsche Welthungerhilfe angesichts der jüngsten Veröffentlichung des „Welthunger-Index 2008“ an die Öffentlichkeit. Nach Weltregionen gruppiert, steht Afrika südlich der Sahara am schlechtesten da, gefolgt von Südasien. Insgesamt ist die Zahl der Hungernden weltweit von 848 auf 923 Millionen Menschen gestiegen.

In 33 Ländern weltweit herrscht eine sehr ernste bis gravierende Hungersituation. Diese Länder bilden die Schlusslichter im Welthunger-Index 2008 (WHI 08), den das Forschungsinstitut für Ernährungspolitik (IFPRI) aus Washington und die Welthungerhilfe anlässlich des morgigen Welternährungstages in Berlin vorgestellt haben.

Die Demokratische Republik Kongo, Eritrea, Burundi, Niger und Sierra Leone schneiden dabei am schlechtesten von insgesamt 88 Ländern in dem Ranking ab. Dort ist die Situation teils sehr gravierend.

Erstmals zeigt der WHI auch eine langfristige Entwicklung durch den Vergleich der aktuellen Werte mit denen von 1990. Das Ergebnis, eine Mischung aus Fortschritt und Rückschritt in verschiedenen Ländern, ergebe auf globaler Ebene Stagnation, erläutert Joachim von Braun, Direktor des IFPRI: "Der Welthunger-Index verdeutlicht, dass es durchaus Fortschritt in der Hungerbekämpfung gibt, aber leider nicht auf breiter Front. Damit können wir uns nicht abfinden."

Ingeborg Schäuble, Vorstandsvorsitzende der Welthungerhilfe: "Fast eine Milliarde Hungernde sind eine Schande für die Menschheit. Im Gegensatz zu den Banken sind sie nicht selbst schuld an ihrer Misere. Das allgemeine Umdenken über die Rolle des Staates und der internationalen Gemeinschaft, das durch die Finanzkrise eingesetzt hat, muss sich auch auf die Hungerkrise erstrecken. Die Welt braucht ein Rettungspaket gegen den Welthunger, deshalb fordern wir eine Erhöhung der Mittel für die Entwicklung der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern von jährlich mindestens zehn Milliarden Euro sowie die Schaffung fairer Handelsbedingungen."

Die deutsche Bundesregierung bringe mit jährlich etwa zwölf Milliarden Euro für Entwicklungshilfe lediglich ein Vierzigstel der Summe auf, die jetzt in die Rettung des deutschen Finanzsystems fließen soll. Die 700 Milliarden Dollar, mit denen die US-Regierung die heimischen Banken unterstützen will, entsprächen dem Betrag, den alle 22 Industrienationen zusammen in den vergangenen zehn Jahren an staatlicher Entwicklungshilfe geleistet hätten.

Joachim von Braun zur aktuellen Finanzkrise: "Die Finanzkrise trägt zum Absinken der Agrarpreise bei. Dies bedeutet eine kurzfristige Erleichterung für die Armen. Aber dadurch wird Kapital für Agrarinvestitionen und für Ernährungsprogramme jetzt noch knapper. Das droht die nachhaltige Überwindung der Welternährungskrise zu verhindern."

Der Welthunger-Index basiert auf drei gleichwertigen Indikatoren. Als erstes dient der Anteil der Unterernährten in der Bevölkerung in Prozent als Indikator für den Bevölkerungsanteil mit unzureichender Nahrungsenergiezufuhr.

Zweitens steht der Anteil der Kinder unter fünf Jahren mit Untergewicht als Indikator für den Anteil der Kinder, die an Gewichtsverlust und bzw. oder zu geringem Wachstum leiden.

Drittens wird die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren als Indikator für das teilweise fatale Zusammenwirken von mangelnder Nährstoffversorgung und schlechten gesundheitlichen Umfeld gesehen.