Fasten heißt Neues beginnen lassen

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ROM, 7. April 2009 (ZENIT.org).- Eine „Erneuerung des Herzens“ wünscht sich Papst Benedikt XVI. in dieser Karwoche von jedem Gläubigen. Am Palmsonntag erklärte er, dass uns das „Zeichen der Hoffnung“ zu diesem Schritt veranlasse: das Kreuz, das uns die grenzenlose Liebe Jesu Christi offenbart; eine Liebe, „die alles auf sich nimmt“.

Der Erzbischof von Berlin, Georg Kardinal Sterzinsky, hat in einer seiner letzten Radioansprachen, ebenfalls darauf hingewiesen, dass der Sinn der Fastenzeit in einer Erneuerung bestehe, darin, Neues beginnen zu lassen.

„Beim Fasten geht es nicht darum, auf alles zu verzichten, was Freude macht. Es geht darum, sich neu zu orientieren an dem Bild, das Gott entworfen hat“, so Kardinal Sterzinsky, der das Fasten als einen „Einspruch gegen festgefahrenes, inhaltsleeres Leben“ bezeichnete.

„Natürlich kann man es sich leicht machen und die unglückliche Kindheit oder die Gegebenheiten verantwortlich machen für das Bild, das man abgibt. Damit macht man es sich aber auch schwer. Denn das Leben würde lebenswerter, würde ich Neues zulassen im Denken und im Handeln.“

Was mit dem Rat des Apostels Paulus an die Römer: „Wandelt Euch und erneuert Euer Denken“ gemeint ist, erläuterte der Kardinal anhand einer Episode aus dem Leben des berühmten Wiener Malers Gustav Klimt (1862-1918):

„Der Wiener Künstler Gustav Klimt erhielt von einer Baronin den Auftrag, ein Porträt von ihr zu malen. Der Künstler sagte zu, wollte aber nicht nur eine Momentaufnahme von ihr zeichnen. Er bat seine Kundin, an ihrem Leben teilnehmen zu dürfen, um sie darzustellen, wie sie tief in ihrem Inneren ist. Äußerlich betrachtet war die Baronin keine Schönheit. Ein hartes Leben hatte sie gezeichnet; sie war verbittert und wirkte depressiv. Gustav Klimt malte also ein Porträt von ihr.

Das Ergebnis überraschte: Es war ihrer Erscheinung nämlich überhaupt nicht ähnlich. Das Bild zeigte eine wunderschöne Frau, kraftvoll, optimistisch, dem Leben zugewandt. Die Baronin kaufte das Porträt und hängte es in ihr Wohnzimmer.

Jahre später besuchte der Künstler sie und sah das Wunder: Die Baronin hatte sich in eine Frau voller Kraft und Lebensfreude verwandelt, in die Frau, die das Bild zeigte. Der Maler hatte einen Entwurf von ihr gezeichnet, er hatte sie so gesehen, wie sie sein könnte und auch wollte. Das hatte die Baronin wohl intuitiv verstanden, und sie hat begonnen, diesem Entwurf immer ähnlicher zu werden. Sie hat Neues in sich beginnen lassen.“

Innerer Wandel sei möglich, wenn man neues Denken zulasse, folgerte Kardinal Sterzinsky. „Es ermöglicht mir, zumindest Mitgestalter meines Lebens zu werden, um so dem Bild, das sich Gott von mir gemacht hat, ähnlicher zu werden.“

Die allgemeine „Erneuerung des Herzens“, zu der Papst Benedikt XVI. am Palmsonntag aufrief, ist keine private Selbstverwirklichung. Es geht vielmehr darum, den Mitmenschen so zu begegnen, wie es ihrer Würde als Kinder Gottes entspricht. Es geht um eine Erneuerung des Herzens, die uns, wie der Heilige Vater betonte, zu „wahrhafte Zeugen“ der Güte Jesu und seines Heils werden lässt.

Von Dominik Hartig