Fastenexerzitien im Vatikan: Christus ist unser Bruder

Die Herrlichkeit Christi besteht in seiner Liebe bis zum Ende

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ROM, 11. Februar 2008 (ZENIT.org).- Im Vatikan haben am Sonntagnachmittag mit der Feier der Vesper die Fastenexerzitien begonnen, die in diesem Jahr von Kardinal Albert Vanhoye geleitet werden. Die Meditationen des Exerzitienmeisters stehen unter dem Thema: „Wir empfangen Christus, unseren Hohenpriester“. Das Thema ist am Brief des Apostels Paulus an die Hebräer inspiriert.



Die Einkehrtage des Papstes und seiner Kurienmitarbeiter dauern bis zum Samstagvormittag. Jeden Morgen um 9:00 Uhr beten die Teilnehmer die Laudes und um 10.15 Uhr die Terz. Abends um 17.45 Uhr wird die Vesper gebetet, worauf die Eucharistische Anbetung anschließt. Kardinal Vanhoye SJ predigt jeden Tag drei Mal. Der Ort der gemeinsamen Versammlungen ist die Kapelle Remeptoris Mater im Apostolischen Palast.

Die Themen der ersten beiden Meditationen lauten: „Gott hat zu uns in seinem Sohn gesprochen“, und „Christus ist der Sohn Gottes und unser Bruder“.

In der Eingangspredigt am Sonntagabend hatte Kardinal Vanhoye erläutert, dass der Gott der Bibel kein stummer Gott sei, sondern zu den Menschen spreche, um in Gemeinschaft mit ihnen einzutreten. Unser Gott wolle persönliche Beziehungen mit uns unterhalten und vertiefen. Dies komme in besonderer Weise im Dornbusch-Ereignis des Mose zum Ausdruck.

Der Kardinal hob hervor, wie Gott sich selbst definiert: Er definiere sich weder aus seiner Allmacht noch aus seiner Allwissenheit heraus, sondern durch persönliche Beziehungen mit einigen Menschen, die nicht besonders „wichtig“ gewesen seien: Abraham, Isaak und Jakob.

Gott hätte viele Gründe gehabt, um nicht mehr mit seinem Volk zu sprechen, das ihm untreu geworden war; er aber suche die Begegnung. Auch Jesus, der mit der Samariterin spricht, vollbringe angesichts der Feindschaft zwischen Juden und Samaritern einen außergewöhnliche Tat. Er tue dies, da dies der Wille Gottes sei: der Wille der Kommunikation.

Paulus spreche von zwei verschiedenen Zeitabschnitten in der Kommunikation des Wortes Gottes und von zwei Vermittlern. Zunächst habe Gott durch die Propheten gesprochen, während er in der eschatologischen Zeit durch seinen Sohn eingreife, dem vollkommenen Vermittler.

Am Montagvormittag konzentrierte sich Kardinal Verhoye in der ersten Betrachtung auf die beiden Aspekte des Namens Christi, die im Hebräerbrief vorgelegt werden: Jesus ist Sohn Gottes, aber auch unser Bruder.

In Jesus besäßen wir „mehr als einen Anwalt“, nämlich „einen Bruder, der bei Gott für uns eintritt; einen Bruder, der versprochen hat, uns nach seiner Verherrlichung den Namen des Vater zu verkünden und der ihn jetzt verkündet; einen Bruder, der uns in seiner Herrlichkeit nicht vergisst, da seine Herrlichkeit die Frucht seiner Solidarität mit uns ist“. Der Sohn definiere sich durch seine Beziehung mit dem Vater. Somit stehe er über den Engeln.

Verhoye wandte sich dann der entscheidenden Heilsetappe zu, dem Ostergeheimnis: „Die Herrlichkeit Christi ist nicht die Herrlichkeit eines ehrgeizigen Menschen, der mit seinen Unternehmungen zufrieden ist. Sie ist nicht die Herrlichkeit eines Kriegers, der seinen Feind mit Waffengewalt unterworfen hat. Sie ist die Herrlichkeit der Liebe; die Herrlichkeit dessen, der bis zum Ende geliebt, die Gemeinschaft zwischen uns Sündern und dem Vater wiederhergestellt hat.“

Christus sei nun beim Vater, Herr des Himmels und der Erde. Der verherrlichte Christus habe die Macht, der alten Schöpfung ein Ende zu setzen, da er durch seine Auferstehung eine neue Schöpfung begonnen habe.