Fastenhirtenbrief 2005 des St. Pöltner Diözesanbischofs Klaus Küng

Schon ein kurzer Besuch beim Tabernakel "öffnet die Augen des Herzens"

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ROM, 10. Februar 2005 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen den Fastenhirtenbrief 2005 von DDr. Klaus Küng, Bischof von Sankt Pölten. Mit konkreten, einfachen Ratschlägen zeigt er, wie man in diesem Jahr der Eucharistie die Liebe zum Herrn, der im Altarsakrament gegenwärtig ist, erneuern kann. Dabei erinnert er an die Bedeutung der Eucharistiefeier als der "wichtigsten Schule des christlichen Lebens", als "Quelle des Trostes und der Kraft" und als "Nahrung und Ansporn".



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Liebe Mitchristen!

Der Beginn der Fastenzeit ist mir ein willkommener Anlass, um mich mit einem kurzen Hirtenwort an Euch zu wenden. In den vergangenen Monaten habe ich viele positive Eindrücke in unserer Diözese gewonnen und wahrgenommen, dass viele Menschen in unserem Land um ein echtes Christsein ehrlich bemüht sind. Es gibt aber auch einige Anliegen: die Einheit in der Diözese, die Wiedereröffnung des Priesterseminars, die Entwicklung und Verwirklichung eines Pastoralplanes. Wir müssen Wege finden, um jene anzusprechen, die derzeit dem kirchlichen Leben fern bleiben. Es ist notwendig, den jungen Paaren beizustehen, damit sie eine christliche Familie begründen; wir brauchen geistliche Berufe, vor allem Priester; auch manche Ordensgemeinschaften sind in Not. Was können wir tun?

Der Heilige Vater hat beginnend mit dem vergangenen Oktober ein Jahr der Eucharistie ausgerufen. Diese Initiative ist gerade auch für unsere Situation sehr hilfreich. Wenn wir sie aufgreifen und dem Aufruf des Papstes Folge leisten, wird uns bewusst: Der Erfolg unserer Bemühungen hängt nicht bloß von unseren eigenen Kräften ab, denn Christus, der uns durch sein Leiden und Sterben am Kreuz erlöst hat, der auferstanden ist und lebt, ist durch die Kirche unter uns zugegen.

Am ersten Fastensonntag werden uns von der Liturgie die Versuchungen, die Jesus in der Wüste erlitten hat, zur Betrachtung vorgelegt. Er hat unser Leben gelebt, die Schwierigkeiten unseres Daseins erlitten und treu zum Willen seines Vaters alle Prüfungen siegreich bestanden. Wenn wir uns mit ihm verbinden, tut sich auch für uns ein Weg auf, um trotz unserer Schwachheit siegreich zu sein.

Daher möchte ich Euch bitten: Schaffen wir für unser Verlangen nach Erneuerung des christlichen Lebens in unserer Diözese, in unserer Gemeinde, in unseren Familien, bei uns selbst eine solide Grundlage: Sie entsteht durch die Vereinigung mit dem durch die Kirche unter uns gegenwärtigen, lebendigen Christus.

Setzen wir einen ersten Schritt zu einem Neuanfang durch die vermehrte persönliche und gemeinsame Hinwendung zu ihm, der in der Eucharistie in besonderer Weise – wirklich, wahrhaft, wesenhaft – gegenwärtig ist. Dies kann in vielen Formen geschehen: z.B. durch Pflege der eucharistischen Anbetung. Es wäre schön, wenn in möglichst allen Pfarren wöchentlich dazu Gelegenheit gegeben und jetzt durch sorgfältige Gestaltung und nachhaltige Einladung eine erneute Anstrengung unternommen wird, um zu erreichen, dass viele teilnehmen. Eine andere Möglichkeit ist die besonders liebevolle Vorbereitung und Feier jener Feste, die zur Eucharistie einen besonderen Bezug haben wie der Gründonnerstag oder Fronleichnam. Eine gute Art, das Jahr der Eucharistie persönlich bewusst zu leben, kann auch einfach darin bestehen, dass man sich bemüht, einerseits den Sonntag als Tag des Herrn ohne Abstriche hochzuhalten und auch sonst während der Woche wenigstens manchmal (oder vielleicht sogar täglich) die Heilige Messe mitzufeiern. Sehr hilfreich ist auch die Gewohnheit, dem in der Eucharistie gegenwärtigen Herrn möglichst täglich in einer nahe gelegenen Kirchen aufzusuchen und eine Weile vor dem Tabernakel betend innezuhalten. Dies öffnet die Augen des Herzens.

Dabei ist es notwendig zu bedenken, was die Entwicklung einer echten, innerlichen Beziehung zur Eucharistie voraussetzt: Die Liebe zu Stille und Sammlung im Glauben an die Nähe des Herrn, die Haltung des Hörens und des Offenseins für Gottes Wort, die innere Hinwendung im Sinne der Anbetung, was die Bereitschaft zur Umkehr voraussetzt. Dass im Herzen dessen, der Christi Gegenwart in der Eucharistie entdeckt, Dank im Herzen aufbricht, ist eine fast logische Folge des eucharistischen Glaubens.

Die heilige Eucharistie wachen Herzens feiern bzw. mitfeiern, prägt und verändert ein Leben. Wer seine Erfahrungen damit gemacht hat, weiß freilich, dass wir immer Lernende sind und Lernende bleiben: Bedeutungsvoll sind die Vorbereitung auf die Teilnahme an der Heiligen Messe und auf den Empfang der heiligen Kommunion sowie die innere Einstellung, die erforderlich ist und zum aktiven Mitvollzug befähigt: Es geht darum, dass wir sein Kommen ersehnen, auf ihn warten uns innerlich bereit machen, seine Botschaft und ihn selbst aufnehmen. Wir müssen uns die Haltung aneignen, unsere Gaben, unsere Wünsche, Bitten, Vorhaben und jene der anderen auf den Altar zu legen mit dem Wunsch, dass diese unsere Gaben gemeinsam mit den Gaben der Kirche von Brot und Wein in Christus verwandelt werden. Wir müssen lernen, ihn zu begrüßen und zu verehren, wenn sich das Geheimnis der Wandlung vollzieht, er zu uns kommt und bei uns bleibt. Wir können ihn aufnehmen, uns mit ihm vereinen, seinen Segen empfangen.

Die Eucharistiefeier ist die wichtigste Schule des christlichen Lebens, eine Quelle des Trostes und der Kraft, sie ist Nahrung und Ansporn. Sehr empfehlenswert wäre es, in den Pfarren, Gemeinschaften, Klöstern Katechesen abzuhalten, damit das große Geheimnis des Glaubens besser erfasst und als festes Fundament erkannt wird, welches die Einheit unter den Gläubigen, Priestern und Laien herbeiführt.

Schließlich möchte ich es nicht verabsäumen, daran zu erinnern, dass die Kirche die Osterbeichte empfiehlt. Es genügt nicht, dass wir den Wunsch haben, die heilige Kommunion regelmäßig zu empfangen; es muss unser Wunsch sein, sie – so weit uns dies möglich ist – würdig zu empfangen. So wünsche ich allen eine gesegnete Fastenzeit und ein fruchtbares Jahr der Eucharistie.

[Deutsches, von der Pressestelle der Diözese Sankt Pölten veröffentlichtes Original]