Fastenzeit 2013: Was bedeutet das Leiden Christi für mich persönlich?

Buchtipp: Via Dolorosa: Der Kreuzweg Christi

Rom, (ZENIT.org) | 1412 klicks

Reich bebilderte Betrachtungen des Kreuzwegs finden sich in „Via Dolorosa – Der Kreuzweg Christi“, das der Dominus-Verlag herausgebracht hat. Es heißt darin:

„In der vierzigtägigen Fastenzeit lädt uns die Kirche in besonderer Weise zur Betrachtung des Leidens Christi ein. Dabei geht es nicht darum, sich einfach nur daran zu erinnern, was vor 2000 Jahren mit Jesus geschehen ist, sondern zu erkennen, dass er all das für mich persönlich getan hat. Jeden einzelnen Menschen – auch mich– hatte er vor Augen, als er verurteilt, gegeißelt und gekreuzigt wurde. Auf jeder Station seines Kreuzwegs will er mich ansprechen und mir zeigen, wie sehr er mich liebt. 

Als Jesus vor dem römischen Statthalter steht, sagt er mir: ‚Ich richte den, der die Liebe verurteilt. Doch mein Gericht ist anders als das des Pilatus, denn ich selbst stelle mich an den Platz des Schuldigen. Ich beuge mich dem ungerechten Urteil des römischen Statthalters, damit Du freigesprochen wirst. Ahnst Du, wie sehr ich Dich liebe?‘

Als er das Kreuz auf seine Schultern nimmt, denkt er an die Last meines Lebens: ‚Ich trage nicht Holz auf meinen Schultern, das für das Feuer bestimmt ist. Ich trage die Welt. Ich trage, wie ein Lasttier, die Menschen und jeden einzelnen. Ich trage Dich. Jede Sünde, jede böse Tat, ist ein Hieb in meine Flanken; ist eine Wunde, die schmerzt und die mich doch nur dazu drängt weiterzugehen. Meine Liebe trägt Dich. Nichts ist mir zu schwer, weil ich Dich liebe. Ich bitte Dich, geh diesen Weg mit mir. Hilf mir, die Welt zu tragen. Ich weiß, dass Du Angst hast vor dem Kreuz und glaubst, von seiner Last erdrückt zu werden. Aber nichts wird Dir zu schwer, weil ich Dich liebe.‘

Ja, wie Simon von Cyrene bittet er mich, ihm zu helfen, das Kreuz zu tragen: ‚Würdest Du mein Kreuz tragen, wärst Du nicht dazu gezwungen worden? Wärest Du mir je so nahe, wenn nicht rohe Gewalt Dich unter das gleiche Joch gespannt hätte. Glaub mir, ich will Dich nicht leiden sehen und doch machst Du so meine Last leichter. Du bist unter meinem Kreuz gefesselt. Du kannst es nicht abschütteln, so sehr Du Dich auch dagegen aufbäumst. Ich bitte Dich, lass es geschehen, denn ich brauche Deine Hilfe und ich sehne mich nach Deiner Liebe. Merkst Du nicht, dass Du mir so nahe bist wie nie zuvor?‘

Festgenagelt ans Holz des Kreuzes blickt er mich an, als ob ich der einzige Mensch auf Erden wäre, und er für mich allein den Tod erlitte: ‚Ich könnte mich von meinem Kreuz befreien und herabsteigen. Nein, diese Nägel können mich nicht festhalten – aber Du. Es geschieht für Dich. Bis zum letzten Moment wird mein Blick auf Dir ruhen, und weil ich Dich sehe, kann ich all das ertragen. Wenn all das Leiden, all die Wunden und Schmerzen, all die Bitterkeit und Scham, der Preis ist, den ich für Dich zahlen muss – so bist Du es ohne Zweifel wert. Bitte, reiß Dich nicht los! Lass meine Wunden die Deinen sein, so wie die Deinen schon längst die meinen sind.‘

Jesus leidet, weil er uns zu Liebenden machen will. Er ruft uns zur Kreuzesnachfolge auf, weil er unsere Freundschaft sucht. Das Gebet des Kreuzwegs ist nicht einfach eine Andachtsübung, die vielleicht manch ‚fromme Seele‘ zu Tränen rühren mag, so als ob man von Ferne – aus sicherer Distanz – das Leiden Jesu und der anderen betrachten könnte. Nein, es ist eine Einladung mitzugehen. Es geht darum, Jesus ganz persönlich zu mir sprechen lassen, um dann die Via Dolorosa meines eigenen Lebens zu ersteigen. Mit ihm verwandelt sich die schmerzensreiche Strasse in eine ‚Via Amorosa‘ , an deren Ende ich erkenne, dass kein Leid, auch wenn es nur mit einem Funken Liebe angenommen wird, sinnlos ist. Es geht nicht darum, im Leben ‚heil davonzukommen‘, sondern ‚das Heil zu finden.‘

Das Beten des Kreuzwegs lehrt uns, an die Liebe zu glauben, selbst wenn alles dunkel erscheint. Auch wenn wir immer wieder fallen, gibt der Blick auf ihn die Kraft, wieder aufzustehen und weiterzugehen, weil er uns sagt – immer wieder: ‚Schau auf mich. Niemals kannst Du tiefer stürzen als ich.‘ So wird der Kreuzweg zum Lebensweg, der nicht in der Nacht des Karfreitags, sondern im Licht des Ostersonntags endet.“

Für das Gebet in der Gemeinde ist im gleichen Verlag ein stark gekürzter und für das gemeinsame Beten adaptierter Text „Den Kreuzweg beten“ erschienen. Beide Bücher sind zum Preis von 10,90 Euro bzw. 1,50 Euro im Buchhandel oder direkt beim Verlag (Bestellung) erhältlich. Eine italienische Ausgabe des Buches gleichen Titels liegt beim Verlag Cantagalli, Siena vor: Via Dolorosa – Meditazioni sulla Via Crucis, Preis 7,00 Euro.

Buchtipp:

Via Dolorosa – Der Kreuzweg Christi
Dr. Florian Kolfhaus, Peter C. Düren
80 Seiten, Dominus Verlag
10,90 €