Fastenzeit im Vatikan: Aschermittwoch, Stationsgottesdienste und Exerzitien

Keine Generalaudienzen diese und kommende Woche

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ROM, 25. Februar 2009 (ZENIT.org).- Heute, am Aschermittwoch, wird Papst Benedikt XVI. mit dem feierlichen Stationsgottesdienst in Santa Sabina auf dem Aventin die Fastenzeit einläuten. Aus diesem Grund fiel ausnahmsweise die Generalaudienz des Heiligen Vaters aus, die normalerweise (außer während der Ferien und der Zeiten von Exerzitien) am Mittwochvormittag stattfindet. Der Papst ermutigt die Gläubigen in seiner kürzlich vorgestellten Botschaft für die Fastenzeit, den Wert des Fastens neu zu entdecken.



Nach einem kurzen Gebet in der Abteikirche von Sant'Anselmo wird der Bischof von Rom am Nachmittag des Aschermittwochs in Begleitung der Benediktinermönche der Abtei, der Dominikaner von Santa Sabina sowie der Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe in einer Bußprozession in die Basilika von Santa Sabina ziehen, wo er die heilige Messe feiern und den Gläubigen das Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen wird.

Wenn Christen Wache halten

Die Tradition der „Stationsmessen" in der Fastenzeit und der Osteroktav geht auf die frühe Zeit des Christentums in Rom zurück. Die Christen der Hauptstadt des Imperiums versammelten sich in bestimmten Gotteshäusern zum Gebet und zu einer feierlichen Prozession, bei der die Allerheiligenlitanei gesungen wurde. Diese Art Zusammenkünfte hieß „statio", und die Kirchen, in denen sie stattfanden, wurden „Stationskirchen" genannt. Nach einer Erläuterung des Historikers Paolo Salvucci kommt das Wort „statio" aus der römischen Soldatensprache und bedeutet soviel wie „Wache" oder „Wachtposten".

„Wie der Wachdienst im Heer an einen festen Ort gebunden war und strengste Zucht und gewissenhafte Pflichterfüllung erforderte, so waren die Stationsgottesdienste eine Art Wachdienst der Kirche, bei dem die Christen - eingedenk ihrer obersten Pflicht, dem Herrn mit unbedingter Hingabe zu dienen - alle weltlichen Beschäftigungen und Sorgen zurückstellten, um sich ganz der Betrachtung der göttlichen Geheimnisse zu widmen", so Salvucci.

Die Stationsfeiern galten als „äußerer Ausdruck der Einheit der ganzen stadtrömischen Gemeinde mit ihrem Bischof, nachdem durch die Mehrzahl der kirchlichen Gebäude und der gottesdienstlichen Versammlungen in diesen, unter der Leitung der in den ‚tituli' (Titelkirchen) residierenden Presbyter, eine gewisse Teilung der Gemeinde in lokale Gruppen eingetreten war" (J. P. Kirsch, „Die Stationskirchen des Missale Romanum", Freiburg im Breisgau 1926).

Fasten-Exerzitien des Papstes und der Römischen Kurie
Die traditionellen Fasten-Exerzitien für den Papst und die Römische Kurie, die wie üblich am ersten Fastensonntag beginnen, werden in diesem Jahr vom nigerianischen Kardinal Francis Arinze geleitet werden. Der emeritierte Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung wird im Oktober auf Wunsch Benedikts XVI. als delegierter Präsident an den Arbeiten der Sonderversammlung der Bischofssynode für Afrika teilnehmen.

Der Ablauf der Exerzitien, die diesmal im Zeichen des Leitworts stehen: „Der Priester begegnet Jesus und folgt ihm nach", sieht folgendermaßen aus: Auf die Vesper in der Kapelle „Redemptoris Mater" im Apostolischen Palast (Beginn 18.00 Uhr) werden am kommenden Sonntag, dem 1. März, die erste Betrachtung, die Anbetung und der Eucharistische Segen folgen. Von Montag bis Freitag sind dann jeweils zwei Betrachtungen am Vormittag und eine Betrachtung am Nachmittag vorgesehen.

Täglich werden der Heilige Vater und seine Mitarbeiter um 9.00 Uhr die Laudes beten und die erste Betrachtung hören. Die Feier der „Hora Tertia" und die zweite Betrachtung beginnen um 10.15 Uhr. Nach der dritten Betrachtung (Beginn 17.00 Uhr) wird die Vesper gefeiert. Die Eucharistische Anbetung und der Eucharistische Segen bilden den Abschluss der Exerzitientage, die am Samstag, dem 7. März, zu Ende gehen werden.

Für die Zeit der geistlichen Übungen, in der der persönliche Umgang mit Gott in besonderer Weise im Vordergrund steht, sind keine Audienzen des Papstes vorgesehen.