Federico Lombardi SJ: Wir haben einen Papst, der dienen möchte

Leiter des Pressesaals des Heiligen Stuhls bewegt von der Wahl eines Jesuiten-Mitbruders

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 1218 klicks

Zum Auftakt des 30 Minuten nach der Wahl des neuen Papstes Franziskus beendeten Pressebriefings sprach Pater Federico Lombardi folgenden Worte: „Ich bin sprachlos. Ich stehe noch unter Schock und erlebe mit der Kirche diesen Moment der Freude.“

Unter dem Applaus der Journalisten bezeichnete sich der Sprecher des Vatikans als „bewegt“ über die Tatsache, dass der neugewählte Papst aus Lateinamerika stammt. Lombardi erinnerte in diesem Zusammenhang an die hohen Erwartungen, die es im Vorfeld von Seiten der Katholiken Lateinamerikas gegeben habe. Diese Entscheidung des Kardinalskollegiums sei eine „schöne Antwort“ auf diese Haltung gewesen.

Vor allem über die Wahl des Namens zeigte sich der Leiter des vatikanischen Pressesaals überrascht. Lombardi bezeichnete den Namen als „mutig, bemerkenswert, Einfachheit und das Zeugnis des Evangeliums verkörpernd.“

Der Rückgriff auf den armen Franz von Assisi deute auf einen klaren „Stil der Geistlichkeit“ hin. Diesem seien Demut, einfaches Hirtentum Eigen. Pater Lombardi zufolge sei dies erkennbar geworden, als der neugewählte Papst um den Segen des Volkes über ihn gebeten und diesen kniend empfangen habe, bevor er selbst den Segen erteilte.

Der vatikanische Pressesprecher führte aus: „Aufgrund dieser Eigenschaft fügt sich Papst Bergoglio in den Geist Benedikts XVI. ein, der dem Volk stets seine Dankbarkeit erwiesen hat“. Der Heilige Vater habe im Rahmen seiner Begrüßung der Tausenden von Gläubigen auf dem Petersplatz seinem Vorgänger einen Gedanken gewidmet, ihn seines Gebetes versichert und „die tiefe spirituelle Einheit“ mit dem emeritierten Papst bekundet.

Wie Pater Lombardi mitteilte, habe Francesco aus diesem Grund den Wunsch geäußert, sofort mit Papst Benedikt in Kontakt zu treten. Er präzisierte: „Der neue Papst hat ein Telefongespräch mit Benedikt XVI. geführt und wird sich um ein Zusammentreffen in den nächsten Tagen bemühen“.

Eine weitere Eigenschaft des neuen Papstes stieß auf großes Interesse von Seiten der Presse: Ebenso wie Pater Lombardi gehört der Papst der Gesellschaft Jesu an. Von mehreren Journalisten wurde der Vatikansprecher gefragt, ob er persönlich mit dem Heiligen Vater bekannt sei und welche Empfindungen das Wahlergebnis in ihm „als Jesuiten“ ausgelöst habe.

Der Leiter des Pressesaals gab an, Borgoglio nicht persönlich zu kennen, ihm aber während der Versammlungen der Gesellschaft Jesu und jener im Vorfeld des Konklaves begegnet zu sein.

Er habe sich Borgoglio nicht mit einem weißen Gewand vorgestellt, erklärte Lombardi mit einem aufrichtigen Lächeln, das tiefe Ergriffenheit angesichts der Wahl eines Mitbruders durchscheinen ließ. Vor den Journalisten bekannte er sich dazu, überrascht vom „Mut der Kardinäle“ zu sein, „den Ozean zu überqueren und den Horizont zu erweitern, indem zum ersten Mal ein Kandidat von einem anderen Kontinenten zum Papst bestimmt wird.“

Pater Lombardi hob insbesondere den „Geist der Jesuiten“ hervor, der eine Besonderheit des Pontifikates von Papst Franziskus darstellen werde. Dabei handle es sich um den „Geist des Dienens“ nach dem Beispiel des hl. Ignatius, der seine Nachfolger zu Dienern „mit einem geschulten Auge für dieBedürfnisse der Weltkirche der Gegenwart“ herangebildet habe.

Lombardi wies auf das Bemühen der Jesuiten hin, nicht unter autoritären Bedingungen, sondern unter Bedingungen des Dienens Diener der Kirche zu sein. Aus diesem Grund versuchten sie meist, eine Ernennung zum Bischof oder Kardinal zu vermeiden. Umso erstaunlicher sei die Tatsache, dass einer von ihnen nun sogar zum Papst bestimmt wurde.

Dem Vatikansprecher zufolge sei dies jedoch ein Zeichen dafür, dass der neue Papst unabhängig von seinen Erwartungen den Ruf vernommen habe, sich dieser Pflicht der Weltkirche gegenüber anzunehmen. Dem Aufruf an Borgoglio liege kein Machtstreben zugrunde, und er sei laut hörbar gewesen. Er halte all jenen eine radikale Antwort entgegen, die die in den vergangenen Tagen absolvierten Wahlgänge des Konklaves  als unaufhörlichen Machtkampf dargestellt hätten.