Fehl- und totgeborene Kinder und ihre Familien

Eine Ausstellung des Erzbistums Bamberg und des Caritasverbandes für das Erzbistum Bamberg

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 317 klicks

Erzbistum Bamberg mit einer Ausstellung einem äußerst sensiblen und in unserer Gesellschaft häufig tabuisierten Thema: „Wenn Leben und Tod zusammenfallen. Fehl- und totgeborene Kinder und ihre Familien“.

Für die Ausstellung wurde bewusst kein musealer Raum gewählt, sondern die halb-öffentliche Atmosphäre des Bistumshauses St. Otto in Bamberg. In drei Themenbereichen wird das schwierige Thema der Fehl- und Totgeburt behandelt: „Gottesnähe erhoffen“, „Abschied gestalten“ und „Mit der Trauer weiterleben“.

Begleitet wird die Ausstellung, die noch bis zum 23. November zu besichtigen ist, von Themenwochen mit Vorträgen und Beiträgen. Ziel der Initiatoren ist ein offenerer Umgang mit Thema Fehl- und Totgeburt. „Der Tod zerstört Hoffnungen und Träume, er provoziert Schuldgefühle und Vorwürfe, er verursacht das Gefühl einer großen Leere, und er macht sprachlos“, so Wolfgang Eichler, Referent für Ehe- und Familienpastoral im Erzbistum Bamberg.

Die betroffenen Familien sind mit ihrer Trauer oft allein und stoßen bei ihrer Umgebung auf Unverständnis. Für Außenstehende ist es meist nicht nachvollziehbar, dass Eltern so tiefe Trauer für ein Kind empfinden können, das sie  — so die häufige Ansicht — nicht einmal kennenlernen konnten. Übersehen wird nämlich, dass Eltern bereits vor der Geburt eine enge Beziehung zu ihrem Kind aufbauen. Die Mutter spürt, wie ihr Kind sich im Mutterleib bewegt; erste Bewegungen des Kindes können auch von außen durch Berührung wahrgenommen werden. Wenn ein Paar ein Kind erwartet, sind damit viele Wünsche, Erwartungen und Träume verbunden: dDie Eltern möchten ihr Kind zur Welt bringen, es erziehen, ihm alle Liebe und Fürsorge angedeihen lassen, es wachsen sehen, es vom Säuglingsalter bis in das Erwachsenenalter bei allen wichtigen Ereignissen begleiten, aber nicht das eigene Kind verlieren, bevor es geboren wird oder diese Welt betritt.

Viele Menschen fühlen sich ohnmächtig angesichts dieser Ausnahmesituation und wissen nicht, wie sie mit der eigenen Trauer noch mit der des Partners umgehen sollen. Barbara Borschert, Referentin für Familienhilfe beim Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg, erklärt: „Dieses Schicksal löst bei Frauen, Paaren, Familien oft akute Krisensituationen aus. In diesen Zeiten brauchen sie Halt und Unterstützung. Die Betroffenen sind oft gelähmt durch den Verlust, müssen aber gleichzeitig funktionieren und wesentliche Entscheidungen treffen, beispielsweise ob das Kind obduziert wird oder Vorbereitungen für die Bestattung treffen.“

Krankenhausseelsorgerin Loni Meyer weiß von ähnlichen Erfahrungen zu berichten: „Da ist nur noch Schmerz, Hilflosigkeit, Traurigkeit, Fassungslosigkeit und auch Wut. Sie sind einem Chaos von Gefühlen ausgesetzt. Eltern sprechen von einem Albtraum, den sie da erleben. … Wenn ich zu Eltern komme, höre ich zu allererst hin. Nicht alles kann in Worte gefasst werden, oft herrscht Sprachlosigkeit. Über das, was geschehen ist, zu reden, ist ein erster Schritt, das Schreckliche zu realisieren. Manchmal wünschen Eltern die Segnung ihres toten Kindes. Sie wollen ihr Kind bewusst in Gottes Hände legen. Das gibt ihnen Halt und Trost.“

Caritasdirektor Gerhard Öhlein betont: „Deshalb wollen wir als Caritasverband betroffenen Familien Hilfsmöglichkeiten aufzeigen, indem wir sie in ihrer Trauerarbeit begleiten, Selbstheilungskräfte ankurbeln und damit zur Schmerzlinderung beitragen.“ Neben dem Caritasverband bieten zum Beispiel auch die Katholischen Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen eine Anlaufstelle für die Betroffenen an und können mit weiterführenden Angeboten weiterhelfen.

Erzbischof Ludwig Schick erklärt: „Jeder Mensch, auch der ungeborene, ist ein Geschöpf Gottes.“ Den Eltern stelle sich angesichts eines solch schrecklichen Schicksalsschlages verständlicherweise die Frage nach dem Warum. „Gott ist da in der Not; er drückt sich nicht“, betonte Erzbischof Schick. Den Glauben anzunehmen, könne den Eltern bei der Bewältigung ihres Schmerzes helfen.

Weitere Informationen zur Ausstellung und dem Begleitprogramm können diesem Link entnommen werden.