Fehlinformation, Diffamierung und Verleumdung: drei Arten, den Bruder umzubringen

Im Rahmen der hl. Messe im päpstlichen Gästehaus warnte Papst Franziskus am Samstag vor dem Geschwätz und vor der Einmischung in das Leben der anderen

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Salvatore Cernuzio | 861 klicks

„Wieviel Geschwätz gibt es in der Kirche!”. Bei der hl. Messe am vergangenen Samstag (18. Mai) warnte Papst Franziskus vor einer weit verbreiteten menschlichen Schwäche, die die Harmonie in den christlichen Gemeinden gefährden würde: der Tratsch und die penetrante Einmischung in das Leben Anderer.

Der Heilige Vater "hält mit seinen Gedanken nicht hinter dem Berg”, würde man umgangssprachlich sagen. Seine täglichen Appelle scheinen großes Gehör zu finden. Zu den Teilnehmern an der am Samstagvormittag gefeierten Messe zählten einige Studenten der Päpstlichen Lateranunversität in Begleitung des Rektors, Msgr. Enrico Dal Covolo, sowie Roberto Fontolan und Emilia Guarnieri von der Bewegung „Comunione e Liberazione“ (Gemeinschaft und Befreiung), die Initiatoren der Bewegung des Neokatechumenalen Wegs, Kiko Argüello, Carmen Hernández, und Pater Mario Pezzi. Die Vertreter der beiden Bewegungen hatten eine persönliche Einladung des Heiligen Vaters erhalten.

Wie in der Predigt vom Vortag bildete ein Dialog zwischen Jesus und Petrus den Ausgangspunkt der Betrachtung von Papst Franziskus. Konkret verweilte der Papst bei folgender Frage: „Was geht dich das an?”. Mit dieser Frage hatte sich Christus an den Apostel gewandt, nachdem dieser sich in das Leben des Jüngers Johannes eingemischt hatte. Der Papst wies in diesem Zusammenhang auf den zwischen dem Herrn und Petrus stets aufrechten „Dialog der Liebe” hin, der bei diesem Anlass jedoch aufgrund der Versuchung des Jüngers, „seine Nase in fremde Angelegenheiten zu stecken “, auf eine andere Bahn abgeglitten sei.

Dies werfe Licht auf eine böse und leider sehr häufige Haltung von uns Christen. Papst Bergoglio nannte zwei Formen der Einmischung in das Leben anderer Menschen. Die erste sei „der Vergleich mit den anderen”. Dieser münde in die Bitterkeit und ebenso in den Neid, der wiederum „die christlichen Gemeinschaften zerfresse”, ihnen „großen Schaden” zufüge und dem Teufel, der „gerade dieses Ziel verfolgt”, „zufrieden stelle”. Die zweite Form sei das Geschwätz, das von „sehr erzogenen Modalitäten” bis zur „Enthäutung des Nächsten” führe.

„Wie viel schwätzen wir Christen doch!”, so der Ausruf von Papst Franziskus. Er führte aus: „Das Geschwätz kommt einer Enthäutung gleich. Wir fügen uns gegenseitig Schmerz zu, als wollen wir den anderen klein machen. Anstatt selbst zu wachsen, mache ich den anderen kleiner als mich, damit ich mich größer fühlen kann. Das geht nicht!”.

Das große Problem bestehe dem Papst zufolge darin, dass das Geschwätz schön zu sein scheine. Franziskus erläuterte diesen Gedanken folgendermaßen: „Ich weiß nicht, warum, aber es scheint schön zu sein, wie Honigbonbons, nicht wahr? Man nimmt sich eines und denkt: ‚oh, wie köstlich!’; es folgt ein zweites, ein drittes und das geht so lange weiter, bis man Bauchschmerzen davon bekommt’ Auch das Geschwätz ist süß am Anfang, doch dann zerstört es die Seele!”.

Dem fügte der Papst hinzu: „Das Geschwätz in der Kirche ist destruktiv. Es entspricht ein wenig dem Geist des Kain: Man läuft Gefahr, den Bruder mit der Zunge umzubringen. Doch das ist nicht alles: auf diese Weise werden wir zu Christen mit guten Manieren und schlechten Gewohnheiten!”

Gleichsam in einem Versuch, dieses Übel der Kirche zu beseitigen, drang Papst Franziskus bis zur Wurzel vor und erläuterte beleuchtete die Erscheinungsformen des Geschwätzes. Seinen Worten zufolge zeige sich dieses im Allgemeinen auf dreierlei Weise: Zunächst „betreiben wir Fehlinformation und sagen nur die Hälfte, die uns passt, und verschweigen die andere, weil es für uns unbequem ist“. In zweiter Linie bestehe das Geschwätz in der Diffamierung. Dazu der Heilige Vater: „Wenn eine Person tatsächlich eine Schwachstelle besitzt und einen schweren Fehler begangen hat, und das dann erzählt wird, indem jemand praktisch ‚als Journalist fungiert’, ist der Ruf dieser Person ruiniert”. Die dritte Form sei Papst Bergoglio zufolge die Verleumdung: „die Äußerung von Unwahrheit. Das bedeutet im wahrsten Sinn des Wortes, den Bruder umzubringen!”

Fehlinformation, Diffamierung und Verleumdung sind somit drei Waffen, mit denen wir unseren Nächsten umbringen. Der Papst bezeichnete sie als Sünde: „Damit wird Jesus von seinen eigenen Kindern ein Schlag versetzt.”

Somit wird die Frage Jesu an Petrus zu einer Mahnung für uns alle. „Was geht dich das an? Du folge mir nach!“. Laut dem Papst weist der Herr uns so den Weg: „Dieses Wort Jesu ist schön, es ist so klar, so liebevoll mit uns. Es ist, als o ber sage ‚Bildet euch ja nicht ein, dass das Heil im Vergleich mit den anderen liegt, oder im Geschwätz. Das Heil liegt darin, mir nachzufolgen”.

Abschließend wandte sich der Heilige Vater mit der Bitte um die Gnade zur Nachfolge Jesu an den Herrn. Konkret erbat der Papst „die Gnade, sich nie in das Leben der Anderen einzumischen, niemals zu Christen mit guten Manieren und schlechten Gewohnheiten zu werden, Jesus nachzufolgen, hinter Jesus zu gehen, auf seiner Straße. Und das genügt!“.