Feierliche Eröffnung des Priesterjahers im Petersdom

Benedikt XVI.: „Lasst euch von Christus vereinnahmen!"

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ROM, 20. Juni 2009 (ZENIT.org).- Mit einer feierlichen Vesper eröffnete Papst Benedikt XVI. am Abend des gestrigen Hochfests des Heiligsten Herzens Jesu das von ihm ausgerufene Priesterjahr. Der äußere Anlass für dieses besondere Jahr des Gebetes für die Priester ist der 150. Todestag des heiligen Pfarrers von Ars Jean-Marie Vianney (1786-1859).

Vor der Vesper hatte sich Papst Benedikt zum Gebet in die Kapelle des Chores von St. Peter zurückgezogen, in der als Reliquie des heiligen Pfarrers von Ars dessen Herz verehrt werden kann. Dieses war in feierlicher Prozession nach einem Einführungswort der Sekretärs der Kongregation für den Klerus, Erzbischof Mauro Piacenza, in die Kapelle gebracht worden. Die Prozession war vom Erzpriester der Basilika, Kardinal Angelo Comastri, vom Kardinalpräfekten der Kongregation für den Klerus, Claudio Hummes, und dem Bischof von Ars, Guy Begnard, angeführt worden. Auch der neue Patriarch der katholischen Kirche der Syrer von Antiochien, Ignace Youssef III. Younan, nahm am Gottesdienst teil.

Nach der Vesper fand die eucharistische Anbetung vor dem ausgesetzten Altarsakrament statt. Die Gläubigen auf dem Petersplatz setzten das Gebet für das Gelingen des Priesterjahres mit einer Gebetsvigil fort.

Die Kirche benötige heilige Priester, bekräftigte Benedikt XVI. in seiner Predigt zum Vespergottesdienst. Sie benötige Diener, die den Gläubigen Wege eröffneten, um die barmherzige Liebe Gottes zu erfahren. Der Papst rief die Priester dazu auf, sich voll von Christus vereinnahmen zu lassen. Eindringlich ging der Heilige Vater auch auf das Leid ein, das untreue Diener der Kirche durch ihre Sünden zufügten. Dieses Leid sei besonders schmerzhaft, wenn sie anstatt Hirten „Diebe der Schafe" seien.

Benedikt XVI. stellte seine Predigt in den Rahmen des Hochfestes des Heiligsten Herzens Jesu, Weltgebetstag für die Heiligung der Priester, und verwies auf Gott, dessen Herz vor Mitleid auflodere und dessen Geheimnis darin bestehe, dass er Liebe sei und diese Liebe über die Menschheit ausgieße.

Gott „ergibt sich nicht angesichts der Undankbarkeit, ja nicht einmal angesichts der Ablehnung des Volkes, das er sich erwählt hat - im Gegenteil! Mit unendlicher Barmherzigkeit sendet er seinen eingeborenen Sohn in die Welt, damit dieser das Los der zerstörten Liebe auf sich nehme, die Macht des Bösen und des Todes besiege und so für die Menschen, die durch die Sünde zu Knechten gemacht worden sind, die Würde von Kindern zurückerstatten könne."

Im Herzen Jesu komme der Kern des Christentums zum Ausdruck, so Papst Benedikt. „In Christus ist uns die ganze revolutionäre Neuheit des Evangeliums offenbart und geschenkt worden: die Liebe, die rettet und uns schon in der Ewigkeit Gottes leben lässt."

Die Einladung Jesu gelte allen Getauften, in ganz besonderer Weise aber den Priestern, da nach einem Wort des heiligen Pfarrers von Ars „das Priestertum die Liebe des Herzens Jesu" sei. Die Sendung des Priesters sei eine Sendung, „die für die Kirche und die Welt unverzichtbar ist"; eine Sendung, „die vollkommene Treue zu Christus und unablässige Einheit mit ihm verlangt".

Mit Worten aus seinem jüngsten Brief zum Priesterjahr ermutigte der Heilige Vater die Priester: „Nach dem Beispiel des heiligen Pfarrers von Ars lasst euch von ihm vereinnahmen, dann seid in der Welt von heute auch ihr Boten der Hoffnung, der Versöhnung und des Friedens!" Die Vereinnahmung durch Christus sei auch das Ziel des ganzen Lebens des heiligen Paulus gewesen, dessen besonderes Gedenkjahr sich nun seinem Abschluss nähere, und auch die Lehre des Pfarrers von Ars, fuhr Benedikt XVI. fort.

„Um Diener im Dienst des Evangeliums zu sein, ist das Studium verbunden mit einer sorgfältigen und immerwährenden pastoralen Ausbildung gewiss nützlich und notwendig. Noch notwendiger aber ist jene ‚Wissenschaft der Liebe', die man nur im ‚Herz-an-Herz-Sein' mit Christus erlernt. Er nämlich ist es, der uns ruft, um das Brot seiner Liebe zu brechen, um die Sünden nachzulassen und die Herde in seinem Namen zu führen. Gerade deshalb dürfen wir uns nie vom Quell der Liebe entfernen, der sein am Kreuz durchbohrtes Herz ist."

Die Aufgabe der Priester bestehe darin, den Plan Gottes in der Geschichte zu verwirklichen. An diesen besonderen Einsatz würde der Priester durch seine Gelöbnisse erinnert.

„Sogar unsere Mängel, unsere Grenzen und Schwächen müssen uns zum Herzen Jesu zurückführen. Wenn es nämlich wahr ist, dass die Sünder ihn betrachtend von ihm den notwendigen ‚Sündenschmerz' lernen müssen, der sie zum Vater zurückführt, so gilt dies noch mehr für die Amtsdiener."

Angesichts der Gefahr, dass die Sünde die Hirten zu Schafsdieben machen könne oder dass diese die ihnen anvertraute Herde durch private Lehrmeinungen vom Weg abbringen könnten, sprach der Papst die Mahnung zur Umkehr aus. Die Priester müssten an das Herz Jesu die Bitte richten, dass „er uns vor der schrecklichen Gefahr bewahre, jenen Schaden zuzufügen, die zu retten unsere Pflicht ist".

Abschließend betonte der Heilige Vater, dass die Kirche heilige Priester benötige - „Diener, die den Gläubigen helfen, die barmherzige Liebe des Herrn zu erfahren, und deren überzeugte Zeugen sie sind... Die heilige Jungfrau, unsere Mutter, begleite uns im Priesterjahr, das wir heute beginnen, auf dass wir feste und erleuchtete Führer für die Gläubigen sein können, die der Herr unserer pastoralen Sorge anvertraut."