Festnahmen während des Papstbesuchs

Bürgerrechtler eingeschüchtert

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ROM, 28. März 2012 (ZENIT.org). - Während des Papstbesuches habe die kubanische Polizei mit einer neuen Verhaftungswelle versucht, Bürgerrechtler und Dissidenten zum Schweigen zu bringen, wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet. Die Zahl der bis Dienstagabend bekannt gewordenen Festnahmen sei auf 177 gestiegen.

Kubanische Bürgerrechtler hätten sich von der angeblich mangelnden Anteilnahme der katholischen Kirche enttäuscht gezeigt. In einer öffentlichen Erklärung habe der katholische Bürgerrechtler und ehemalige politische Gefangene Oswaldo Payá beklagt, dass die katholische Kirche die Verhaftungen von Dissidenten, die den Papst „nicht einmal von weitem" sehen durften, nicht ausreichend thematisiere und verurteile.

Die IGFM wies außerdem darauf hin, dass die kubanischen Behörden versuchten, ähnliche Meinungsäußerungen zu unterdrücken. Neben den Massenverhaftungen seien zahlreiche Telefonverbindungen gekappt worden. Andere Bürgerrechtler hätten Droh-SMS erhalten mit der Ankündigung, sie würden nach der Abreise des Papstes „verschwinden".

Am 26. März habe der Papst Benedikt XVI. zwar öffentlich in der Wallfahrtskirche El Cobre in der Provinz Santiago de Cuba für „jene, die ihrer Freiheit beraubt wurden" gebetet und sich auch öffentlich für einen Wandel auf Kuba ausgesprochen. Die Antwort auf die politische Andeutung des Papstes habe nicht lange auf sich warten lassen: „Es wird auf Kuba keine politische Reform geben", habe Vizepräsident Mariano Murillo mit Nachdruck gegenüber der Presse erklärt.

Vatikansprecher Federico Lombardi habe betont, die zahlreichen Petitionen für die Freilassung politischer Gefangener seien während des 40-minütigen Zusammentreffens von Papst Benedikt und Raúl Castro „präsent gewesen", Namen oder Details seien aber keine genannt worden. Der Wunsch der Bürgerrechtsorganisation „Damen in Weiß" nach einer Audienz könne „aus zeitlichen Gründen" leider nicht erfüllt werden.