Festspiele im Zeichen der Spiritualität

Musik und Dialog bei den Salzburger Festspielen

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von Anita Bourdin

ROM, 23. Juli 2012 (ZENIT.org).- Die bekannten Salzburger Festspiele in Österreich haben am Freitag, dem 20. Juli, mit einer Konferenz über Religion und Kultur eröffnet. Bei der Eröffnung waren auch Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien, und der amerikanische Rabbiner Arthur Schneier, Präsident der „Appeal of Conscience Foundation“, anwesend.

Schneier, 1930 in Wien geboren und Überlebender des Holocausts, ist Oberrabbiner der „Park East Synagogue“ in New York und empfing in dieser Funktion im April 2008 Papst Benedikt XVI. bei seiner Reise durch die USA.

„Die Festspiele müssen ein Werkzeug des Friedens und der Toleranz sein“, erklärte der Rabbiner, der von einer weltweiten Rückkehr zum Glauben sprach, die selbst in China zu spüren sei.

„Wenn Religion marginalisiert wird, leidet das Volk“, sagte Schneier weiter. „Gott muss einen Platz in der Gesellschaft haben“. Sowohl Schneier als auch Schönborn haben einen Aufruf für Religionsfreiheit und Fortsetzung des interreligiösen Dialogs gemacht. Die Erklärung „Nostra Aetate“ des Zweiten Vatikanischen Konzils markiere den Beginn eines epochemachenden Umbruchs, erklärte Kardinal Schönborn in seiner Rede an der Salzburger Universität. „Das Christentum braucht eine tiefere Betrachtung seiner Wurzeln im Judentum.“

Schönborn sprach auch über die Beziehung zwischen christlichem Glauben und Laientum. Auch wenn der christliche Glaube in Europa weitgehend marginalisiert sei, sei er für die Zukunft des Kontinents lebenswichtig, so der Kardinal. Schönborn glaubt, Europa sehne sich nach „authentischem Christentum.“

Um den spirituellen Charakter der ersten Woche der diesjährigen Festspiele zu betonen, wird auch ein Zyklus sakraler Musik stattfinden, der 12 Konzerte unter der Leitung großer Meister umfassen soll, darunter Sir John Eliot Gardiner, Claudio Abbado und Zubin Mehta.

Dieser Musikzyklus setzte bereits am 20. Juli mit dem Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn ein, dirigiert von Eliot Gardiner. Am Samstag wurde das Oratorium „Der Messias“ von Georg Friedrich Händel aufgeführt, dirigiert von Daniel Harding. Am Donnerstag, den 26. Juli wird Zubin Mehta das „Te Deum“ von Anton Bruckner dirigieren; für Samstag, den 28. Juli ist die „Messe in Es-Dur“ von Franz Schubert geplant, dirigiert von Claudio Abbado; am Sonntag, dem 29. Juli wird Nikolaus Harnoncourt die „Litanei“ von Wolfgang Amadeus Mozart dirigieren.

Das Programm sieht auch jüdische Sakralmusik vor, darunter den „Avodath Hakodesh“ (Gottesdienst) von Ernest Bloch, den Zubin Mehta am Mittwoch, dem 25. Juli dirigieren wird.

Der Intendant der Festspiele, Alexander Pereira, erklärte, er habe diese „spirituelle Ouverture“ gewollt, weil sie gut zu einer Stadt wie Salzburg mit seinen schönen Kirchen passe.

Die Salzburger Festspiele entstanden 1920 im Zeichen W. A. Mozarts und mit dem Ziel, Dialog und Fortschritt der Musik und der modernen Kunst zu fördern. Die diesjährige Ausgabe umfasst bis zum 2. September insgesamt 232 Aufführungen, darunter auch – zum ersten Mal in Salzburg – die Bohème von Giacomo Puccini.

[Übersetzung des italienischen Originals von Alexander Wagensommer]