Festtag der heiligen Agnes

Papst segnet Lämmer für die Wolle der Pallien

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ROM, 21. Januar 2012 (ZENIT.org). -  Gleich zwei Kirchen sind in Rom der heiligen Agnes geweiht: Sant'Agnese fuori le mura an der Via Nomentana und Sant'Agnese in Agone an der Piazza Navona. In Sant'Agnese fuori le mura werden die Reliquien der Heiligen verwahrt, während Sant'Agnese in Agone über dem Ort errichtet worden ist, wo die heilige Agnes im 3. Jahrhundert ihr Martyrium erlitten haben soll.

Quellen wie die Legenda aurea des Jacopo da Voragine berichten ausführlich über das Leben und Martyrium der aus Rom stammenden Heiligen. Demnach hatte Agnes, die sich durch außergewöhnliche Schönheit und Grazie auszeichnete, den Sohn des Präfekten Symphronius zurückgewiesen. Sie erklärte, sie wolle allein mit Christus das Gelöbnis eingehen. Daraufhin stellte der Vater des jungen Mannes Agnes vor die Wahl, entweder der jungfräulichen Göttin Vesta ein Opfer darzubringen oder aber ihre Jungfräulichkeit in einem Freudenhaus zu verlieren. Weil sie sich dem heidnischen Kult verweigerte, wurde die grausame Drohung in die Tat umgesetzt. Auf wundersame Weise aber begann das Haar der Agnes zu wachsen und bedeckte ihre Blöße. Ein Engel brachte ihr zusätzlich ein lichtes Gewand. Als der junge Mann Agnes berührte, fiel er tot zu Boden. Durch das Gebet der Agnes wurde er nicht nur wieder zum Leben erweckt, sondern auch zum Christentum bekehrt.

Die Bestrafung der Agnes war jedoch nur aufgeschoben. Sie wurde zum Feuertod verurteilt, Agnes blieb aber unverletzt. Der Legende nach starb sie schließlich, erst zwölf oder dreizehn Jahre alt, entweder durch den Dolch oder das Schwert.

Wie die Legende weiter berichtet, erschien sie ihren Eltern am achten Tage nach ihrem Begräbnis mit einem Lamm. Deshalb ist das Lamm, das auch auf ihren Namen anspielt (lat. agnus – das Lamm), das sie kennzeichnende Attribut in bildlichen Darstellungen. Das Lamm als Christussymbol bezieht sich außerdem auf ihr Gelöbnis und die weiße Farbe symbolisiert ihre Reinheit.  

Am 21. Januar, dem Festtag der heiligen Agnes, werden in jedem Jahr zwei Lämmer in Sant’Agnese fuori le mura gesegnet. Anschließend werden sie dem Heiligen Vater in der cappella Urbano im Vatikanischen Palast zur traditionellen Segnung präsentiert. Aus der Wolle dieser beiden Schafe werden die Pallien erstellt, die am 29. Juni, dem Hochfest der heiligen Petrus und Paulus, den neu ernannten Metropolitanerzbischöfen aufgelegt werden, als Zeichen ihrer besonderen Verbundenheit mit dem Heiligen Vater.

Das Pallium, eine Stola aus weißer Wolle, ist mit sechs schwarzen Kreuzen aus Seide verziert.

Die Bedeutung dieser Geste erklärte Papst Benedikt in der Predigt vom 29. Juni 2011 mit den Worten: „So erinnert es uns an den Hirten, der selbst Lamm geworden ist, aus Liebe zu uns. Es erinnert uns an Christus, der sich aufgemacht hat in die Berge und in die Wüsten, in denen sich sein Lamm, die Menschheit verlaufen hat. Es erinnert uns an ihn, der das Lamm, die Menschheit – mich – auf seine Schultern genommen hat, um mich heimzutragen. Es erinnert uns so daran, dass wir als Hirten in seinem Dienst die anderen mittragen, gleichsam auf die Schultern nehmen und zu Christus bringen sollen. Es erinnert uns daran, dass wir Hirten seiner Herde sein dürfen, die immer die Seine bleibt und nicht die Unsere wird. Endlich bedeutet das Pallium ganz praktisch auch die Gemeinschaft der Hirten der Kirche mit Petrus und mit seinen Nachfolgern – dass wir Hirten für die Einheit und in der Einheit sein müssen und nur in der Einheit, für die Petrus steht, auch wahrhaft zu Christus hinführen.“

Von Britta Dörre