Feuerzungen aus Rosenblüten: Pfingsten im Pantheon in Rom

Wenn der Himmel Rosen regnen lässt

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Von Jan Bentz

ROM, 28. Mai 2012 (ZENIT.org). – Im Jahr 609, als Papst Bonifatius IV. die Pfingstmesse im Pantheon zelebrierte, soll bei seiner Predigt ein Rosenregen „wie Feuerzungen“ auf die Gläubigen niedergegangen sein. Über viele Jahrhunderte in Vergessenheit geraten, war daraus der Brauch des pfingstlichen Rosenregens entstanden: Man ließ einen Regen aus roten Blütenblättern der „Königin der Blumen“ auf die Köpfe der Gläubigen niedergehen, die Feuerzungen symbolisierend, die sich am Pfingstfest auf den Aposteln verteilten: „Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geiste erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab" (Apg 2,3-4).

Es ist Msgr. Don Antonio Tedesco, dem Kaplan der Kirche, der seit 1995 diese mittelalterliche Tradition im Pantheon in Rom, der Kirche „Sancta Maria ad Martyres“, wiederbelebt hat, zu verdanken, dass man die eindrucksvolle Zeremonie hier wieder alljährlich am Pfingstsonntag erleben kann. Der einstmals allen Göttern gewidmete heidnische Tempel, seit 608 in kirchliches Eigentum übergegangen und von Papst Bonifatius IV. am 13. Mai 609 Maria und allen Märtyrern geweiht, bietet mit seiner 43 Meter hohen und ebenso breiten Kuppel - als größte nicht verstärkte Zementkuppel der Welt ein architektonisches Meisterwerk-, einen Rahmen für dieses Ritual, der großartiger und angemessener nicht sein könnte.

Die Heimatstadt Don Tedescos, Giffoni Valle Piana in der Provinz Salerno, hält ihm hierfür seit 1995 die Treue: mit der Spende in Höhe von 5000 langstieligen Rosen und sieben Säcken Blütenblättern, die aus einer Baumschule im Picentino Tal stammen. Um diese Rosenblätter liefern zu können, ist in der Kommune so ziemlich die ganze Bevölkerung an der Ernte der Rosen und dem Auseinanderpflücken der Blüten beteiligt. Es ist für die Einwohner Ehrensache, nach Kräften zu helfen, stolz darauf, dass es einer von ihnen ist, der in der italienischen „Nationalkirche“ mit den Gräbern italienischer Könige, dem Pantheon in Rom, diese wunderschöne religiöse Tradition wiederbelebt hat.

Um dieses Ereignis gebührend zu begehen, ist in diesem Jahr wiederum zum Pfingstfest eine Delegation von 50 Bürgern zusammen mit Bürgermeister Paul Russomando angereist, der zur Gabenbereitung der festlichen Eucharistiefeier dem Zelebranten einen Korb mit den langstieligen Rosen aus seiner Stadt überreichen darf.

Die langstieligen Rosen schmücken auch die Sitzplätze der überfüllten Kirche; sieben Säcke der feuerroten Blütenblätter transportieren fünf Feuerwehrleute in die schwindelerregende Höhe von 43 Metern, von wo aus sie sich dann durch das neun Meter große „Auge“ im Zentrum der Kuppel im Strahl des Sonnenlichts auf die Gläubigen in den Innenraum ergießen werden.

Am Ende der feierlichen hl. Messe zum hohen Pfingstfest, wo in der Sequenz gesungen wurde:„Veni, Sancte Spiritus, et emitte caelitus lucis tuae radium (Komm, o Geist der Heiligkeit, aus des Himmels Herrlichkeit, sende deines Lichtes Strahl"), ist es dann so weit: Der Himmel öffnet sich und Millionen von Blütenblättern  segeln langsam zu den Klängen des gregorianischen „Veni creator spiritus“ (Komm, Schöpfer Geist“) durch die Öffnung in der Kuppelmitte auf die Gläubigen herab, bleiben auf Köpfen und Kleidung liegen und bedecken bald den Marmorboden mit einem dicken Blütenteppich. Rot ist nun auch der Fußboden unter den liturgisch flammendrot gewandeten Klerikern, die in langer Prozession ausziehen.

Ein unvergessliches Erlebnis, von vielen Gläubigen in Bildern festgehalten, die dafür in kindlicher Freude den Blütensegen auflesen und neu über den Köpfen ihrer Nächsten ausgießen und dessen feuerfarbene „Tropfen“ natürlich als Andenken an einen festlichen Pfingstsonntag in Rom eingesammelt werden.