Florenz und Rom: zwei Weltstädte, durch die Verbindung mit dem Stuhl Petri vereint

Neu ernannter Kardinal Giuseppe Betori besucht Hauptsitz der Katholischen Aktion

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Von Luca Marcolivio

ROM, 21. Februar 2012 (ZENIT.org). - Für den neu ernannten Kardinal Giuseppe Betori war es ein bisschen wie eine Heimkehr. Am wichtigsten Tag seines Lebens, dem seiner Erhebung zum Kardinal, trat der Erzbischof von Florenz im nationalen Hauptsitz der Katholischen Aktion in der Via della Conciliazione, wo er vor rund sechzig Jahren seine christliche Laufbahn begann, vor die Presse.

Während seiner Kindheit folgte der künftige Kardinal in der Katholischen Aktion dem kanonischen Bildungsweg für Kinder, der sich in drei Stufen unterteilt, die sogenannte „weiße Flamme“, „grüne Flamme“ und schließlich „rote Flamme“. „Wie Sie sehen, hat mich die rote Flamme nicht mehr verlassen“, scherzte Betori und zeigte den Journalisten den kürzlich empfangenen Kardinalshut.

„Aus der Saat der Katholischen Aktion“, fuhr der Erzbischof von Florenz fort, „erwuchs meine Berufung zum Priestertum. Ein Pfad, dem heute eine weitere Etappe hinzugefügt wurde, die der Heilige Vater für mich bestimmt hat.“

Den am Freitag abgehaltenen Tag des Gebets und der Vorbereitung auf das Konsistorium beschrieb Betori als einen „sehr offenen und schönen Moment der Gemeinschaft“, der die jeweiligen „Erfahrungen in der lokalen Kirche“ der neuen Kardinäle zum Thema hatte.

Diese Zeit des gemeinsamen Austauschs wurde vom Kardinal von Florenz als „tröstlicher“ Schritt definiert, denn er hat eine Kirche zum Vorschein gebracht, die „viel offener und reicher an Hoffnung und Freude ist, als das, was über sie möglicherweise in der öffentlichen Meinung und in den Medien erscheint“.

Eine „vielfältige, verzweigte und umfangreiche“ Kirche, die „das ‚begrenzte Bild’ der Kirche, das nur einen Aspekt der Kirche zeigt, zurechtrückt, denn die Kirche hat über eine Milliarde Aspekte zu bieten, so viele, wie es Gläubige gibt, oder, wenn Sie so wollen, ein paar tausend, so viele, wie es Diözesen auf der Welt gibt.“

Folglich eine territorial verwurzelte aber gleichzeitig universelle Kirche, in der „die Wellen der Großzügigkeit immer schon neben den Sünden der Menschen bestanden“ und die „den Geist Gottes widerspiegelt, trotz der Geringfügigkeit der Menschen und der Widrigkeiten unserer heutigen Zeit.“

Der Heilige Vater habe Kardinal Betori die Titelkirche San Marcello al Corso zugewiesen, eine der ältesten Titelkirchen aus dem Jahre 304, die so die „Geschichte der Kardinalswürde" ausmache. Es handele sich um eine Kirche, die nicht zufällig mit der Geschichte der Stadt Florenz verbunden sei, denn sie gehöre den Serviten, auch bekannt als Orden der Diener Mariens, einem der „bedeutendsten Orden im mittelalterlichen Florenz", erläuterte der Erzbischof.

Anschließend sprach der Kardinal den Gläubigen aus Florenz seinen Dank aus, die in großer Zahl (etwa 1200 Personen) anlässlich des Konsistoriums in Rom zusammengekommen waren. Betori erwähnte die institutionellen Amtsträger, vom Bürgermeister bis hin zum Präfekten und dem Präsidenten der Region, „die mir in den vergangenen drei Jahren immer nahe gewesen sind.“

Der Bischof würdigte zudem die Zuneigung der florentinischen Bevölkerung für ihren Bischof: „Nicht nur für meine Person, sondern auch für die institutionelle Figur." Eine „zutiefst“ empfundene Zuneigung, insbesondere nach dem Angriff am vergangenen 4. November, bei dem der Erzbischof unverletzt blieb.

Ferner lobte der Kardinal auch die Offenheit und das Engagement der Florentiner angesichts anderer tragischer Ereignisse und schwieriger Umstände, wie die Ermordung von fünf Senegalesen oder die Aufnahme von Seiten der Caritas und Pfarreien von afrikanischen Flüchtlingen aus Lampedusa.

Auf die Frage eines Zenit-Journalisten bezüglich der Rolle der Bischöfe in der modernen Gesellschaft und insbesondere im Zuge der Neuevangelisierung, antwortete Kardinal Betori, er hoffe, dass die Nachfolger der Apostel „einen stärkeren missionarischen Impuls“ geben könnten.

Der Erzbischof von Florenz erklärte: „Vielleicht konnte ein Bischof in der Vergangenheit denken, er könne die Seelen durch Leitung der pastoralen Organisation heilen, und glauben, er erfülle damit seine Rolle. Doch erlaubt die Mannigfaltigkeit der Situationen heutzutage es nicht mehr, sich auf die Aufrechterhaltung des bereits Bestehenden zu beschränken.

Der Diener Gottes und mein Vorgänger, Bischof Elia Dalla Costa, konzentrierte sich bei seinen Pastoralbesuchen vor allem auf die Überprüfung des Katechismuswissens bei den Kindern, was auch heute noch eine Notwendigkeit ist, jedoch nicht in so weit, als dass dies die Aufgaben eines Bischofs erfüllen könnte.“

Heute, so der neue Kardinal weiter, sei „die Überprüfung der Glaubensinhalte“ nicht mehr ausreichend, denn was einmal als „der christliche Horizont“ galt, sei heute in fast jeder Diözese des Westens ein „weitaus stärker zerklüfteter“ Horizont.

Betori erklärte, dass seine Ernennung zum Kardinal „nicht die Ontologie meines Dienstes verändert, die sich aus meiner Ernennung zum Bischof ergibt.“ Wenn ein Bischof zum Kardinal erhoben wird, bedeute dies für ihn, „das Band mit dem Stuhl Petri, mit Rom, zu festigen.“

In der Tat könne keine Diözese „ohne die Verbundenheit zum Nachfolger Petri und seiner Lehre fortbestehen. Darüber hinaus bestanden im Laufe der Jahrhunderte zwischen Rom und Florenz immer intensive Verbindungen, wenn auch von Höhen und Tiefen geprägt.“ Eine Verkörperung dieser Verbindung findet sich laut Betori im Diener Gottes Giorgio La Pira, dem ehemaligen Bürgermeister der toskanischen Hauptstadt.

„Die Großartigkeit von Florenz führte schon immer dazu, sich als Weltstadt zu sehen“, fügte Betori hinzu. „Selbst Dante wandte sich, als er von Florenz schrieb, an die ganze Welt. Und auch Michelangelo betrieb seine Bildhauerei und Malerei mit dieser universalen Sichtweise.“

[Übersetzung des italienischen Originals von Sabrina Toto]