Florian, der Blühende

Schutz vor wirklich verheerenden Feuern in unserem Leben

Rom, (ZENIT.org) | 2130 klicks

Von Msgr. Dr. Florian Kolfhaus

So wie eine Pflanze Wasser braucht, um zu wachsen, zu blühen und Frucht zu bringen, so braucht der Mensch Gottes Gnade, um wirklich das Leben in Fülle zu finden (Joh 10, 10), um ein blühendes, fruchtbares Leben zu führen. In einer gefallenen Welt kann niemand aus eigener Kraft auf Dauer gut sein, auch wenn er sich aufrichtig darum mühen mag. Jeder braucht Gottes Hilfe, jeder braucht das Wasser der Gnade, um nicht zu verwelken und zu dürrem Stroh zu werden. Der hl. Florian, dessen Gedenktag die Kirche heute feiert, ist der Schutzpatron von Wasser und Feuer. Sein Name bedeutet „der Blühende“. Und in der Tat hat Gottes Gnade sein Leben aufblühen und gelingen lassen. Es mag verwundern, dass man von einem jungen Mann, der um seines Glaubens willen mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen wurde, so etwas sagt. War es nicht vielmehr so, dass mit seinem Tod das blühende Leben zerstört und jede hoffnungsvolle Knospe brutal ausgerissen worden ist? Florian ist im kalten Flusswasser ertrunken und eben nicht – wie eine aufschießende Pflanze im warmen Frühlingsregen – der Sonne entgegengewachsen. Weltlich gesehen ist er gescheitert: Er hat seinen hohen Offiziersposten verloren und seinen Glauben mit dem Martyrium bezahlt.

Und doch ist sein mutiges Zeugnis: „Auch ich bin Christ wie meine Kameraden!“, das er zur Verteidigung seiner Freunde abgelegt hat, Ausdruck von Stärke und Mut. Es ist Zeichen von Vitalität, von Leben – Leben in Fülle, das selbst den Tod nicht fürchtet, sondern ihn im Glauben überwindet. Solche Kraft braucht Wurzeln, die tief hinabreichen und den Baum im Sturm festhalten. In der Hitze der Verfolgung hat das Wasser der Gnade Florians Leben aufblühen lassen. Sein Glaube ist nicht verdorrt, wie der so vieler, die aus Angst die Wahrheit aufgegeben haben.

Bestünde die von Jesus verheißene „Fülle des Lebens“ in Karriere, Geld und Sinnlichkeit, so wären der hl. Florian und alle anderen Märtyrer traurige Versager. Heute scheint es oft so, dass nur da das Leben blüht, wo die Wirtschaft floriert, und von Vitalität nur dann die Rede ist, wenn die materielle Lebensqualität wächst. Bemisst sich der Sinn des Lebens aber nicht allein in der Zahl seiner Jahre, im finanziellen Gewinn und im Beifall der Masse, so sind die Heiligen wahrhaft blühende Gestalten, die das Wasser der Gnade hat groß und stark werden lassen. Sie sind die lebendigen, die vitalen, die fruchtbringenden Glieder der Kirche, und keine dürren Gestalten, die trotz Reichtum und Macht nach Sinn und Liebe lechzen, weil die Güter dieser Welt allein niemals ihre wahre Sehnsucht stillen können.

Gott will, das unser Leben aufblüht und Frucht bringt, die für die Ewigkeit bleibt. Gott will, dass wir heilig sind. Die Welt braucht Heilige. Wir sind es, die Heilige sein müssen, wenn wir den Himmel auf die Erde herab holen, oder besser gesagt, sie zu ihrem wahren Ziel hinauftragen wollen. „Es gibt nur eine einzige Traurigkeit“, so der französische Schriftsteller Léon Bloy, „nämlich die, kein Heiliger zu sein.“ Wie Recht hat er! Und doch scheint heute kaum etwas so unattraktiv und altmodisch wie das Ideal der Heiligkeit. Tauchen bei diesem Begriff nicht erschreckende Bilder von griesgrämigen Moralisten und weltfremden Asketen auf? Heilige, so meint man nicht selten, seien ja wohl keine Beispiele für sprühende Lebensfreude und leidenschaftliche Vitalität. Und doch ist gerade der Heilige der „beatus“ – der selige, der glückliche Mensch, dessen irdisches Leben ins Ewige hineinwächst, weil seine Wurzeln sich vom Wasser der Gnade nähren. Weit davon entfernt moralisch perfekt zu sein, lebt der Heilige von Gottes Kraft, von der er sich mehr erwartet als von seinen eigenen Talenten. Der hl. Florian – der „Blühende“ – möge durch seine Fürsprache helfen, dass der Brand der Sünde unsere Herzen nicht in dürres Land verwandelt, sondern kraft der Gnade zu fruchtbarer Erde wird, auf der das wahre Leben sich entfaltet.

So mag der Feuerwehrpatron nicht nur „Blitzableiter“ sein, der unsere Häuser schützt – auch wenn es freilich gut ist, ihn darum zu bitten – sondern Mittler zu dem, der das lebendige Wasser geben kann, damit auch wir blühende Menschen werden, die dem Himmel entgegen wachsen.

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Gebet zum hl. Florian
Sankt Florian, das Haus bewahr‘
vor Donner, Blitz und Feuersg’fahr.

Behüt uns all vor Sünd und Schand,
vor Krieg und Pest und Feuersbrand.
Sankt Florian, sei fromm gebeten,
hilf uns aus Angst und Nöten.

Wenn Blitz und Donner niederfällt,
wenn dunkel wird die ganze Welt
und niemand mehr sich helfen kann,
beschütze uns Sankt Florian!

Wenn Krieg und Brand nimmt überhand
an vielen Ort’ und Enden,
beschütz das liebe Vaterland,
tu Unheil all abwenden.

Wenn Feuer irgendwo entsteht,
rett’ uns aus allen G’fahren,
durch deine Fürbitt’, dein Gebet
tu’ alles uns bewahren.

Wenn schon das Feuer brennt im Haus
und alles will zerstören,
die Flamme schlägt zum Fenster raus,
ach hilf, wollst uns erhören.

Hilf auch, wenn unser Herz in Brand
voll Leidenschaft und böser Wut,
nimm Du uns fest an Deiner Hand,
lösch aus den Hass und mach uns gut.

Allein das Feuer unsrer Lieb zu Gott
tu’ stets in uns anzünden,
daß wir erlangen vor dem Tod
Verzeihung uns’rer Sünden.

Und wenn die Seel’ fährt aus dem Mund
und wir dahin durchsterben,
dann steh bei uns in letzter Stund
laß uns noch Gnad’ erwerben.

Insonderheit wenn bei Gericht,
Gott will das Urteil fällen,
Sankt Florian verlaß uns nicht,
rett’ uns vorm Brand der Höllen.

Sei uns Patron und Schutzherr dann,
wenn wir ins Fegefeuer müssen,
wegen der Sünd’, die wir getan,
den kleinsten Heller büßen.

Führ uns alsdann an deiner Hand
aus dieser Qual der Flammen
hinauf ins himmlisch Vaterland
Zu Christus Jesus Amen.