Flüchtlingsdrama in Syrien

Stellungnahme von Bischof Markus Büchel, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz und Bischof von St. Gallen

Freiburg i. Ü., (SBK PM) | 313 klicks

Der Krieg in Syrien hat zu einer Flüchtlingstragödie von unvorstellbarem Ausmass geführt: Neun Millionen Menschen sind in die Nachbarländer Syriens geflohen oder sind innerhalb von Syrien vertrieben wurden. Sie alle sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Es ist das weltweit grösste Flüchtlingsdrama seit 20 Jahren.

Die Schweiz hat einiges geleistet – über die humanitäre Hilfe des Bundes oder über die Hilfswerke, die von den Schweizer Bürgerinnen und Bürgern grossherzig unterstützt wird. Besonders auch die katholischen Hilfswerke wie Caritas oder Kirche in Not dürfen auf diese Unterstützung zählen. Angesichts der sich weiter zuspitzenden Lage muss jedoch mehr getan werden.

Konkret sollte der Bund seine für 2014 zugesagte humanitäre Hilfe stark erhöhen. Wir schlagen, gestützt auf unsere Experten, eine Erhöhung von 30 Millionen auf 100 Millionen Franken vor. Diese Erhöhung ist notwendig angesichts des Flüchtlingselends. Sie ist auch notwendig im Zeichen der schweizerischen humanitären Tradition, auf die wir uns immer wieder berufen. Sie ist schliesslich notwendig, weil in der Politik Konsens darüber herrscht, dass man Flüchtlingen am besten vor Ort hilft.

Als Uno-Mitglied soll sich die Schweiz entschieden dafür einsetzen, dass das Töten der Zivilbevölkerung aufhört und die Hilfsorganisationen Zugang zu den Notleidenden erhalten. Die Schweiz muss alles dafür tun, dass die humanitäre Katastrophe ein Ende findet.

Was die syrischen Kriegsvertriebenen angeht, sollte die Schweiz mehr Grossmut an den Tag legen. Sie will in den nächsten drei Jahren insgesamt 500 Kontingentflüchtlinge aufnehmen, vor allem Frauen, Kinder sowie Behinderte und ältere Menschen. Das ist sehr wenig. Das UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, hat die internationale Staatengemeinschaft ersucht, 100 000 Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen.  Wir unterstützen den Vorschlag der Caritas, dass die Schweiz zusagt, bis 2016 mindestens 5000 syrische Flüchtlinge aufzunehmen. 

Ich bin überzeugt davon, dass die Schweizer Bevölkerung bereit ist, die Aufnahme von mehr syrischen Flüchtlingen zu unterstützen. Ein Beispiel aus meinem Bistum St. Gallen: In den Räumen des kürzlich geschlossenen Gymnasiums Marienburg der Steyler Missionare werden sechzig syrische Flüchtlinge betreut werden, wie letzte Woche bekannt gegeben wurde. Für ihre Betreuung ist die Vereinigung der St. Galler Gemeindepräsidenten zuständig. Es ist ein gutes Beispiel der Zusammenarbeit kirchlicher, staatlicher und ziviler Kräfte, die in solchen Krisen nötig ist.

(Quelle: Webseite der Schweizer Bischofskonferenz, 16.07.2014)